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Raritäten in Nortorf : Weihnachten auf dem Plattenteller

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In einem kleinen Museum in Nortorf im Kreis Rendsburg-Eckernförde sammelt Lutz Bertram Raritäten wie Schallplatten, Plattenspieler und Fertigungsmaschinen. Er wünscht sich mehr Platz.

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erstellt am 24.Dez.2013 | 08:44 Uhr

Nortorf | Es knistert nur kurz, und als Lutz Bertram den Tonarm auf die Telefunken-Scheibe legt, erklingt ein gleichmäßiges Rauschen aus dem Polydor-Plattenspieler. Und ganz leise beginnen Mitglieder des Chors der Staatsoper Berlin „Oh Du fröhliche“ zu singen. „Hört sich doch an wie neu: Dabei stammen die Schellack-Platte und der Plattenspieler aus dem Jahr 1948, dem Jahr, in dem hier die Schallplattenproduktion richtig begann“, sagt Bertram, der diese Schätze im Museum in Nortorf (Kreis Rendsburg-Eckernförde) gesammelt hat. „Platten, Fertigungsmaschinen, Abspielgeräte – weil wir alles haben, sind wir ziemlich einzigartig in Europa, vielleicht sogar der Welt“, sagt der 50-Jährige, der das kleine Museum in der 6600-Einwohner-Stadt sein zweites Zuhause nennt.

Und so manche Weihnachtsrarität findet sich unter den meist gespendeten 25.000 Platten, die Bertram hier eingelagert hat. Etwa alte Klassiker von Heintje oder Willy Schneider. „Für die Mitarbeiter des Teldec-Werkes gab es zu Weihnachten besondere Pressungen mit besonderen Covern“, erzählt Bertram. Darauf findet sich eine breite Mischung, von Vivaldi bis Lindenberg, von Ted Herold bis Richard Clayderman. „Man wollte es wohl allen recht machen“, sagt Bertram.

Vom Museum aus kann er auf die Bagger schauen, die das alte Teldec-Werk, in dem in Nortorf zu Spitzenzeiten mal 1000 Menschen gearbeitet haben, abreißen. Aus der Industrieruine hat er zuvor noch ein Buch gerettet, in dem ein neunseitiges Gedicht steht, das ein Mitarbeiter bei der ersten Weihnachtsfeier des Werks 1948 vorgetragen hat. Auch alte Fotos hat Bertram noch aus dieser Zeit. „Ein bisschen wehmütig ist mir schon, dass jetzt große Teile des Werkes weichen müssen“, sagt er. Denn Nortorfs Ruf als Stadt der Schallplatte gerät ein wenig mehr in Vergessenheit. Damit es so weit nicht kommt, hat Bertram diese Ausstellung geschaffen, in einem Haus, das ihm die Stadt zur Verfügung gestellt hat. Theoretisch könnte er sogar noch Schallplatten herstellen, die Fertigungsgeräte hat er alle.

Bertram ist es wichtig, die Geräte und Platten im Spiegel ihrer Zeit zu zeigen, Wirtschafts- mit Sozialgeschichte zu verbinden, statt stumpf die Geschichte der Unternehmen zu erzählen, die bis in die 1980er Jahre hinein in Nortorf Vinyl-Platten herstellten. 850 Millionen sollen es am Ende gewesen sein, von Cat Stevens über Karat bis zu Peter Maffay. Dass jetzt die Schallplatte eine kleine Renaissance erfährt, spürt auch Bertram. „Ich freue mich, dass es auf den Flohmärkten jetzt auch wieder mehr jüngere Leute gibt, die sich für Platten interessieren. Das sind ja alles potenzielle Museumsbesucher.“ Von denen hat Bertram rund 1000 pro Jahr, es könnten aber mehr sein.

Denn das Museum hat nur sonntags und nach Anmeldung geöffnet. „Nur einen Bruchteil dessen, was wir haben, können wir auch zeigen“, sagt Bertram, der an Weihnachten wohl auch eine Platte auflegen wird. „Allerdings bin ich Jazz-Fan, Weihnachtsmusik finde ich furchtbar.“ Und was wünscht sich der Museumsleiter? „Na ja“, sagt er und blickt sich in seinem 120 Quadratmeter kleinen Museum um. „400 Quadratmeter könnte ich locker füllen. Ich glaube ich wünsche mir einfach mehr Platz.“

Museum Nortorf, Jungfernstieg 6, Nortorf. Ansprechpartner: Lutz Bertram, Tel. 04392 4674

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