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Stadtwerke stellen Wasser ab : Wasser aus der Regentonne statt aus der Leitung

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Fünf Tage lang mussten die Mieter ohne fließend Wasser auskommen. Doch nicht sie waren Schuld, sondern ihr Vermieter.

Fünf Tage lang ohne fließend Wasser: Diese Erfahrung mussten die Ehepaare Zebedies und Petersen aus Büdelsdorf kürzlich in ihren Wohnungen in der Hollerstraße machen. Denn die Stadtwerke hatten ihnen am vergangenen Mittwoch plötzlich das Wasser abgestellt. Der Grund: Ihr Vermieter hatte die Wasserrechnung schon monatelang nicht mehr bezahlt. Doch die Mieter wussten von nichts. Sie standen auf einmal ohne Wasser da.

Als Linda Petersen am Mittwochmittag aus dem Fenster schaut, entdeckt sie vor ihrem Wohnhaus einen Mitarbeiter der Stadtwerke, der gerade dabei ist, das Wasser an der Hauptleitung zu ihrem Wohnhaus abzudrehen. Sofort geht sie vor die Tür, stellt den Mann zur Rede, möchte ihn aufhalten. Doch der Mitarbeiter gibt nicht nach. Er erledige schließlich nur seine Arbeit, sagt er. Anschließend drückt er der Bewohnerin einen Zettel in die Hand. Darauf steht, dass insgesamt 800 Euro an Wasserkosten inklusive Mahngebühren für die beiden Wohnungen fällig seien. Schon seit über einem halben Jahr seien keine Rechnungen mehr bezahlt worden. Deshalb gebe es nun kein Wasser mehr.

Für die Mieter ein echter Schock: „Wie soll man denn nur ohne Wasser leben?“ Wäsche waschen, Duschen, Kochen – alles war auf einmal nicht mehr möglich, erzählt Hannelore Zebedies. Also mussten sie sich etwas einfallen lassen. Für die Toilettenspülung diente das Wasser aus der Regentonne, den Kaffee holte sie sich vom Bäcker nebenan und täglich kaufte sie Wasser aus dem Supermarkt. „Ein ganz schön teuerer Spaß“, sagt ihr Ehemann dazu. Er ist sichtlich verärgert über die letzten Tage und fragt sich noch immer, wie sie überhaupt in solch eine unangenehme Situation geraten konnten.

Die Miete, in denen bei den Petersens und Zebedies auch die Kosten für Wasser enthalten sind, haben sie schließlich immer pünktlich bezahlt. Der Gang zu den Stadtwerken am Freitag gab schließlich Aufklärung. Es stellte sich heraus, dass der Vermieter die Rechnungen schon lange nicht mehr beglichen hatte. Vor der geplanten Abstellung des Wassers hatten ihn die Stadtwerke gewarnt, die Mieter hingegen blieben ahnungslos.

Dass die Stadtwerke trotzdem einfach das Wasser abdrehen durften, ärgert die Bewohner. „Wir können doch gar nichts dafür“, sagt Hans-Peter Zebedies. Der Geschäftsführer des Mieterbundes Kiel, Jochen Kiersch, gibt ihm da Recht. „Wir finden das völlig unanständig. Die Stadtwerke haben doch auch andere Möglichkeiten, das Geld einzufordern“, sagt er. Doch die Stadtwerke argumentieren damit, dass schließlich nicht die Mieter, sondern eben der Vermieter ihr Kunde sei. Wie sich der Fall in Büdelsdorf ereignet habe, täte ihnen allerdings furchtbar leid, sagte gestern die Sachgebietsleiterin der Kundenbuchung Kirsten Andresen. Sie hatten die Information vom Vermieter bekommen, dass die Bewohner die Miete nicht gezahlt hätten. Auf Anraten der Stadtwerke sollten sich die Bewohner direkt mit ihrem Vermieter in Verbindung setzen.

Beim Amtsgericht holten sich die Mieter schließlich weitere Unterstützung. Die Schulden bei den Stadtwerken haben sie nun selbst beglichen, die nächste Miete werden sie im Gegenzug nicht zahlen.

Inzwischen haben die Stadtwerke auch das Wasser im Wohnhaus wieder angestellt. Doch die Mieter fragen sich: „Für wie lange noch?“ Sie haben Angst, dass sich der Vorfall wiederholen könnte. „Was, wenn der Vermieter wieder nicht zahlt?“ Hans-Peter und Hannelore Zebedies spielen derweilen mit dem Gedanken, sich eine neue Wohnung zu suchen. Denn ihr Wunsch, die Wasserkosten direkt mit den Stadtwerken abzurechnen, scheint schwierig umzusetzen. Dafür müssten die technischen Voraussetzungen mit eigenem Zähler für jede Wohnung gegeben sein, heißt es von Seiten der Stadtwerke. Die Kosten für solch einen Umbau müsste der Vermieter tragen. Dass ihr Vermieter dabei zustimmen wird, halten die Mieter aber für ausgeschlossen.

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