zur Navigation springen

Owschlag : Vor 30 Jahren das Leben neu geschenkt

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Nierentransplantation in der Kieler Universitätsklinik ermöglichte Michael Schielke aus Owschlag ein fast normales Leben.

Mit Ehefrau Carmen und seinen zwei Söhnen reiste Michael Schielke von Owschlag nach Kiel. Und der Anlass dafür war ein sehr seltenes Jubiläum. Vor 30 Jahren wurde dem 49-Jährigen eine Niere transplantiert. Aus diesem Grund lud das Nieren- und Hochdruckzentrum Kiel zu einer Feierstunde ein. „Auch nach heutigen Kriterien ist es eine immens lange Zeit“, betonte Dr. Ekkehard Ziegler. Die durchschnittliche Funktionsdauer eines gespendeten Organs liege bei 15 Jahren. Regelmäßig alle sechs Wochen komme Schielke zu einer Routinekontrolle nach Kiel und die Werte der Niere seien sehr gut. „Es ist ein wunderbar funktionierendes Organ, das hoffentlich noch lange arbeitet.“ Der Langzeiterfolg liege an zwei Stützpfeilern, einerseits der exzellenten medizinischen Versorgung und anderseits der persönlichen Betreuung und der Kenntnis über den Menschen, so Ziegler. Die Universitätsklinik biete durch die Vernetzung mit den niedergelassenen Ärzten beste Voraussetzungen.

Auch die 2. Vorsitzende der Interessengemeinschaft Niere, Maria Steuer, gratulierte im Rahmen der Feierstunde: „30 Jahre sind wirklich sensationell. Alles Gute für die Zukunft Michael.“ Besonders freute sich Schielke, dass Dr. Gerd Leimenstoll, der 1984 an der Universitätsklinik die Niere transplantierte, unter den Gratulanten war. Inzwischen im Ruhestand, doch über so viele Jahre wichtiger Begleiter des Transplantierten, erklärte Leimenstoll: „1979 fand die erste Nierentransplantation in Kiel statt. Michael gehörte also noch zu den ersten Patienten. Damals hätte ich nie gedacht, dass das Organ so lange halten wird. Es ist faszinierend und beglückend.“ Auch Professor Dr. Thorsten Feldkamp, Oberarzt für Transplantation an der Universitätsklinik Kiel, beehrte Schielke anlässlich des besonderen Jubiläums. Er hoffe, dass die Akzeptanz und Bereitschaft zur Organspende wieder zunehmen werde, erklärte der Mediziner.

„Nach einer Transplantation ist man kein gesunder Mensch“, berichtete Schielke. „Aber trotzdem ist es ein riesengroßes Glück, dass ich ein Spenderorgan bekommen konnte. Der heutige Tag ist die Gelegenheit einmal Danke zu sagen. Zuallererst natürlich demjenigen, dem ich das Organ verdanke und seiner Familie.“ Er wisse nicht, von wem das Organ stamme, aber dass irgendwo in einer Familie ein schreckliches Unglück passiert sei. „Ich weiß, dass ich ganz großes Glück gehabt habe und dass das etwas ganz besonderes ist”.

Michael Schielke, der mit seiner Frau Carmen und seinen beiden Kindern Paul (15) und Johann (10) in Owschlag lebt, war 14 Jahre alt, als seine Nierenerkrankung begann. Einige Jahre konnte die Nierenfunktion noch mit Hilfe von Diäten aufrecht erhalten werden, doch im Alter von 18 Jahren wurde er zum Dialysepatienten. Schielke hatte sehr viel Glück. Bereits nach 18 Monaten stand ein Spenderorgan zur Verfügung. Die durchschnittliche Wartezeit beträgt sechs bis sieben Jahre. Schielke erinnert sich: „Ich war damals bei einem Freund zu Besuch, als dessen Mutter ins Zimmer kam und sagte, ,dein Bruder hat gerade angerufen. Es ist ein Organ für dich da’. Mein Vater war so aufgeregt, dass er nicht Auto fahren konnte. Ich fuhr meine Eltern also zur Universitätsklinik nach Kiel.“ Abends fand eine letzte Dialyse statt und am nächsten Morgen führte Dr. Leimenstoll die erfolgreiche Transplantation durch. „Je mehr Wochen und Monate vergingen, desto mehr kehrte die Normalität zurück. Ich konnte beruflich und privat durchstarten, was ohne Transplantation so nicht möglich gewesen wäre“, erinnerte sich Schielke.

Sein Arbeitgeber wurde die Regionaldirektion der Bundesarbeitsagentur in Kiel, wo er als Verwaltungsbeamter für die Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter zuständig war. Während eines Fortbildungsstudiums lernte er seine Frau Carmen kennen. „Es folgten viele schöne und viele sehr, sehr harte Zeiten“, sagte Schielke. Vor einigen Jahren erkrankte der Organempfänger an einer Herzmuskelentzündung und kurz darauf an einer Bauchspeicheldrüsenentzündung. „Die Universitätsklinik hat mir mit ihrer geballten Kompetenz das Leben gerettet“, ist sich Schielke sicher. „Mein Mann hat wochenlang im Koma gelegen“, berichtet Ehefrau Carmen. „In dem Jahr fiel das Weihnachtsfest für uns aus. Zum Glück hatten wir viel Unterstützung durch Freunde und Familie“. Seitdem ist Schielke Diabetiker und nicht mehr berufstätig. Die Erkrankungen standen im Zusammenhang mit der Transplantation. Um eine Abstoßung des Organs zu verhindern, müssen transplantierte Menschen ein Leben lang Medikamente nehmen, die sogenannten Immunsuppressiva. Damit wird jedoch das Immunsystem gedämpft, was zu einer erhöhten Infektanfälligkeit sowie zu einem erhöhten Risiko für weitere schwere Erkrankungen führt. „Trotzdem ist die Transplantation ein immenser Gewinn an Lebensqualität. Dreißig Jahre Dialyse hätte ich wahrscheinlich nicht überlebt. Auch hätte ich nicht arbeiten und eine Familie gründen können“, sagte Schielke. Eine Herzensangelegenheit sei ihm deshalb die Information zur Organspende.


> http://www.organspende-info.de/
http://www.dso.de/

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen