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Überlebenstraining : Was tun, wenn die Zombies kommen?

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

In einem Survivalkursus lernte Redakteurin Katrin Schaupp, wie man in gefährlichen Situationen überlebt und was man dafür braucht.

shz.de von
erstellt am 28.Jun.2015 | 06:15 Uhr

Eigentlich ist Schönbek ein netter kleiner Ort im Kreis Rendsburg-Eckernförde. Eigentlich. Denn so beschaulich es meistens auch ist: Manchmal sind hier die Zombies los. Wie ich mich gegen sie zur Wehr setzen kann, lerne ich in einem Zombie-Survivalkursus des Ausbildungszentrums für Überlebenstechniken. Und für den hat mich Kursleiter Jan Eisfeldt nach Schönbek eingeladen. Zugegeben: Dass uns wirklich jemals wandelnde Untote das Leben schwer machen, ist sehr unwahrscheinlich. Doch bei Jan steht Zombie für andere Menschen in besonders gefährlichen Situationen. Diese Situationen entstehen etwa durch Angst, Hass, Rache, Radioaktivität oder Viren. „Jeder Mensch reagiert anders auf solche Situationen. Abhängig von seinem Wissensstand“, weiß Jan.

Vorbereitung ist also das A und O – und so lerne ich, dass eine Gruppe idealerweise aus vier Personen besteht, die aus verschiedenen Berufsgruppen kommen, und zum Beispiel Arzt, Künstler, Chef und Journalist oder Arbeiter, Lehrer, Pastor und Koch sind. Jedem werden dabei bestimmte Eigenschaften wie Kreativität, Wissen, Führungspotential oder Beschützerinstinkt zugeschrieben, die von Nutzen sind, wenn es ums Überleben im Ausnahmezustand geht. Der Abstand zwischen den Gruppenmitgliedern sollte nicht mehr als eine Armlänge betragen, so kann man auch per Körperkontakt non-verbal miteinander kommunizieren. Nach ein wenig Theorie geht es schließlich daran, die Praxis zu proben: Jan Eisfeldt und Ausbilder Ronny Kayser zeigen, was in einen Fluchtrucksack gehört: Das tarngrüne Ungetüm wird gefüllt mit Nässeschutz wie Gamaschen für die Hosenbeine, Krampenhut und einer Plane, Wärmeschutz in Form von Mützen, Schals und Handschuhen sowie Wechselwäsche. „Klamotten rollt man am besten auf“, sagt Jan. Ebenfalls im Gepäck ist Fertignahrung. „Die kann jederzeit eingenommen werden.“ Außerdem sollte man einen Vorrat anlegen, der für zwei Wochen aus Folgendem besteht: fünf Kilogramm Getreide, Brot und Kartoffeln, sechs Kilogramm Gemüse und Hülsenfrüchten und vier Kilogramm Obst. Außerdem benötigt man für diese Zeit 28 Liter Getränke, vier Kilogramm Milch und Milchprodukte, zwei Kilogramm Fisch, Fleisch und Eier sowie ein halbes Kilogramm Fette und Öle. Neu war mir, dass es in Europa 300  000 Pflanzenarten gibt, die man essen kann.

Nicht so begeistert bin ich davon, wie man seine Eiweiß-Zufuhr sichert, nämlich ebenfalls aus der Natur. In Form von Mäusen, Regenwürmern, Asseln oder Maden. Bei der Vorstellung dreht sich mir der Magen um – und so geht es fast allen, erzählen Jan und Ronny. „Ekel kann man nicht abstellen“, erklären die beiden. Aber abtrainieren kann man ihn schon. Zum Beispiel, indem man sich gelegentlich ein paar Regenwürmer in die Bratpfanne haut. Quasi, um sich daran zu gewöhnen. Doch dafür bin ich ein zu großer Tierfreund und finde, dass auch ein Wurm ein Recht auf Leben hat. Wem es genauso geht, der sollte wissen, dass man auch in Krisenzeiten allein mit vegetarischer oder veganer Ernährung über die Runden kommen kann. In dem Fall ist es aber von Vorteil, wenn man schon vorher wenig oder kein Fleisch gegessen hat. Je mehr der Körper an Fleisch gewöhnt ist, umso eher braucht er es – auch in Ausnahmesituationen. Einen Trost gibt es aber dennoch: Nach drei Tagen, spätestens drei Wochen sollte Hilfe da sein.

Doch bis es soweit ist, gilt es, die Flucht aus dem Krisengebiet zu schaffen. Zur Vorbereitung gehört auch, genau zu planen, welche Routen ich nehmen kann. Und natürlich, einen Plan B parat zu haben. „Auf der Flucht ist es wichtig, genug zu trinken und wann immer möglich zu schlafen oder auszuruhen“, erklärt Jan. Außerdem soll ich immer eine positive Einstellung behalten. „Klar, das gilt immer. Alles easy peasy“, sagt er. Ganz so easy peasy ist es dann aber doch nicht, wenn ich trotz Flucht einem Angriff der „Zombies“ nicht aus dem Weg gehen kann. So zeigt mir Jan, der eigentlich Sachbearbeiter bei einer Anstalt des öffentlichen Rechts in Neumünster ist, wie man sich im Nahkampf zur Wehr setzt. An Bob, einem Trainingsdummy, demonstriert er, wie ich Faust, Handballen, Rückhand und Daumen benutze, um mich zu verteidigen. Als friedliebender Mensch gibt es letztlich drei Möglichkeiten, seine Haut zu retten: Entweder muss man schneller, geschickter oder stärker sein als Gefahr oder Angreifer. Und vor einem echten Zombie könnte man im Zweifelsfall immer noch davonlaufen – denn die bewegen sich bekanntermaßen ja eher langsam. Und wenn es wider Erwarten doch mal zum Aufeinandertreffen kommt, weiß ich ja jetzt, wie ich mich wehren kann.

> Weitere Informationen über das Ausbildungszentrum für Überlebenstechniken gibt es unter www.azü.de.

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