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Urteil vor Gericht : Warum eine notorische Betrügerin nur Bewährung bekommt

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Die Angeklagte soll etwa 16.000 Euro ihres Arbeitgebers unterschlagen haben. Verurteilt wird sie aber wegen Betrugs am Jobcenter.

In Anbetracht dessen, was ihr angelastet wurde, ist eine 53-Jährige gestern vor dem Rendsburger Amtsgericht glimpflich davongekommen. Die Frau war wegen Betrugs und Untreue angeklagt worden. Sie soll unter anderem im Rahmen eines Mini-Jobs in einem ehemaligen Owschlager Hotel rund 16.000 Euro von einem Geschäftskonto auf ein eigenes überwiesen haben. Das Geld hat sie für eigene Zwecke ausgegeben. Verurteilt wurde die Frau, die mittlerweile in Baden-Württemberg lebt, letztlich aber wegen einer anderen Straftat.

Die zweifache Mutter hat – obwohl sie bereits in einem Minijob beschäftigt war – mehrmals Geld vom Jobcenter erhalten, und zwar mehr als ihr zustand. Insgesamt geht es um 1720 Euro, die die Angeklagte zu viel erlangt hat. Die zeigte sich geständig und gab an, sie habe ihren Mini-Job zwar mündlich gemeldet, aber nicht schriftlich, „weil die Abrechnung fehlte“. Weil es im Bundeszentralregister bereits 13 Eintragungen zu ihrer Person gibt – größtenteils handelt es sich um Betrugsfälle, beginnend im Jahr 1993 – verurteilte die Richterin sie zu einer Freiheitsstrafe von sieben Monaten und einer Woche, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Wie der Fall zu ahnden sei, fand die Richterin „schwierig“, wie sie zugab. Der Grund: Die Angeklagte ist schwer an Krebs erkrankt und hat der Richterin zufolge keine lange Lebenserwartung mehr. „Wenn hier heute eine gesund Frau vor mir sitzen würde, würde ich damit rechnen, dass es zu weiteren Betrugsfällen kommt. Diese Frau gibt es aber nicht mehr, deshalb gehe ich ruhigen Gewissens davon aus, dass es keinen Betrug mehr geben wird. Sie haben jetzt ganz andere Sorgen.“

Die Juristin benannte die Krankheit der Frau auch als Grund, warum die Verhandlung zu Betrug und Untreue in dem Owschlager Hotel eingestellt wurde. „Dieses Fass machen wir nicht auf. Sonst hätten wir hier ziemlich lang gesessen, das wäre nicht schön geworden.“ Davon zeigten sich die ehemaligen Arbeitgeber der Angeklagten enttäuscht. „Das ist unfassbar“, so das Ehepaar. Sollte die frühere Mitarbeiterin und Freundin tatsächlich schwer krank sein, täte es ihnen leid, so die beiden. „Das Geld haben wir uns abgeschminkt. Wir hätten uns nur gewünscht, dass sie nicht wieder mit einer Bewährungsstrafe davonkommt.“

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erstellt am 28.Jul.2017 | 12:29 Uhr

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