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HEINKEL–FREUNDE : Von Liebe, Zufällen und Zündkerzen

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Aus der Redaktion der Landeszeitung

Schraubenschlüssel, Ersatzteile und Ausfahrten sind das Hobby von Manfred Hinz. Der Mann aus Westerrönfeld engagiert sich für die Heinkel – den Mercedes unter den Rollern. Am Wochenende treffen sich Heinkel-Freunde beim ihm.

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erstellt am 23.Apr.2014 | 06:00 Uhr

In der Werkstatt hängen die Schraubenschlüssel akurat aufgereiht an der Wand. Ein Bollerofen sorgt im Winter für Wärme. Denn Manfred Hinz verbringt viel Zeit in den Räumen neben der Garage. Hier in der Pahlstraße 11 wurde schon so manche Heinkel „aufgebaut“ – das heißt, mit Hilfe von Ersatzteilen und Expertenwissen fahrbereit hergerichtet. Die Nachbarn sind das sonore Knattern des Oldtimers gewohnt. Am Sonnabend wird es wieder „mehrstimmig“ erklingen: Dann kommen Heinkel-Fahrer aus dem ganzen Land zum Treffen an den Kanal.

„Warum eine Heinkel?“ Bei dieser Frage schmunzelt Manfred Hinz. „Dazu steht eigentlich alles auf der Homepage“, sagt der Fan. Aber dann erzählt er doch. Es ist eine lange Geschichte von Liebe, Zufällen, Zündkerzen und anderem Zubehör. Als der gebürtige Kieler eine kaufmännische Ausbildung machte, waren motorisierte Zweiräder gefragt. „Ich hatte eine Lambretta“, erinnert er sich. „Eine Heinkel konnte ich mir nicht leisten.“ Die galt und gilt als der Mercedes unter den Rollern, weil sie einen Vier-Takt-Motor hat – im Gegensatz zu den stinkenden Zweitaktern.

Hinz weiß noch genau, wann es funkte: „1959 lernte ich meine Frau auf einem wilden Campingplatz bei Noer kennen.“ Liebe und Lambretta. Das war fortan miteinander verbunden, oftmals fuhr die neue Freundin hinten mit. Von Kiel nach Westerrönfeld knatterte Hinz auch bei Schnee und Eis. „In Bovenau bin ich abgestiegen und nebenher gelaufen, um nicht zu erfrieren“, erzählt der Roller-Fan. Später wurde geheiratet, 1963 und ’67 kamen die Söhne zur Welt, die Familie zog nach Berlin – ohne Roller –, und das Paar betrieb dort eine Werbeagentur. Dann kam es 1979 zu einer schicksalhaften Begegnung.

„Es war in der Straße des 17. Juni, unter den Arkaden. Da stand eine Heinkel.“ Der Sohn staunte: „Was ist denn das?“ Die Mutter klärte auf. Hinz klebte einen Zettel an den Roller – und konnte ihn kurz darauf tatsächlich kaufen. Damals war die Heinkel 103/A2 mit einem 190 ccm-Motor himmelblau. Von da an war Manfred Hinz mit dem Heinkel-Virus infiziert: Schraubenschlüssel und Zündkerzen lernte er mit Hilfe anderer Heinkel-Freunde richtig einzusetzen.

Die Ersatzteile sind das A und O. Der letzte Roller lief 1965 vom Band. „Bis 1982 lieferte noch die Firma Meller aus Hamburg Nachschub.“ Als der Eigentürmer starb, war dieser in Gefahr. Die 208 Heinkel-Fans sammelten Geld, kauften das Ersatzteillager und sorgten als Heinkel-Club Deutschland (HCD) dafür, dass die Bastler weiter schrauben konnten. Hinz gehörte zu den Gründungsmitgliedern und ab 1999 zu den „Schraubern“. Nach Verkauf der Firma war er mit seiner Frau in ihr Elternhaus nach Westerrönfeld zurückgekehrt. „Du hast so viele Einzelteile, da kannst du auch Roller zusammen bauen“, sagte er sich, 40 bis 50 Exemplare hat er inzwischen. „Mir bringt das einfach Spaß.“

Die für jedermann beherrschbare Technik ist das eine Faszinosum. Die Gemeinschaft mit den Fans das andere. Hinz engagiert sich bei den Heinkel-Freunden Rendsburg. Auch nach Dänemark hat er Verbindungen. Als er allerdings eine 320-Kilometer-Ausfahrt ins Nachbarland organisierte, bestand er auf einer Übernachtung. „Wir müssen uns nicht mehr beweisen, dass wir lange auf dem Roller sitzen können.“ Auf dem Sozius nimmt auch keine Frau mehr Platz. Das wäre zu beschwerlich. Aber Toleranz und Unterstützung gibt’s noch von der Ehefrau. Und so wird Manfred Hinz den gefahrenen 70 000 Kilometern sicherlich noch einige hinzufügen.

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