zur Navigation springen

Praktikanten : Von der Großstadt auf den Bauernhof

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Vier Monate verbrachten 22 Gäste aus Russland und Weißrussland bei Bauernfamilien in ganz Schleswig-Holstein. Gleich zwei Studentinnen absolvierten ihre Praktikumszeit in dem kleinen Dorf Mörel. Der Abschied wurde in der Deula in Rendsburg gefeiert.

shz.de von
erstellt am 27.Sep.2013 | 18:00 Uhr

Fast vier Monate lang waren 22 Landwirtschaftspraktikanten aus Russland und Weißrussland auf Bauernhöfen in Schleswig-Holstein. Gestern Nacht um 1.40 Uhr haben sie mit vielen neuen Eindrücken und Erfahrungen im Gepäck ihre lange Heimreise mit der Bahn angetreten. Vorher aber wurde mit den Gasteltern zusammen in der Deula in Rendsburg Abschied gefeiert.

Gleich zwei Studentinnen verbrachten ihre Praktikumszeit in dem kleinen Dorf Mörel. Für Swetlana Zemetsova ein Riesenunterschied zu ihrer Heimatstadt Wolgograd in Südrussland, die mehr als eine Million Einwohner hat. Die 21-Jährige arbeitete auf dem Hof von Klaus-Peter Lucht, dem Vizepräsidenten des Bauernverbandes Schleswig-Holstein, und seiner Frau Anke. Neben Milchviehhaltung nimmt dort „Urlaub auf dem Bauernhof“ einen wichtigen Platz ein.

„Swetlana hat in allen Bereichen mitgearbeitet“, berichtete Anke Lucht. „Sie hat Kälber und Kleintiere gefüttert, unser Heuhotel gereinigt, das Frühstücksbuffet angerichtet und die An- und Abreise für die Ferienwohnungen gemanagt.“ Diese Vielfalt hat der Studentin der Agrarwissenschaft besonders gut gefallen. „Und die Kontakte zu vielen Menschen.“ Dazu gehörten auch die vier Kinder der Familie Lucht und deren Freunde. „Manchmal saßen wir zu zehnt am Tisch, und wir haben immer viel gelacht“, freute sich Anke Lucht über das gute Zusammenleben. Die Verständigung klappte gut, denn Swetlana Zemetsova hat Deutschkenntnisse aus der Schule. „Zusätzlich lag immer ein Wörterbuch bereit, und den Rest haben wir mit Händen und Füßen gemacht.“

Von der Großstadt aufs Land, das galt auch für Kristina Födarawa aus Witebsk in Weißrussland, wo sie im 8. Semester Tiermedizin studiert. „Leider hatten wir nicht genug kranke Tiere“, blickt der Möreler Landwirt Steffen Reimers (25) mit einem Lachen auf die Praktikumszeit der 22-Jährigen zurück. Auf dem Milchvieh- und Futterbaubetrieb mit 120 Kühen und 90 Hektar gab es für Kristina Födarawa aber trotzdem genug zu tun. „Kühe melken, Kälber füttern, Ställe säubern, ich habe hier viele verschiedene Erfahrungen gemacht. Ich habe die deutsche Landwirtschaft kennen gelernt.“

Besonders gut gefallen habe ihr, dass Steffen Reimers ein Treffen mit seinem Tierarzt arrangiert hatte, der ihr Einblick in seine Arbeit gab.

„Für die Agrarwirtschaft in Schleswig-Holstein spielen die Kontakte nach Osteuropa eine große Rolle“, betonte Stefan Metzdorf von der Schorlemer-Stiftung des Deutschen Bauernverbandes. Er ist zuständig für den internationalen Praktikantenaustausch mit Osteuropa, den es mittlerweile seit 22 Jahren gibt. Weit mehr als 1000 Praktikanten aus Russland und Weißrussland seien in dieser Zeit in Deutschland gewesen. Zahlreiche Absolventen seien inzwischen in Wirtschaftskooperationsprojekten und für deutsche Unternehmen der Agrar- und Ernährungswirtschaft in ihrer Heimat tätig.

Während der Praktikumszeit wurden Kurzreisen nach Oslo, Paris und Amsterdam gemacht. Aber auf die Frage nach dem herausragenden Erlebnis während der vergangenen vier Monate hätten alle Praktikanten „das erste Zusammentreffen mit den Gasteltern“ genannt, betonte Metzdorf. „Die Gastfamilien sind der Dreh- und Angelpunkt. Es ist ihr Verdienst, dass die Praktikanten selbstständiger und verantwortungsbewusster bei der Arbeit und gegenüber ihren Mitmenschen den Weg in ihre Heimat antreten.“

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen