Rendsburg-Eckernförde : Wachsame Helfer an der Wasserkante

Seit 15 Jahren passt Iris Fehrle am Borgdorfer See auf die Schwimmer auf.
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Seit 15 Jahren passt Iris Fehrle am Borgdorfer See auf die Schwimmer auf.

DLRG-Schwimmer an den Badestellen im Kreis werden auf die Badeunfälle angesprochen. Viele Einsätze könnten vermieden werden, sagen sie.

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26. Juli 2014, 06:00 Uhr

Bei bestem Badewetter war es am Dörpsee in Schacht-Audorf gestern Nachmittag verhältnismäßig ruhig. Nur vereinzelt lümmelte sich der eine oder andere Sonnenanbeter auf der Liegewiese, die Lage im Wasser war übersichtlich. „Am Donnerstag war hier sehr viel mehr los“, berichtete Patrick Depree. Der 17-Jährige hatte gestern die Wachleitung der Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) am Dörpsee, einer der insgesamt 71 Badestellen im Kreis Rendsburg-Eckernförde , inne und beobachtete das Treiben im Wasser gemeinsam mit Cindy Erichsen (18) und Karolin-Marie Jungjohann (14) aufmerksam. Wenn die Zeit es erlaubt, dann sind die ehrenamtlichen Lebensretter stets mit zwei Silber- und zwei Bronze-Rettungsschwimmern vor Ort. Auf die jüngste Serie von Unfällen an der Ostsee und in den Binnenseen sind auch sie schon angesprochen worden. Kritik an der Arbeit der Lebensretter kommt kaum. „Viele sind froh und dankbar, dass wir da sind“, sagte Cindy Erichsen.

Leichtsinn, Unkenntnis der örtlichen Gegebenheiten und immer wieder Selbstüberschätzung – für die Helferinnen und Helfer der DLRG waren dies vor allem an den Stränden der Ostseeküste, aber auch an den Badestellen im Binnenland in den vergangenen Wochen immer wieder Gründe für zahlreiche Einsätze. Trotz aller Bemühungen – nicht allen in Not geratenen Badegästen konnte geholfen werden. Traurige Nachrichten von Unfällen mit zum Teil tödlichem Ausgang häuften sich, und dabei hätte vielleicht so mancher von ihnen verhindert werden können.

Iris Fehrle lässt den Blick konzentriert über die Badegäste am Borgdorfer See schweifen. Sie weiß genau, wer gerade wo schwimmt, welche Kinder sich im Wasser tummeln und wer weiter draußen Spaß und Erfrischung sucht. Seit 15 Jahren ist die DLRG-Retterin für die Sicherheit an dem beliebten Badesee zuständig und weiß um ihre große Verantwortung. „Da ist viel Präventionsarbeit nötig“, berichtet die Rettungsschwimmerin, die auch schon mal Kinder, die auf den Steg laufen, nach ihren Schwimmkenntnissen fragt. „Lieber einmal zu viel etwas im Vorfeld sagen als hinterher zum lebensrettenden Einsatz starten müssen. Manche Eltern wiegen sich zudem oft in Scheinsicherheit, wenn die Kinder mit Schwimmhilfen im Wasser sind“, betont Fehrle. Diese seien zwar eine helfende Ergänzung, aber kein ausreichender Ersatz für die Aufsicht der Eltern. Fehrle: „Da sagen wir dann auch schon mal etwas.“

Von Mai bis September dauert in der Regel die Badesaison in Borgdorf, im Schnitt tummeln sich etwa 100 Badegäste an einem schönen Sommertag im Wasser – von Kleinkindern bis zu den Senioren. Zum Alltagsgeschäft gehört dabei eher das Pflaster für die kleine Verletzung, der lebensrettende Einsatz ist zum Glück sehr selten. „Wir sind aber immer wachsam und auf alles vorbereitet“, betont die DLRG-Retterin. Zum Glück gebe es im Borgdorfer See keine tückischen Strömungen, aber durch Selbstüberschätzung komme so mancher Schwimmer in gefährliche Situationen, etwa wenn er sich zu weit vom Ufer entfernt hat und es alleine nicht mehr zurück an Land schafft. „Wenn häufiger mal der gesunde Menschenverstand entscheiden würde, dann käme es zu vielen Unfällen gar nicht erst“, ist sich Iris Fehrle sicher. Oft genüge da schon ein Blick auf die Wasseroberfläche, um unter Berücksichtigung der eigenen Fähigkeiten realistisch einschätzen zu können, ob man überhaupt ins Wasser geht oder sich doch lieber am Strand vergnügt.

Ein weiteres Problem: Immer weniger Kinder können überhaupt angemessen schwimmen. „Das sehen wir zum Beispiel an den Seepferdchen-Kursen: Dort nehmen heute Kinder im Alter von bis zu elf Jahren teil“, berichtet die Rettungsschwimmerin. Früher seien die Schwimmanfänger meist deutlich jünger gewesen. Schwimmkurse könnten zwar Unfälle nicht generell verhindern, aber oft könnten Kinder mit Seepferdchen zumindest lange genug im Wasser durchhalten, bis Hilfe komme. Bei allem Einsatz dauere es eben einfach eine kurze Zeit, bis man die in Not geratene Person erreicht habe, denn „auch wir Retter haben keine Flügel".

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