zur Navigation springen
Landeszeitung

12. Dezember 2017 | 11:36 Uhr

Was die Welt von Rendsburg lernen kann

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

shz.de von
erstellt am 23.Dez.2015 | 14:20 Uhr

Vor zwei Jahren habe ich einen Deutschen geheiratet, der in der Türkei geboren wurde. Obwohl er im Alter von zwei Jahren nach Deutschland kam, wuchs er wegen seines fremd klingenden Namens als Türke in Deutschland auf. Doch als Türke blieb er in der Türkei die Sprache schuldig, die er nie richtig lernte, da seine Heimat Deutschland war. Wohin er auch ging, er blieb ein Fremder.

Noch bevor man ein einziges Wort mit dem Gegenüber wechselt, schiebt man ihn in Schubladen. Siehst gar nicht aus wie ein Türke. Siehst gar nicht aus wie ein Moslem. Kaum jemand versteht, was es heißt, einen Menschen kennen zu lernen. Diese Erfahrung habe ich als türkische Frau auch gemacht. In Rendsburg allerdings weniger als in anderen Städten. Hier gibt es diesen besonderen Flair, diese freundliche, vielleicht typisch norddeutsche Art, die einem sagt: Moin! Bist du nett, bin ich es auch. Egal was oder wer du bist. Ganz einfach, ganz menschlich. Es ist egal, wie man aussieht. Egal, mit welchem Akzent man versucht, Deutsch zu sprechen. Und gerade weil einem lächelnd Geduld entgegen erbracht wird, bekommt der Fremde Lust, die Sprache zu lernen und sieht keinen Grund, sich unter seinesgleichen zu verstecken und Groll zu züchten. Es kommt mir vor, als wäre die Gelassenheit der Rendsburger die Lösung für so einige Probleme. Als wir hier zum ersten Mal die Straßen entlang gingen, sagte ich zu meinem Mann: „Ich habe den Eindruck, als hätte ich hier in einem früheren Leben schon mal gelebt und komme gerade nach Hause.“ Vielleicht kommt dieses Gefühl daher, weil man hier einfach nur als Mensch gesehen wird.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen