Buchtipps : Vom Symbol zum Tourismusmagneten

Vom nationalen Traum zur Traumstraße für Schiffe: Sonnenaufgang über dem Nord-Ostsee-Kanal.
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Vom nationalen Traum zur Traumstraße für Schiffe: Sonnenaufgang über dem Nord-Ostsee-Kanal.

Im Juni vor 120 Jahren wurde der Nord-Ostsee-Kanal eingeweiht. Zwei neue Bücher sind dazu erschienen – eines informativ, das andere fehlerhaft.

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27. Januar 2015, 06:00 Uhr

Der Traum von einem Kanal, der die Nord- mit der Ostsee verbindet, ist uralt. Am 21. Juni vor 120 Jahren wurde er wahr: Kaiser Wilhelm eröffnete die künstliche Wasserstraße im Jahre 1895. Vom „Nationalsymbol des Deutschen Kaiserreiches“ wurde der Kanal zum Wirtschaftsfaktor und zur Touristenattraktion. Entsprechend viele Bücher befassen sich mit ihm – in sehr unterschiedlicher Qualität.

Für alle historisch Interessierten hat Dr. Klaus Alberts zusammengetragen, was sich mit Planung, Bau und Einweihung befasst. Der promovierte Jurist hat zahlreiche Schriften zur Zeit- und Regionalgeschichte veröffentlicht. Im aktuellen Buch geht es ihm darum, die politisch-wirtschaftlichen Hintergründe aufzuzeigen. Kanzler Otto von Bismarck, so schreibt er, wollte der Welt einen gewaltigen Kraftakt zeigen: Seht her, das bin ich und dazu bin ich in der Lage. Unterschiedliche Trassen wurden diskutiert, eine Gruppe Rendsburger schlug vor, die Festungsstadt zum Hauptkriegshafen der Flotte zu machen. Schwierige Bodenverhältnisse und technische Probleme machten eine detaillierte Planung notwendig. So wurde der Verlauf bei Westerrönfeld von der Eider weggeführt, um Rendsburg südlich zu umgehen. Und ein Heer von Arbeitern wurde benötigt – 8000 Menschen waren es im Sommer 1882. „Sie, nicht die Politiker und Generäle, sind die wahren Helden dieser Geschichte“, würdigt Alberts ihre Leistung. Die Arbeiter wurden in Barackenlagern untergebracht, teilweise mit ihren Familien. Die Kanal-Comission überwachte Hygiene und Verpflegung.

Anderswo müssen Häuser abgerissen werden: Der Ort Sehestedt wird zweigeteilt. Heute profitiert die Gemeinde davon: Die Fähre ist eine Art schwimmender Dorfplatz, der Wohnmobilstellplatz ein touristischer Anziehungspunkt. Das wollte wohl Thomas Fröhling in seinem Buch hervorheben. Was allerdings missglückte: „Senestadt“ prangt auf Seite 84 in der Überschrift. Von „enormen Zuwachs an den Stellzahlen am Fähranleger in „Sehestadt“ spricht er weiter. Gemeint ist Sehestedt. Bei den Adressen wird der Ortsname dann richtig geschrieben, auf Seite 85 ein Bild vom Stellplatz gezeigt. Allerdings ist die Bildunterschrift wieder ganz allgemein gehalten. Übrigens ein Manko, das sich an vielen Stellen in dem Buch bemerkbar macht. Auf Seite 87 unter „Wohnen am Kanal“ wird nicht gesagt, wo sich die Gebäude befinden. Dazu wird der Firmensitz von Denker & Wulf gezeigt – hier wohnt aber niemand. Auf Seite 90 ist der Bau erneut abgebildet, wieder ohne Hinweis, worum es sich handelt und dass der Bau bei Sehestedt liegt.

Es lassen sich noch zahlreiche weitere Punkte aufzählen, wo konkrete Bildhinweise hilfreich gewesen wären. Wenn es beispielsweise auf Seite 75 heißt: „In dieser kleinen Mühle kann man sogar heiraten“ – aber leider erfährt der Leser nicht, um welche Mühle es sich handelt. Auch andere Detail-Fehler sind ärgerlich und mindern den Wert des Werkes. Auf Seite 75 werden die NOK-Brücken aufgelistet. Von einer „Eisenbahnhochbrücke Hohendorn“ oder einer „Autobahnhochbrücke Hohendörn“ ist Kanalkennern aber nichts bekannt.

Das Buch ist zwar aus einem renommierten maritimen Verlag. Tippfehler und ungenaue Bildtexte machen es jedoch nicht empfehlenswert. Ganz anders dagegen das Alberts-Werk, das mit zahlreichen historischen Abbildungen und Details besticht.

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