Neue Funktion : Vorschlag aus Rendsburg: Wrack der Schwebefähre als Willkommensgruß

Was tun mit der Schwebefähre, die von 1913 bis 2016 zwischen Rendsburg und Osterrönfeld verkehrte? Bürgermeister Pierre Gilgenast, hier bei einem Besuch am Wrack im April vergangenen Jahres, möchte sie erhalten und mit einer neuen Funktion verbinden.
Was tun mit der Schwebefähre, die von 1913 bis 2016 zwischen Rendsburg und Osterrönfeld verkehrte? Bürgermeister Pierre Gilgenast, hier bei einem Besuch am Wrack im April vergangenen Jahres, möchte sie erhalten und mit einer neuen Funktion verbinden.

Rendsburgs Bürgermeister Pierre Gilgenast möchte die havarierte Schwebefähre als Schiffsbegrüßungsanlage nutzen. Zustimmung kommt aus Osterrönfeld – mit einer Einschränkung.

shz.de von
20. Januar 2017, 18:27 Uhr

Der Bau einer neuen Schwebefähre ist ausgemachte Sache. Sie soll frühestens 2019 pendeln. Aber was passiert mit der alten? Ein Jahr und zwei Wochen nach dem Unglück auf dem Nord-Ostsee-Kanal rückt diese Frage in den Mittelpunkt. Jetzt positioniert sich Pierre Gilgenast. Rendsburgs Bürgermeister schlägt vor, das Wrack am nördlichen Ufer neben der Eisenbahnhochbrücke aufzustellen und die Kommandobrücke als Schiffsbegrüßungsanlage zu nutzen. „Das historische Vorbild der neuen Schwebefähre würde vor Ort bleiben und gleichzeitig eine neue Funktion bekommen“, sagt das Rendsburger Stadtoberhaupt.

Das Deck der alten Fähre könne als Ausstellungsfläche genutzt werden, um über die Geschichte der Schwebefähre und die Havarie am 8. Januar 2016 zu informieren, so Gilgenast. „Den Weg zum Neubau könnte man ebenfalls dokumentieren.“ Denkbar sei außerdem, die laufende Bewerbung um das Unesco-Weltkulturerbe um das Wrack zu erweitern. Gilgenast drückt aufs Tempo. Der auf dem Bauhof der Kanalverwaltung abgelegte Fährkörper sei der Witterung ausgesetzt und könne nicht beliebig lange dort verweilen, ohne weitere Schäden auszuschließen. „Wir müssen jetzt sehen, welche Partner wir für die Finanzierung gewinnen können.“

Zustimmung kommt aus Osterrönfeld – aber nicht uneingeschränkt. „Die Idee mit der Schiffsbegrüßungsanlage ist gut, das passt“, erklärt Bürgermeister Bernd Sienknecht. „Wir sind gut beraten, wenn wir die Sache jetzt angehen. Aber nur gemeinsam mit Rendsburg und der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung.“ Anfreunden kann sich Sienknecht mit dem Standort auf der anderen Kanalseite. Anders als Gilgenast würde er allerdings nicht das komplette Wrack aufbocken, sondern nur Teile. „Die neue Schwebefähre muss die Hauptattraktion unter der Hochbrücke bleiben“, begründet Sienknecht seine Haltung. Ihr zerstörter Vorgänger dürfe nicht zu sehr ablenken und „Sensationstouristen“ anlocken. Auch mit Fragmenten der historischen Schwebefähre sei es möglich, deren Aussehen zu zeigen. Jetzt müsse man die Idee Schritt für Schritt weiterentwickeln.

Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Kiel-Holtenau äußert sich zurückhaltend auf die Frage nach dem weiteren Schicksal des von einem Frachter gerammten Havaristen. „Wir sind uns mit dem Denkmalschutz einig, dass insbesondere vor dem Hintergrund des laufenden Weltkulturerbe-Verfahrens gut überlegt sein will, was mit der alten Schwebefähre passieren soll“, teilt Sprecher Matthias Visser mit. „Auf dem Bauhof ist die Schwebefähre sicher untergebracht. Was mit ihr mittel- bis langfristig geschehen soll, werden wir mit dem Denkmalschutz und dann selbstverständlich auch mit Partnern wie der Gemeinde Osterrönfeld und der Stadt Rendsburg beraten.“ Die Verschrottung des Wracks scheint in der Behörde kein Thema mehr zu sein.

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