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Hinweis eines Zeitzeugen : Weltkriegsbombe unter Rendsburger Spielplatz?

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Der Kampfmittelräumdienst ist alarmiert und der Verdacht der Stadt seit Monaten bekannt – die Spielgeräte sind trotzdem zugänglich.

von
erstellt am 16.Sep.2017 | 00:00 Uhr

Rensburg | Der Kampfmittelräumdienst will in Rendsburg neben der Christkirche unter einem Kinderspielplatz nach Bombenblindgängern aus dem Zweiten Weltkrieg suchen. Ein Betrieb für Garten- und Landschaftsbau soll dazu die Spielgeräte, Zäune sowie Sitzbänke abbauen und die Sträucher roden. „Das muss noch dieses Jahr losgehen“, sagte Frank Thomsen, Leiter des Fachbereichs Bau der Stadt Rendsburg, während der jüngsten Sitzung des Umweltausschusses. Der Platz war am Freitag noch zugänglich. Nach Auskunft von Carola Jeschke, Sprecherin des Landeskriminalamts (LKA), hat der Kampfmittelräumdienst in Rendsburg bisher noch nie Blindgänger gehoben.

Der Spielplatz „Kirchenstraße“ ist der einzige im Stadtteil Neuwerk und liegt an der Kreuzung Kirchen-/Königin-/Löwenstraße, wenige Meter neben dem 317 Jahre alten Gotteshaus. Das Grundstück gehört der Evangelisch-Lutherischen Christkirchengemeinde Rendsburg-Neuwerk, erläuterte Kirchengemeinderatsvorsitzender Hans-Hinrich Blunck. Vor mindestens 20 Jahren überließ die Kirche die etwa 300 Quadratmeter große Fläche der Stadt. Nestschaukel, Drehkarussell, Kletterturm und Rutsche wirken nicht mehr neu.

Der Verdacht auf einen Blindgänger ist der Verwaltung seit dreieinhalb Jahren bekannt. Im Januar 2014 kam in der nordrhein-westfälischen Stadt Euskirchen ein Bauarbeiter durch die Explosion einer Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg ums Leben. 13 Personen wurden verletzt. Daraufhin meldete sich im Rendsburger Rathaus ein ehemaliger Bewohner der Löwenstraße. Er meinte, sich erinnern zu können, dass im Zweiten Weltkrieg eine Fliegerbombe neben der Christkirche eingeschlagen war, ohne zu detonieren. „Der Ort des Bombeneinschlags soll nach diesen Angaben exakt dort gewesen sein, wo sich heute – an der Kreuzung Königinstraße/Kirchenstraße – der städtische Kinderspielplatz befindet“, schreibt Bürgermeister Pierre Gilgenast in einer Mitteilungsvorlage für den Umweltausschuss. Die Verwaltung informierte umgehend den Kampfmittelräumdienst des Landeskriminalamts und stellte einen Antrag auf die Auswertung von Luftbildern. Auf diesen Fotos fanden die Experten allerdings keinen Hinweis auf Blindgänger. Inzwischen liegen dem Kampfmittelräumdienst neue Luftbilder vor. „Die damaligen Alliierten öffnen nach und nach ihre Archive“, erläuterte Thomsen. Nach Durchsicht der neueren Aufnahmen habe sich der Kampfmittelräumdienst selbstständig bei der Stadtverwaltung gemeldet und eine Bodenuntersuchung vorgeschlagen. „Er sagt, dass es da keine eindeutigen Erkenntnisse gibt“, so Thomsen.

Wie LKA-Sprecherin Jeschke berichtet, untersuchte der Kampfmittelräumdienst den Spielplatz Anfang des Jahres mit Sonden nach magnetischen Feldern ab. Die Spielgeräte aus Metall lenkten die Messinstrumente jedoch stark ab. Thomsen: „Wir haben keine andere Wahl, als alles abzuräumen, Suchgrabungen vorzunehmen und alles wieder aufzubauen.“ Die Stadt stellt außerplanmäßig 25.000 Euro für die Arbeiten bereit.

Kampfmittelräumdienst geht in drei Schritten vor

In drei Schritten wird der Kampfmittelräumdienst den Spielplatz neben der Rendsburger Christkirche untersuchen, erläuterte Carola Jeschke vom Landeskriminalamt. Zuerst werden die Experten mit Sonden über den Boden gehen. Die Geräte erkennen Metall bis in eine Tiefe von fünf Metern. Sollten sie anschlagen, nehmen die Einsatzkräfte eine Tiefensondierung vor. Sie bohren dazu in einem Kreis um die Verdachtsstelle bis zu sechs Meter tiefe Löcher, in die sie Sonden hineinstecken. Die Experten können dabei bereits die Maße eines Fundstücks erkennen. Sollte sich dadurch der Verdacht auf eine Bombe erhärten, werden sie im dritten Schritt das Erdreich um das Objekt ausheben. Ein Termin für diese Arbeiten liegt dem Kampfmittelraumdienst noch nicht vor. Auf dem Gelände der ehemaligen Eiderkaserne war er 2012 erstmals im Einsatz und soll es demnächst erneut auf Weltkriegsbomben untersuchen, kündigt Bauamtsleiter Frank Thomsen an.

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