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Rendsburg : Waffennarr wegen Drogen verurteilt

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

51-Jähriger erhält Bewährungsstrafe, Ehefrau mitangeklagt.

Drogen, Waffen, Munition und Sprengstoff – was die Polizei im Mai 2013 im und am Haus eines Mannes aus Emkendorf fand, verstieß gleich gegen mehrere Gesetze. Schon ein Jahr zuvor hatten die Beamten dort ein wahres Waffenarsenal ausgehoben – mindestens acht Pistolen und tausende Patronen hatte er angesammelt, ohne Waffenschein. Gestern standen der 51-Jährige und seine Frau (47) vor dem Schöffengericht in Rendsburg. Dort wurden die Anklagen zusammengefasst.

Als die Polizisten am 7. Mai 2013 an dem Einfamilienhauses an der Bokeler Straße in Emkendorf eintrafen, versteckte die mitangeklagte Ehefrau einen Koffer mit einem Repetiergewehr aus dem Besitz ihres Mannes im Hundezwinger. „Damit er nicht bestraft wird“, sagte sie jetzt vor Gericht. Pech für die beiden: Die Beamten fanden nicht nur den Koffer mit der sechsschüssigen Flinte, sondern auch rund 1800 Schuss Munition – von Schrot- über Revolver- bis hin zu Gewehrpatronen unterschiedlicher Kaliber. Außerdem stießen sie auf Drogen – etwa 25 Gramm Amphetamine und 190 Gramm Marihuana sowie weitere Substanzen. Zu Verstößen gegen das Waffen- und das Betäubungsmittelgesetz kam noch einer gegen das Sprengstoffrecht wegen des Besitzes eines „Polenböllers“ hinzu.

Darüber hinaus warf die Staatsanwaltschaft dem 51-Jährigen vor, die Polizei mit einem Funkscanner abgehört zu haben. Außerdem soll er zweimal eine Tüv-Plakette von fremden Kennzeichen abgelöst und an seinem eigenen Auto befestigt haben. Zumindest diese Taten wurden innerhalb einer Vereinbarung angesichts der „Vielzahl der Vorwürfe“ auf Vorschlag von Richterin Birka Knuth vorläufig eingestellt. Denn die Angeklagten wollten sich nicht zu den Vorwürfen äußern. Das Angebot der Richterin: Im Falle eines „werthaltigen Geständnisses“ musste der Angeklagte mit einer Freiheitsstrafe zwischen 21 und 24 Monaten zur Bewährung rechnen, während seine Frau zwischen 100 und 140 Tagessätzen zu 15 Euro zu erwarten hatte. Darauf ließ sich das Paar ein.

Besonders der 51-Jährige ist kein unbeschriebenes Blatt. Acht Einträge las die Richterin aus dem Bundeszentralregister vor, darunter Diebstahl mit Waffen, Steuerhinterziehung und schwerer Diebstahl sowie Hehlerei. Zudem war er im Zusammenhang mit Dieseldiebstahl vom Hof eines Lohnunternehmens in Gnutz aufgefallen. Die Liste der Straftaten beginnt erst 2008 – dem Jahr, in dem der gelernte Fleischer wegen eines Arbeitsunfalls nicht mehr seinem Job als Zerleger in einem Schlachthof nachgehen konnte. Inzwischen arbeitet er als Aushilfskoch in einem Landgasthof, seine Frau im Service eines Hotels. Das Paar, das zwei erwachsene Kinder hat, lebt mittlerweile in Borgdorf-Seedorf.

Beide räumten die Vorwürfe ein. Er sei ein leidenschaftlicher Waffensammler. Das Repetiergewehr im Koffer habe er zu seinem 50. Geburtstag geschenkt bekommen. Den „Polenböller“ habe er ebenfalls geschenkt bekommen. Er habe sich keine Gedanken darüber gemacht, dass der Knallkörper gefährlich ist. „Die bummsen eben lauter als die deutschen“, sagte er. Die Munition stamme größtenteils von legalen Waffenständen, wo er die Patronen gekauft, aber nicht komplett verschossen habe. „Ich habe seine Leidenschaft akzeptiert“, sagte seine Frau. Die Drogen habe sie nach einer Maifeuer-Feier gefunden. Das Paar vermutete, dass Gäste sie mitgebracht hatten und später wieder abholen würden. Beide beteuerten, keine Drogen zu nehmen.

Wegen des Besitzes von Betäubungsmitteln sowie Verstößen gegen das Sprengstoff- und das Waffengesetz wurde der Angeklagte zu einer Freiheitsstrafe von 22 Monaten auf Bewährung verurteilt. Strafmildernd wirkte sich das Geständnis sowie der Verzicht auf die beschlagnahmten Waffen und die Munition aus. Richterin Birka Knuth stellte aber klar: „Wenn noch weitere Straftaten hinzukommen, geht es für Sie ins Gefängnis.“ Die Angeklagte erhielt eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu 15 Euro.

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erstellt am 01.Apr.2015 | 06:00 Uhr

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