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Kanaltunnel : Voraussichtlich ab Februar beide Tunnelröhren frei – aber nur zeitweise

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Kanalverwaltung erwägt Baupause, um Verträge für Sanierung der Weströhre neu auszuhandeln. Die Arbeiten dauern wahrscheinlich bis 2018.

Die massiven Verzögerungen bei der Sanierung des Kanaltunnels haben Konsequenzen. Auf einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz hat die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) gestern bekanntgegeben, dass die Verträge mit den Baufirmen neu ausgehandelt werden sollen. Allerdings greift diese Lösung erst mit Beginn der Arbeiten in der Weströhre des Tunnels. Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, ist die Behörde willens, eine Baupause in Kauf zu nehmen. Die Autofahrer sollen darunter jedoch nicht leiden: Für die Zeit einer etwaigen Unterbrechung will die Kanalverwaltung den Tunnel vierspurig herrichten lassen.

Gestern bestätigte sich, was die Landeszeitung bereits am Sonnabend berichtete: dass die Tunnelsanierung bis 2018 dauern könnte. Einen entscheidenden Anhaltspunkt für diese Prognose liefert der Zeitplan für die Oströhre, an der seit dreieinhalb Jahren gewerkelt wird. Ursprünglich sollte sie im Sommer dieses Jahres fertig werden, dann ging die WSV von Oktober aus, gestern war von Mitte Februar 2016 die Rede. Diese Zielmarke sei mit den Baufirmen abgestimmt und biete ein hohes Maß an Verlässlichkeit, sagte Sönke Meesenburg, Leiter der WSV-Planungsgruppe für den Ausbau des Nord-Ostsee-Kanals.

Doch das Ziel, unmittelbar im Anschluss mit der Weströhre zu beginnen, ist für die Planer nicht mehr zwingend. Das wäre zwar die Ideallösung, wie WSV-Dezernatsleiter Karsten Thode sagte. Doch noch wichtiger sei es, ein verbindliches Vertragswerk mit den Firmen auszuhandeln, das einen zügigen Baufortschritt sicherstellt. Ein großes Manko der bisherigen Verträge: Jedes Bauhindernis hatte Neuplanungen zur Folge, die wiederum mit den Firmen abgestimmt werden mussten, auch in finanzieller Hinsicht. „Diese Planungsschleifen wollen wir künftig weitgehend ausschließen, auch wenn das hundertprozentig nie gelingt“, so Thode. Zudem sollen die Firmen die gesamte Verantwortung für die Pläne nicht mehr allein der Verwaltung zuschieben können. Meesenburg: „Wir wollen die Firmen stärker in die Erarbeitung von Lösungen einbinden.“ Im Gegenzug wäre die WSV bereit, gute Leistungen zu belohnen. Erstmalig wird darüber nachgedacht, Prämien für schnelles und gutes Arbeiten zu bezahlen.

Wie lange die Vertragsverhandlungen dauern könnten, vermochten die Fachleute der WSV nicht zu sagen. Auf jeden Fall sollen die Regeln so klar formuliert sein, dass die Bauzeit für die Weströhre auf eineinhalb Jahre beschränkt werden kann. Viel hängt jetzt davon ab, wie schnell man sich mit den Firmen verständigen kann. Sollten die Vertragsverhandlungen beispielsweise erst im Sommer 2016 zum Abschluss gebracht werden können, wäre das Ende der gesamten Tunnel-Sanierung mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht vor Anfang 2018 zu erwarten.

Die Verwaltung hat ein Druckmittel in der Hand. Denn für die Dauer der Verhandlungen ist eine Baupause vorstellbar. Währenddessen sollen die Autofahrer beide Röhren des Tunnels nutzen können, im Idealfall sogar alle vier Fahrspuren. Die WSV setzt darauf, dass die beteiligten Unternehmen selbst ein großes Interesse daran haben müssten, schnellstmöglich mit ihren Auftraggebern eine Einigung zu erzielen. Während der Baupause würden sie kein Geld verdienen.

Die Tunnelsanierung hat den Kostenrahmen schon jetzt gesprengt. Die Ursprungskalkulation lag bei 25 Millionen Euro für die Sanierung beider Röhren. Diese Summe ist allein für die Oströhre und den Mittelgang zwischen den Röhren bereits übertroffen worden. Aktueller Stand: 33 Millionen Euro. Die Gesamtkosten für beide Röhren wurden gestern auf zirka 50 Millionen Euro beziffert. Ursprünglich sollte die komplette Sanierung Ende 2013 abgeschlossen sein. Geplant wird an der Tunnelsanierung seit 2002.

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