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Franz-Krabbes-Porträt : Wahlkampf mit Nazi-Bürgermeister?

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Die Linken wollen Franz-Krabbes-Porträt im Rathaus umhängen lassen. Dessen Enkel Thomas Krabbes bleibt gelassen: "Nehme es nicht persönlich".

shz.de von
erstellt am 16.Mai.2013 | 09:03 Uhr

Rendsburg | Die Bilder hängen auf dem Flur vor dem Sekretariat von Pierre Gilgenast. Wer nicht auf sie achtet, kann die zum Teil vergilbten Porträts leicht übersehen. Fünf Jahre kümmerte sich kein Mensch um die Bürgermeister-Galerie - jedenfalls war sie seit Januar 2008 kein Thema in den Sitzungen der Ausschüsse und Ratsversammlung. Doch nächste Woche - genau drei Tage vor der Kommunalwahl - heben die Linken ein Porträt aus dieser Reihe auf die Tagesordnung. In der Ratsversammlung am kommenden Donnerstag wollen sie den Antrag stellen, das Bild des Nazi-Bürgermeisters Franz Krabbes an anderer Stelle im Rathaus aufzuhängen und mit Informationen zu versehen. Pikant: Franz Krabbes ist der Großvater von Thomas Krabbes, der als Spitzenkandidat der CDU in den Wahlkampf zieht.

"Wir wollten das noch vor Ende der Legislaturperiode zum Thema machen", sagt Linken-Fraktionsvorsitzender Volker Lindenau. Mit Wahlkampf habe das nichts zu tun, auch Thomas Krabbes wolle man nicht beschädigen. "Es geht nicht gegen ihn, es geht darum, dass in Rendsburg großer Nachholbedarf besteht, was die Nazizeit angeht. Wir wollen, dass Öffentlichkeit entsteht." Deshalb solle das Bild auch weiter im Rathaus zu sehen sein - nur an anderer Stelle und mit erklärendem Text.

Den Zeitpunkt kurz vor dem 26. Mai begründet Lindenau damit, dass er "es lange Zeit nicht geschafft habe", sich mit dem Thema zu befassen. Ein nicht-demokratischer Bürgermeister gehöre einfach nicht in eine Reihe mit demokratisch gewählten Verwaltungschefs.

Thomas Krabbes (CDU) reagierte gelassen. "Ich nehme es nicht persönlich. Es ist das gute Recht der Linken, einen solchen Antrag zu stellen." Zum Zeitpunkt sagte Krabbes: "Ein Schelm, wer Böses dabei denkt." Im Übrigen habe seiner Ansicht nach nicht die Ratsversammlung, sondern der Bürgermeister über die Galerie zu entscheiden.

Bereits Anfang 2008 war das Franz-Krabbes-Porträt Streitthema. Damals hatte der Landtagsabgeordnete Günter Neugebauer (SPD) gefordert, das Bild abzuhängen. Bürgermeister Andreas Breitner entschied daraufhin, dass es dort bleibt, wo es ist. Seine Begründung damals: "Wenn ich es abhängen lasse, könnte der Eindruck entstehen, die Stadt Rendsburg wolle dieses dunkle Kapitel ihrer Geschichte verheimlichen."

Breitners Nachfolger Pierre Gilgenast ist "grundsätzlich dafür, dass über Vorgänge aus der Nazizeit öffentlich und offen beraten wird, auch in der Ratsversammlung." Zunächst wolle er jedoch die Begründung der Linken in dem Gremium abwarten.

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