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Landeszeitung

11. Dezember 2017 | 09:05 Uhr

Wandertour : Wald im Fackelschein

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Mit Fackeln durch den Brekendorfer Forst: Die Teilnehmer einer besonderen Wanderung ließen sich von dem nächtlichen Wald im Feuerschein verzaubern. Die Leitung hatte Christine Goldhamer.

shz.de von
erstellt am 30.Jan.2014 | 06:00 Uhr

Auf dem Parkplatz im Brekendorfer Forst ist es stockdunkel und bitterkalt. Der eisige Wind treibt die Kälte unter die mehrere Schichten dicke Kleidung, die eigentlich hätte wärmen sollen. Bei gefühlten minus 20 Grad soll es die nächsten zwei Stunden im Schein von Fackeln durch den Wald gehen, leise Zweifel schleichen sich ins Bewusstsein. Vielleicht hätte man doch die warme Stube vorziehen sollen?

„Wenn das Licht der Fackeln die Bäume anstrahlt, ist es, als ob sich der Wald verwandelt“, verspricht Christine Goldhamer den 18 Teilnehmern, die sich um sie herum versammelt haben, um an ihrer winterlichen Fackelwanderung durch den Brekendorfer Forst teilzunehmen. Jedes Jahr ab November bietet die zertifizierte Natur- und Landschaftsführerin diese Fackelwanderungen an. Nach dem Sturm und Regen der vergangenen Wochen, spielt das Wetter endlich mit. „Viele der Wanderungen musste ich absagen, weil der Wald nach den Stürmen nicht begehbar war“. Nun herrscht das gewünschte winterliche Ambiente, „allerdings hätten es zwei Grad minus auch getan“, so Goldhamer.

Bevor die Wanderung beginnt, erzählt sie den aufmerksamen Zuhörern, dass zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch gar kein Wald hier stand, sondern Heidekraut und Ödland die Landschaft prägten. Da die Flächen für die Landwirtschaft ungeeignet waren, wurden sie mit Laub- und Mischwald aufgeforstet. „Hier leben viele Tiere, von denen Sie heute Abend wohl keines sehen werden, aber Sie können sicher sein, dass Sie gesehen werden.“

Wenig später erhellen 18 Fackeln hintereinander den Rundweg durch den Forst und tauchen den Wald in ein magisches Licht. Die großen Buchen sind mit einer dünnen Schneeschicht bedeckt und knacken in der klirrenden Kälte. Sie wirken wie erhabene Wesen, die auf die Wanderer herunter schauen. Die anfänglichen Zweifel lösen sich in Luft auf, vergessen sind die Kälte und der Wind, der Zauber des Waldes zieht einen sofort in den Bann.

Nach einer kurzen Wegstrecke hält Christine Goldhamer das erste Mal an. Ein Wall führt den Hang hinauf, dabei handelt es sich um einen ehemaligen Knick. Ein Relikt aus Zeiten, als der Wald noch Feld war und die Koppeln durch die bepflanzten Wallhecken begrenzt wurden. Der Begriff „Knick“ stamme dabei noch aus der Zeit, als die Zweige der Sträucher umgeknickt und miteinander verflochten wurden, erfahren die Teilnehmer. Dadurch wurde die Hecke undurchdringlicher. Oder man steckte die umgeknickten Zweige in die Erde, wo sie wieder zu neuen Sträuchern austrieben.

Weiter geht es in Richtung Heidberg. Der gefrorene Boden ist uneben, Baumwurzeln bergen Stolpergefahr, der ein oder andere umgewehte Baum fordert zum Klettern auf. Auf dem Heidberg angekommen, hat der eisige Wind leichtes Spiel. Er fegt durch die Gruppe, wirbelt bei den Fackeln Funken auf und rüttelt an den Jacken. Nur kurz erklärt Christine Goldhamer, was es mit dem Feldstein und den nachträglich eingeschlagenen Runen auf sich hat, bevor es einen schmalen Pfad hinab zurück in den Wald geht. Hin und wieder werden abgebrannte Fackeln gegen neue getauscht, die Fackelreste sammelt Christines Mann Karl Goldhamer in einem Eimer. Damit keiner der Teilnehmer verloren geht, bildet er die Nachhut bei der Wanderung. Auf der Rücktour führt der Weg an dem kleinen Rammsee vorbei. Der ruht buchstäblich still und starr, durch Eis und Schnee bedeckt. Entstanden sei der See beim Abschmelzen eines Toteisblockes, der durch die Gletscher der Eiszeit hier zum Liegen kam, erklärt Christine Goldhamer. Durch die Kälte wirkt der Begriff „Toteis“ in dem Moment sehr authentisch. Die Tour endet beim Parkplatz, die zwei Stunden sind wie im Flug vergangen. Die Fackeln erlöschen und mit ihnen der Zauber, auf dem Parkplatz wird es wieder dunkel und kalt.

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