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Landeszeitung

18. Dezember 2017 | 23:42 Uhr

„W.I.R. für Rendsburg“ vor dem Aus

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Hilfs-Verein muss seine Lagerhalle bis Ende des Monats räumen. Verwaltung sieht keine Möglichkeit für finanzielle Unterstützung.

shz.de von
erstellt am 13.Jun.2016 | 16:26 Uhr

Wenn der Verein „W.I.R. für Rendsburg“ keine finanzielle Unterstützung bekommt, steht er vor dem Aus. So düster zeichnen die Verantwortlichen des Vereins die Situation, vor der sie ab Monatsende stehen. Denn bis dahin muss der Verein aus seiner Halle auf dem Okotgon-Gelände ausziehen (Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version stand irrtümlich, die Halle sei mietfrei.). „W.I.R.“ unterstützt hilfsbedürftige Rendsburger und Flüchtlinge, sowie Institutionen wie das Frauenhaus, ein Kinderheim und die Nachmittagsbetreuung der Schule Nobiskrug. Im Angebot hat er Artikel des täglichen Bedarfs – von Windeln über Kleidung bis hin zu Fahrrädern und Rollstühlen. Alles gespendet von Rendsburger Bürgern.

Eine neue Halle ist zwar in Aussicht, allerdings beträgt die Miete dort 1000 Euro. „Wenn wir keine Unterstützung bekommen, können wir unsere Arbeit nicht wie bisher fortsetzen“, sagt der Vorsitzende Steffen Uebelhör. Der Verein hat deshalb einen Antrag auf Unterstützung durch die Stadt gestellt. Er will einen monatlichen Zuschuss zur Deckung seiner Betriebskosten von 1500 Euro à 36 Monate. Macht zusammen 54  000 Euro. Der Sozialausschuss berät am 20. Juni über den Antrag. Die Verwaltung hat sich bereits gegen ihn ausgesprochen. „Im Haushalt ist dafür nichts eingeplant, es ist kein Topf dafür vorgesehen“, sagt Herbert Schauer, Leiter des Fachbereichs Bürgerdienste. Eine Bewilligung des Zuschusses sei zwar über einen Nachtragshaushalt möglich. Aber: „Die anderen Organisationen, die Kleiderkammern anbieten, arbeiten auch ohne Zuschüsse“, sagt Schauer und nennt das DRK und das Kaufhaus Wühlmaus.

Der SPD-Ratsherr und Vorsitzende des Sozialausschusses, Matthias Bruhn, sympathisiert zwar mit „W.I.R.“. Er hat dem Verein sogar geraten, sich an den Sozialausschuss zu wenden. Konkrete Hilfe in Aussicht stellen kann er ihm aber nicht. „Ich bin der Meinung, dass der Verein eine Unterstützung verdient hat“, sagt Bruhn. Es sei grundsätzlich schwierig, einen Betriebskostenzuschuss zu gewähren, wenn man nicht wisse, wie hoch die Betriebskosten seien. Der Landesrechnungshof hat die Stadt unlängst kritisiert, weil sie Vereine nach dem Gießkannen-Prinzip ohne einen konkreten Verwendungsnachweis fördere. Zudem seien 1500 Euro monatlich für den Haushalt der Stadt eine Hausnummer, wie Bruhn salopp sagt. Ergibt zu bedenken, dass erst vor kurzem zwei Stellen für Kita-Personal nicht genehmigt wurden. Auch das Förder-Projekt „Soziale Stadt Mastbrook“ sei letztlich an 1500 Euro jährlich gescheitert. „Wir haben auf Grund der Haushaltslage zur Zeit keine freien Mittel zur Verfügung“, sagt er. Ein weiteres Problem sei die lange Laufzeit. „Das ist schon extrem ungewöhnlich. Wir hätten eher einen projektbezogenen Antrag erwartet.“ Eine Aussage, die Steffen Uebelhör enttäuscht. „So lange wir keine feste Bleibe haben, kriegen wir auch keine Projektfinanzierung“, bringt er das Dilemma des Vereins auf den Punkt. Ohne Halle, keine Zuschüsse für Projekte – ohne Zuschüsse für Projekte, keine Halle. Dabei hat der Verein sogar Projekte in Vorbereitung, bei denen mittelfristig Ein-Euro-Jobs für Langzeitarbeitslose und Flüchtlinge entstehen könnten. Etwa in einem Repair-Café oder in einer Fahrrad-Werkstatt.

Seit seiner Gründung im Oktober vergangenen Jahres ist W.I.R schnell gewachsen. Mittlerweile gibt es 25 ehrenamtliche Mitglieder, die teilweise jede freie Minute für Hilfsbedürftige opfern. 90 gefüllte Container auf zwei Ebenen in der Halle sind Zeuge ihrer Anstrengungen. In den vergangenen acht Monaten seien 15  000 einzelne Posten weitergereicht worden, hat W.I.R.-Mitglied Katja Ledwinka ausgerechnet. Falls der Verein bis Ende des Monats keine neue Bleibe hat, muss er seine Spenden an andere Organisationen abgeben.

Matthias Bruhn setzt auf eine Art runden Tisch, um dem Verein aus seiner existenzbedrohenden Situation zu befreien. „Alle, die das Projekt gut finden, sollen sich zusammensetzen und überlegen, wie man es finanzieren kann“, sagt er. Auch die Wirtschaft könne ihren Teil dazu beitragen. An die hat sich Uebelhör schon gewendet. Vor allem regionale Unternehmen unterstützen den Verein. Aber auch deren Mittel sind begrenzt. So hat ihr Vermieter bislang auf die Miete für  die Container verzichtet. Andere Unternehmen hätten benötigte Kartons gespendet, Bürger und sogar Flüchtlinge würden auch mit Geld unterstützen. „Wer hier spendet, sieht, wohin die Spende geht“, sagt Uebelhör. Die Unterstützung von privat und aus der Wirtschaft hält er für elementar. „Das ist ein gelebtes Miteinander.“

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