Muslime in Deutschland : Weihnachten statt Zuckerfest

Die Familie unterm Weihnachtsstern.  Samar mit der kleinen Talya auf dem Arm, Samir und Tabarak (stehend von links). Sitzend von links: Assad, Ahmed und Abdualziz.
Foto:
1 von 1
Die Familie unterm Weihnachtsstern. Samar mit der kleinen Talya auf dem Arm, Samir und Tabarak (stehend von links). Sitzend von links: Assad, Ahmed und Abdualziz.

Die syrische Familie Saeed floh vor dem Krieg nach Deutschland. In ihrer Heimat trafen sich Christen und Muslime unter dem Tannenbaum. Jetzt werden an den Festtagen Spezialitäten aus der Heimat serviert.

von
26. Dezember 2017, 08:00 Uhr

Das wichtigste Fest in der muslimischen Welt ist das Zuckerfest. Weihnachten wird nicht gefeiert. Doch wie geht es muslimischen Familien, die schon länger in Deutschland sind? Samir Sheikh Saeed lebt mit seiner Frau Samar Barhum und den fünf Kindern seit 20 Monaten in Owschlag – und ganz spurlos geht der weihnachtliche Trubel auch an ihnen nicht vorüber.

„Es ist schön, euch zu sehen, wenn ihr für Weihnachten einkaufen geht und Tannenbäume holt. Die Geschäftigkeit erinnert uns an unser Zuckerfest“, übersetzt Ahmed (15) die Worte seines Vaters Samir Sheikh Saeed. Die in Owschlag lebende muslimische Familie aus Syrien feiert Weihnachten nicht. Dennoch sind Stube und Esszimmer genau wie bei ihren deutschen Freunden adventlich mit Kerzen, Weihnachtskugeln und Sternen geschmückt. Nur einen Tannenbaum wird es am Heiligen Abend nicht geben. Und auch keine Geschenke für die Kinder. „Naja“, lenkt Vater Samir ein: „Ich könnte euch ein Feuerwerk für Silvester schenken.“ Die Kinderaugen strahlen. Silvester in Deutschland haben sie vom vergangenen Jahr noch sehr gut in Erinnerung. Freunde waren zu Besuch. Die Mutter Samar Barhum hatte lecker gekocht. Anschließend wurde Musik gespielt, und alle haben getanzt. Um Mitternacht wurden dann die Feuerwerksraketen gezündet.

Und wie war es zu Weihnachten in der Heimat in Syrien? „Als noch Frieden herrschte, war es in unserer Stadt Idlib der Brauch, dass sich alle, Christen und Muslime, am 24. Dezember abends auf dem Uhrenplatz trafen. Dort stand ein riesengroßer Tannenbaum. Es war wunderschön“, schildert Ahmed seine Erinnerungen. Viele Christen habe es in Idlib gegeben. Sie seien aus Armenien und der Türkei nach Syrien ausgewandert, weil es dort Arbeitsplätze gab, sagt Samir. „Wir haben befreundete Christen an den Weihnachtstagen besucht, sie sind zum Zuckerfest zu uns gekommen.“ Doch dann kam der Krieg und alles änderte sich. Die Schule der Kinder wurde mehrfach bombardiert, und die Familie war in Idlib nicht mehr sicher.

„Als wir hier angekommen sind, hatten wir Angst, weil ihr eine andere Kultur habt und eine andere Sprache sprecht. Nach einiger Zeit stellten wir dann fest, dass alle sehr nett zu uns sind, dass wir alle eine Familie sind und dass es uns hier besser geht als in unserer Heimat“, berichtet Samir. Tabarak ergänzt: „Wir vermissen unsere Heimat, aber wenn wir uns an den Krieg erinnern, wollen wir da nicht wieder hin.“

Auch wenn die muslimische Familie Weihnachten nicht feiert, wird die leidenschaftliche Köchin Samar so manche syrische Spezialität und Süßigkeit für die Festtage vorbereiten. Und dann sind da schließlich auch noch die befreundeten Familien, wie die Hackbarths, die fast so etwas wie Großeltern geworden sind und es gar nicht aushalten würden, den Kindern zum Weihnachtsfest nichts zu schenken.

Die Flucht der Familie

Im November 2015 kam Samir mit seinen beiden Söhne Ahmed, damals 13 Jahre alt, und Assad, damals 9, nach einer dramatischen Flucht in Owschlag an. Das erste Weihnachtsfest in Deutschland stand vor der Tür. Die Flüchtlingshelfer Angela und Gerd Hackbarth beschlossen, die drei sowie einen weiteren Syrer Heiligabend zu sich einzuladen. Es wurde ein sehr schöner Abend, an den sich alle gern erinnern. Neun Monate dauerte es, bis Ehefrau Samar mit der kleinen Talya (1) und der damals 15-jährigen Tochter Tabarak sowie Sohn Abduaziz (17) hinterherkommen konnten. Deutsche Freunde hatten für die Familie ein Haus in der 3700 Einwohner zählenden Gemeinde gefunden. Schnell fühlte sich die Familie in Owschlag zu Hause.

Der Wunsch nach Frieden

Auch wenn die syrische Familie zu Weihnachten keine Geschenke austauscht – einen Wunsch haben sie alle: Samir erklärt, was an Weihnachten wirklich wichtig ist: „Wir beten, dass dieses Fest für alle gut wird und dass alle gesund bleiben. Unser Weihnachtswunsch ist, dass es keine Kriege mehr gibt auf der Welt und dass alle in Sicherheit leben können.”

Nationalitäten im Kreis

> Laut Datenbank des Kreises leben aktuell 15 202 Ausländer im Kreis Rendsburg-Eckernförde.
> Die fünf größten Gruppen sind zur Zeit Syrer (2980 Personen), Polen (1397 Personen), Türken (1146 Personen), Afghanen (941 Personen) und Iraker (857 Personen).
> Insgesamt sind im Kreisgebiet 137 verschiedenen Nationen vertreten.

zur Startseite

Kommentare

Leserkommentare anzeigen