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Veganes Leben : Weihnachtsbraten ganz ohne Fleisch

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Die 54-jährige Nortorferin Meune Lehmann zeigt, wie man ein klassisches Gericht komplett ohne tierische Produkte zubereiten kann.

shz.de von
erstellt am 21.Dez.2015 | 16:54 Uhr

Rotkohl, Klößchen, Sauce und der obligatorische Braten – so sieht das klassische Weihnachtsessen vielerorts aus. Dass es anders geht, beweist Meune Lehmann. Nicht nur im Alltag, sondern auch an den Feiertagen wird in ihrer heimischen Küche auf tierische Produkte verzichtet. Sie zeigt: Verzichten muss man auf (fast) nichts.

Dass Weihnachten das Fest der Liebe sein soll, kann die Nortorferin nicht ganz ernst nehmen. Ob die Supermarkt-Werbung mit fleischlastigen Angeboten oder in der Modeindustrie mit Daunen in Jacken, Mänteln und Decken. „Gerade zu den religiösen Festen scheint es nicht ohne Tierleid zu gehen“, bedauert Meune Lehmann. „Ob das traditionelle Osterlamm, der Pfingstochsen oder die Weihnachtsgans – die Feste ähneln einem reinen Schlachtfest.“

Seit vier Jahren lebt die 54-Jährige nun schon vegan – aus Überzeugung. Wie Vegetarier verzichtet sie auf Fleisch- und Wurstwaren – und geht noch einen Schritt weiter: Auch tierische Produkte wie Milch, Honig oder Eier kommen bei ihr nicht auf den Tisch. „Viele Leute denken, das bedeutet Verzicht. Aber so ist das nicht“, sagt Meune Lehmann. So können tierische Produkte durch das vegane Pendant ersetzt werden. Diese gibt es mittlerweile in nahezu jedem Supermarkt.

Aber auch wer auf den Ersatz verzichten möchte, erlebt keine einseitige Ernährung. „Das Schöne am veganen Kochen ist: Es ist spannender“, betont die Nortorferin, die zuvor mehr als 30 Jahre Vegetarierin war. Ihr Motto: Probieren geht über Studieren. Mengenangaben, Würzung – je nach Geschmack und wie man lustig ist. Strikt nach Rezept kocht sie nur selten. Und auch an den bevorstehenden Feiertagen wird in der Küche experimentiert. „Man darf gern ein bisschen kreativer denken.“

Am Heiligen Abend wird es bei den Lehmanns klassisch Kartoffelsalat und Würstchen geben. Statt normaler Mayonnaise wird auf die vegane Variante zurückgegriffen, und Würstchen gibt es ebenfalls ohne Fleisch. „Ich behaupte, dass man den Unterschied kaum schmeckt“, so Meune Lehmann. Wenn die Familie dann am ersten Weihnachtsfeiertag zu Besuch ist, kommt das große Festtagsmenü auf den Tisch. Während die Kürbissuppe zur Vorspeise ziemlich einfach vegan umsetzbar ist, wird es beim Hauptgang etwas origineller. Der klassische Braten wird mit einem geschroteten Mix aus Grünkern, Vollkornreis und Dinkel hergestellt. Etwas Gemüse und Gewürze sorgen für den Geschmack. Dazu gibt es Kartoffeln und Gemüse. Statt Letzteres zum Schluss in Butter zu schwenken, einfach etwas Öl nehmen. „Seitdem ich mich vegan ernähre, habe ich festgestellt, wie viele tolle Öle es gibt“, freut sich Meune Lehmann.

Aufwendiger sei das vegane Kochen nicht. Und auch nicht zwingend teurer. „Ich habe schon immer auf gute Qualität geachtet, da gebe ich dann gern ein paar Cent mehr aus.“ Zumal sich viele vegane Grundzutaten auch lange halten. Das in der tierproduktfreien Küche beliebte und oft verwendete Mandelmus kostet zwar um die sieben Euro, hält sich dafür aber dementsprechend oder ist einfach und schnell selbst herzustellen.

Wenn die Familie Lehmann an der gedeckten Weihnachtstafel Platz genommen hat, wird es neben dem Braten einen klassischen Nachtisch geben: Mousse au chocolat. Statt mit Eiern wird die Süßspeise durch reife Bananen und Cashewnüsse hergestellt. Aufwand: etwa eine Minute. Geschmack: vorzüglich. „Meine Söhne versuchen sich ebenfalls weitestgehend vegan zu ernähren.“ Die Einzige, die in der Familie noch gern Fleisch isst, ist ihre Mutter: „Und auch die verabschiedet sich nach den Feiertagen immer glücklich und mit einem Kilo mehr auf den Rippen. In der veganen Küche muss man auf nichts verzichten.“

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