Günstige barrierefreie Wohnung gesucht : Warum findet dieses Paar keine Bleibe?

Pudel 'Leo' muss mit: Nadine und Jörg Gründler in ihrer Wohnung in Meggerdorf. Doch auf dem Land fühlen sie sich nicht wohl. Foto: Beckwermert
Pudel "Leo" muss mit: Nadine und Jörg Gründler in ihrer Wohnung in Meggerdorf. Doch auf dem Land fühlen sie sich nicht wohl. Foto: Beckwermert

Nadine und Jörg Gründler leben in Meggerdorf. Seit neun Jahren wollen sie nach Rendsburg ziehen - doch barrierefreie Wohnungen sind dort für sie unerschwinglich.

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23. April 2012, 09:59 Uhr

Meggerdorf/Rendsburg | Es scheint, als fielen sie durch alle Raster. Niemand kann ihnen helfen. Nadine (37) und Jörg Gründler (48) haben alle Register gezogen, und doch kommen sie nicht raus. Raus aus Meggerdorf.
Das Ehepaar möchte aus vielerlei Gründen wieder in Rendsburg oder der Umgebung wohnen. Und das schon seit fast zehn Jahren. Das Problem: Das Zuhause, das die beiden suchen, muss speziellen Anforderungen entsprechen. Erstens: Es muss barrierefrei sein - Jörg Gründler ist als Spastiker auf den Rollstuhl angewiesen. Zweitens: Es muss eine Badewanne haben - denn Nadine Gründler leidet an der seltenen und schweren Hautkrankheit Ichthyosis congenita, auch als Fischschuppen-Krankheit bekannt. Sie muss täglich warm baden, um nicht äußerlich auszutrocknen. Drittens: Harlekin-Pudel "Leo" muss mitkommen dürfen. Und viertens muss die Wohnung auch noch bezahlbar sein. Offenbar ist das zu viel verlangt.
Nachholbedarf für günstige barrierefreie Wohnungen
"Wir sind nicht bei Wünsch-dir-was", sagt Nadine Gründler, "aber wir wissen nicht weiter". Vor neun Jahren zog das Paar aus Rendsburg nach Meggerdorf (Kreis Schleswig-Flensburg) - weil die Mieten dort geringer sind. Beide fühlen sich dort aber unwohl. Mangelnde soziale Kontakte, hohe Spritkosten. Sie arbeitet halbtags als Fahrerin bei der "Brücke" in Rendsburg, er halbtags in der Buchhaltung einer Firma in Bordesholm. Sie wollen zurück in die Stadt. Doch überall erhielten sie Absagen. "Die Wohnungsgesellschaft Mittelholstein hat uns mitgeteilt, dass ihre Wohnungen zu klein wären, um im Bad eine Wanne zu installieren." Die Pflege LebensNah habe eine barrierefreie Bleibe angeboten, jedoch ohne Badewanne. "Agge-Bau konzipiere gute Wohnungen, "doch leider sind die für Kleinverdiener unerschwinglich", sagt Nadine Gründler. "Wir können maximal 700 Euro warm zahlen." Die anderen Wohnungsgesellschaften böten meist Unterkünfte in Obergeschossen mit Fahrstuhl an.
Im Fazit fühlen sich die Gründlers allein gelassen - nicht nur von Wohnungsanbietern, sondern auch von der Politik. "Wir haben den Bürgermeister von Rendsburg kontaktiert. Leider hat der uns immer gesagt, dass die Stadt keine Wohnungen hat", formuliert es das Paar in einem Schreiben an den Mieterbund - der übrigens auch abwinkt. "Wir können nur politisch was tun und mehr öffentlich geförderte behindertengerechte Wohnungen fordern", sagt ein Sprecher des Kieler Mieterbunds. Es gebe keinen Rechtsanspruch auf eine bestimmte Bleibe. Sein Rendsburger Kollege Stephan Sombrutzki ergänzt: "Das Angebot selbst ist vielleicht gar nicht so schlecht. Es kommt auf die Höhe der Miete an. Und das Paar hat ein geringes Einkommen." Dazu komme der Hund. Obwohl er von einem besonders gelagerten Schicksal spricht, habe er nicht zum ersten Mal mit dieser Problematik zu tun, sagt Sombrutzki. "Es gibt Nachholbedarf für günstige barrierefreie Wohnungen."
Schleswig soll sich kümmern
Rendsburgs Bürgermeister Andreas Breitner kennt den Fall der Gründlers schon länger - und bedauert, nicht helfen zu können. "Es gab 2002 die ersten intensiven persönlichen Kontakte des Sozialen Dienstes der Stadt, auch einen Hausbesuch, als die Familie noch in Rendsburg wohnte", teilt Brigitte Fugmann vom Fachdienst Familie mit. Es seien Wohnungsgesellschaften und Makler kontaktiert worden, ebenso habe man den Landesbeauftragten für Menschen mit Behinderungen eingeschaltet.
"Das Büro von Dr. Ulrich Hase teilte mit, dass in den letzten Jahren mehrfach E-Mail-Kontakt mit der Familie bestand und diverse Hilfestellungen angeboten wurden, jedoch von dort keine noch nicht genutzte Möglichkeit gesehen werde, den Eheleuten zielführend zu helfen", ergänzt Brigitte Fugmann. Auch dem Stadtbeauftragten, Axel Hennecke, sei die Angelegenheit bekannt. Breitner rät dem Paar nun, sich an die zuständige Kreisverwaltung in Schleswig zu wenden. Der Spießrutenlauf geht also weiter.

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