Protestbrief an den Bürgermeister : Wald-Kita: Viel Rauch um nichts

Inszenierten für das Foto eine Feuerstelle im Wald: Die Pädagogen Marc Wendt und Lena Richter würden mit ihren Schützlingen gerne ein Lagerfeuer auf einer abgelegenen Wiese machen.
Inszenierten für das Foto eine Feuerstelle im Wald: Die Pädagogen Marc Wendt und Lena Richter würden mit ihren Schützlingen gerne ein Lagerfeuer auf einer abgelegenen Wiese machen.

Geplante Feuerstelle bei den „Tummetotts“: Schon die Ankündigung ruft Anwohner auf den Plan.

shz.de von
23. Juli 2018, 10:47 Uhr

Eine geplante offene Feuerstelle des Waldkindergartens „Die Tummetotts“ im Gerhardshain sorgt für Ärger. In einem Schreiben an den Rendsburger Bürgermeister Pierre Gilgenast haben fünf Anlieger ihren Unmut geäußert. Sie befürchten „Waldbrandgefahr“, „Verqualmung“ und kündigen an: „Die Anwohner werden sich dagegen zur Wehr setzen.“

Ausgangspunkt für den Brief mit den gesammelten Unterschriften war ein Artikel der Landeszeitung vom 28. Juni. Darin ging es um den Trägerverein „Kind und Demokratie“. Die Waldkita-Macher möchten neben dem Hain eine Wiese pachten, um dort eine Feuerstelle zu ermöglichen. Ein Landwirt erklärte sich bereit, ein 30 mal 40 Meter großes Areal an „Die Tummetotts“ abzugeben. Der Sozialausschuss bewilligte bis zu 14 200 Euro Zuschuss für einen Zaun.

Lena Richter, die Leiterin der naturnahen Kitagruppe, kann die Bedenken der Anwohner nicht nachvollziehen. „Das Feuer wird nicht im Wald entfacht.“ Außerdem handele es sich bei der Feuerstelle um eine herkömmliche Feuerschale aus dem Baumarkt, die nur geeignetem Wetter entzündet werde – und bei der herrschenden Trockenheit schon gar nicht. „Es geht nicht darum, dass wir im Sommer ständig Feuer machen.“ Ihre Schützlinge sollen sich auch im Winter im Wald aufhalten und die Hände wärmen können. „Wir sind das ganze Jahr draußen. Und zum Wald gehört auch ein Feuer“, so die Pädagogin.

Unverständnis ebenfalls bei Martin Richter-Soyka vom Trägerverein, auch er kann die Angst der Nachbarn nicht verstehen. „Ich finde es traurig, dass die Anwohner nicht an uns persönlich herantreten.“ Der Abstand von Feuerschale zum Wald betrage 30 Meter – und zu den Anliegern sogar 100 Meter.

Wie Gilgenast auf Anfrage bestätigte, muss eine handelsübliche Feuerschale selbst nicht angemeldet werden. Der Trägerverein „Kind und Demokratie“ müsse für die Feuerstelle dennoch einen Antrag stellen. Und dieser habe nur Aussicht auf Genehmigung, wenn „sowohl die Versicherung des Kindergartens als auch die Naturschutzbehörde grünes Licht geben“, so Gilgenast. Weiter versprach er, die Anliegen der Anwohner ernst zu nehmen. Bereits im Senat Anfang Juli war der drohende Disput um Rauch, den es noch gar nicht gibt, Thema. Im Bauausschuss im September soll es erneut um die Feuerschale auf der Wiese gehen.

Ein weiteres Problem stellt für den Trägerverein noch das Thema Einzäunung der Freigeländes dar. Wie berichtet, soll ein Zaun Schutz vor den Kühen des Landwirts bieten. Damit der Status „Waldkindergarten“ aber erhalten bleibt, müssen die Seiten zum Wald und zur Straße offen bleiben. Und genau hier liegt das Problem, findet die Erzieherin Lena Richter: „So kann die Sicherheit der Kinder nicht gewährleistet werden.“ Eine Alternative zum Zaun ist eine andere optische Grenze, so Richter weiter. Sie hält beispielsweise auch ein Hochbeet oder einen Wall für denkbar. Bevor das allerdings nicht geklärt ist, werde der Trägerverein seine Versicherung für den Kindergarten nicht erweitern, sagte Martin Richter-Soyka.

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