Rendsburg : Waldorfschul-Mitarbeiter: Neue Hinweise zu Nazi-Kontakten

Eltern und Lehrer sind erschüttert. Am Donnerstag werden in einer internen Schulversammlung an der Freien Waldorfschule in Rendsburg Fragen geklärt.
Die Waldorfschule Rendsburg an der Nobiskrüger Allee.

Ein Mitarbeiter der Feien Waldorfschule in Rendsburg wurde fristlos entlassen: Jetzt ist ein Video aufgetaucht.

shz.de von
24. September 2014, 05:21 Uhr

Rendsburg | Im Fall des von der Freien Waldorfschule Rendsburg suspendierten Verwaltungsmitarbeiters sind neue Einzelheiten bekannt geworden: Die Verbindung zu rechtsradikal eingestuften Gruppen hatte der Mann offenbar bereits im September 2012. In einem Internet-Video aus der Zeit ist er als Zuschauer einer skurrilen Krönung zu sehen.

Das Video zeigt einen Mann, der sich samt Zepter und Umhang zum absolutistischen Herrscher des, wie es in dem Film heißt, „Königreich Deutschland“ krönen lässt. Dieses Königreich erkenne die Gesetze der Bundesrepublik nicht an und mache sich deshalb seine eigenen Gesetze. Auch amtliche Dokumente wie Personalausweise oder Führerscheine basteln sich die Mitglieder selbst. Was wie eine Ansammlung Verrückter daher kommt, sei nicht zu unterschätzen, so ein Experte. Gruppen wie die „Reichsbürger“ oder „NeuDeutschland“ erscheinen auf den ersten Blick harmlos, verbreiten aber rechtsextremistisches Gedankengut. Laut Landeskriminalamt laufen aktuell keine Ermittlungsverfahren gegen diese beiden Gruppen in Schleswig-Holstein.

Das Originalvideo wurde bei Youtube inzwischen gelöscht, dieser MDR-Bericht über die Gruppierung NeuDeutschland zeigt jedoch einzelne Ausschnitte aus der Krönungszeremonie.

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Als die Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Waldorfschulen in Schleswig-Holstein (LAG) sowie der Bund der Freien Waldorfschulen (Bund) den Hinweisen auf Kontakten zur rechten Szene nachgegangen sind, seien sie auch auf das Video gestoßen, in dem der Mitarbeiter im Publikum eindeutig zu erkennen ist, bestätigte gestern Henning Kullak-Ublick vom Bund. Als sie den Mann darauf ansprachen, sagte dieser zwar, dass er die Krönung „etwas albern“ fand, doch völlig distanzieren konnte er sich von der Gruppe nicht.

Kurz nach der Krönung in Wittenberge (Sachsen-Anhalt) habe der Mann außerdem Thesenpapiere an Kollegen verteilt. In diesen heißt es unter anderem, dass die Bundesrepublik Deutschland kein legitimer Staat sei und man somit auch alle Gesetze nicht anerkennen sollte. Von den Waldorf-Mitarbeitern wurde er bei der Verteilung der Blätter schnell gestoppt, so Kullak-Ublick.

Inzwischen ist auch klar, dass der Mann nie wieder an die Waldorfschule zurückkehren wird. Der Sprecher der LAG Thomas Felmy bestätigte gestern, dass er bereits fristlos entlassen worden sei und somit nicht mehr nur von einer Suspendierung die Rede sein kann.

Am Donnerstag findet eine interne Schulversammlung für Eltern statt. „Es herrscht wirklich tiefe Bestürzung über den Vorfall. Jetzt muss Aufklärungsarbeit geleistet werden“, sagte Kullak-Ublick.

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