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Rendsburg : Von Kopf bis Fuß auf Flüchtlingshilfe eingestellt

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Geschäftsleute aus Rendsburg schenken Asylbewerbern Brillen und orthopädische Schuhe.

shz.de von
erstellt am 16.Sep.2015 | 10:09 Uhr

Nach den Strapazen und Gefahren der Flucht kommt der Alltag. Und neben der Sorge um die ungewisse Zukunft oder die zurückgelassene Familie haben die Flüchtlinge mit den ganz alltäglichen Problemen zu kämpfen. Hier setzt das Engagement verschiedener Unternehmer in Rendsburg ein: Britta und Heinz Höffer betreiben das Orthopädie-Schuhgeschäft Möller in der Hollesenstraße 31. Sie schenken Flüchtlingen mit orthopädischen Problemen spezielles Schuhwerk. So etwa dem 28-jährigen Fessiha Geberagiabher. Der Eritreer kam im Flüchtlingscamp täglich zur Kleiderausgabe, um immer wieder vergeblich nach passenden Schuhen zu suchen. So wurde Henning Kramer, Präsident des DRK-Landesverbandes, auf ihn aufmerksam und brachte ihn zu Höffers. „Herr Geberagiabher hatte mit neun Jahren Kinderlähmung. Seitdem benötigt er Krücken, um gehen zu können“, sagt Kramer.

Fessiha Geberagiabher war im Juli aus Eritrea geflohen. Frau und Kind musste er zurücklassen. Seit vergangener Woche wohnt er in der Erstaufnahmeeinrichtung in Albersdorf. „Sie fühlen sich gut an“, freut sich Geberagiabher, als er sich in seinen neuen Schuhen wiegt. Das besondere Fußbett sorgt dafür, dass er normaler auftreten kann, erklärt Orthopädie-Schuhtechniker Jan Jessen. Seine alten Sandalen braucht Geberagiabher nun nicht mehr zu tragen. Die ersten Schritte schmerzen dennoch. Auf die Krücken wird er vorerst nicht verzichten können. „Wenn sein Asylantrag durch ist, wird wohl eine Operation nötig werden“, so Kramer.

Höffers haben Schuhe im Gesamtwert von über 3000 Euro für die Flüchtlinge bereitgestellt. Abnehmer sollten sich unter den Flüchtlingen, die teils monatelange Fußmärsche hinter sich haben, wohl schnell finden lassen.

Nicht nur die Füße, auch die ein und andere Brille wird auf den beschwerlichen Reisen der Flüchtlinge in Mitleidenschaft gezogen oder verloren. An Betroffene verschenkt Jäger Optik am Altstädter Markt 3 Brillen – auch dank der kostenlosen Bereitstellung durch Fassungshersteller Vistan und Linsenhersteller Hoya Lens Deutschland. Auch die notwendige Augenglasbestimmung nimmt Geschäftsführer Nitzsche kostenlos vor: „Die Flüchtlinge kommen, begleitet von einem Übersetzer, ins Geschäft“, sagt der Chef. „Hier können sie aus einer kleinen Auswahl von Gestellen wählen. Nach spätestens ein paar Tagen können sie ihre neue Brille dann abholen.“

Drei Syrern haben Nitzsche und seine Mitarbeiter bereits zu einer neuen Brille verholfen. „Alle waren ausgesprochen dankbar und höflich, und mit Hilfe des Übersetzers hat die Verständigung wunderbar geklappt.“ Wie Höffers freuen sich Volker Nitzsche und seine Mitarbeiter, den Flüchtlingen helfen zu können. Was für den Normalbürger schlimmstenfalls ärgerlich ist, kann die Flüchtlinge vor ungleich größere Schwierigkeiten stellen: „Der normale Weg zu einer Brille liefe für die Flüchtlinge über einen Kostenvoranschlag“, erklärt Nitzsche. Der müsste dann erst durch die Behörden gehen. Bis zu einer Entscheidung wären die Flüchtlinge längst wieder woanders.“

Kramer vom DRK lobt denn auch den Beitrag der Unternehmer: „Die Zusammenarbeit zwischen den Unternehmern, den Behörden und den freiwilligen Helfern ist großartig. Für die schnelle Hilfe ist viel Improvisation notwendig, und das funktioniert an allen Stellen toll.“

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