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Jugendsprache : Von „Babo“ bis „Yolo“: So redet die Jugend

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Eine einheitliche Sprache unter Teenagern gibt es nicht, aber viele Variationen je nach Region und sozialer Schicht.

Mittags auf dem Schulhof: „Hey, wie gehtsndir. Alles klaro?“ „Läuft Laaaaan.“ Da steht man als Erwachsener ratlos daneben und versteht nur Bahnhof. Jugendliche von heute haben ihre eigene Sprache. Sich von anderen abgrenzen und ihre eigene Identität herausfinden sind dabei nur zwei Gründe. „Die Jugend ist ständig angehalten, Neues zu erfinden. Jugendsprache ist ein Teil der Sprachbiografie eines jeden Menschen, mit der er seine Gruppenzugehörigkeit findet“, erklärt der Professor für Deutsche Philologie Jörg Kilian zur Entwicklung.

Mats Aust aus Fockbek kann das nur bestätigen. Er ändert seine Sprache je nach Freundeskreis. Die verschiedenen Ausdrucksweisen hängen von den jeweiligen Interessen ab, die er mit den Leuten teilt. Natürlich benutze er auch „typische“ Begriffe wie „Yolo“ (You only live once, du lebst nur einmal) oder „Babo“ (Boss, Anführer), aber meist sei dies eher im parodierenden Sinn gemeint. „Wenn ich mich mit Erwachsenen wie meinen Eltern oder Lehrern unterhalte, ändere ich mein Sprachverhalten jedoch total“, erklärt der 17-Jährige.

Doch eine gewissermaßen standardisierte Jugendsprache gibt es gar nicht, sie variiert abhängig von Region, sozialer Schicht und Gruppe. Allerdings enthält sie Strukturen, die immer wieder und überall vorkommen. Als Merkmale der Jugendsprache von heute nennt Professor Kilian Zusammenziehungen („Wiegehtsndir?“), die häufige Verwendung von o- und i-Endungen („klaro, Normalo“) sowie die intensivere Nutzung von Vorsilben (anlabern, vollsülzen), Kurzwortbildungen oder auch Metaphern („Oberheinz“ für Rektor). „Insgesamt ist Jugendsprache eher ein von Jugendlichen geprägter Stil der gesprochenen Umgangssprache“, sagt Kilian.

Englisch hat einen großen Einfluss auf die Sprache der jüngeren Generation. Peter Harfmann, Deutschlehrer des Gymnasium Kronwerk, sieht jedoch keinen Grund zur Kritik: „Natürlich bemerke ich als Deutschlehrer vermehrt Anglizismen im Unterricht, jedoch sehe ich Jugendsprache und die Veränderung, die sie mit in unsere Sprache bringt, als notwendig und sinnvoll. Sprache muss sich verändern. Die Sprache der Jugend von heute hat genauso ihre Berechtigung wie die deutsche Sprache, wie Schiller und Goethe sie gesprochen haben.“ Neben Anglizismen werden in der Jugendsprache oft Verkürzungen genutzt. Sarina Geerdts (18) aus Fockbek verwendet welche aus der Chatsprache: „Ich benutze „omg“ (Oh mein Gott) oder „ka“ (Keine Ahnung). Außerdem rede ich „Denglisch“ und benutze Wörter wie „boy“, „nice“ und „getalked“ (anstatt „geredet“), obwohl ich gerade eigentlich deutsch spreche. Natürlich rede ich nur innerhalb meines Freundeskreises so.“

Die Sprache der Jugend – sie grenzt ab und wird immer wieder neu geschaffen. Auf das Jugendwort 2014 darf man gespannt sein. Die Ausdrücke des „Wörterbuchs der Jugendsprache 2014“, wie „Bauern-Metal“ (Volksmusik) oder „Mumienhopse“ (Ü30-Party), zeigen erneut die Variabilität der Jugendsprache von heute.

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erstellt am 21.Jan.2014 | 00:33 Uhr

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