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Vom schwedischen Geist inspirierter Jazz und Eigenkompositionen

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

„Triø“ - passender und knapper kann man die Verbindung zwischen Skandinavien und Jazz nicht herstellen. Christian Gayed, Sønke Hermannsen und Roland Möhle bilden dieses Dreigestirn mit Kontrabass, Schlagzeug und Klavier. Seit acht Jahren jazzen sie zusammen, vieles davon kammermusikalisch angehaucht, aber auch Standards und Eigenkompositionen sind dabei. Sie verrieten beim Auftritt im Speicher im Stegengraben auch die Beziehung zu Skandinavien.

Roland Möhle, ehedem Musiker der Christkirche, ist nach Stockholm gezogen. Von ihm kommen auch wesentliche Einflüsse. Schon der erste Titel „Wade in the water“ erinnerte an den durch einen Unfall ums Leben gekommenen schwedischen Jazz-Pianisten Jan Johannsson.

Triø“ präsentierte ein breitgefächertes Programm, „um seinen Horizont zu zeigen“ (Christian Gayed). Die Palette reichte von Johann Sebastian Bach (Erinnerung an das Jacques Loussier-Trio) über eine Bearbeitung des „Lindenbaums“ von Franz Schubert bis zu „Sometimes, I feel like a motherless child“, das in dieser Fassung eigenwillig, fremd und ohne die darin erwartete Traurigkeit klang.

Normal wirkten dagegen Jazz-Standards wie „Fly me to the moon“, „I love Paris“ bis hin zu „Desafinado“ und „On the sunny side of the street“. Mutig „Gula, Gula“ von Jan Garbarek, das auch ohne Sopran-Saxophon mit Roland Möhles verhallter Stimme zur eigenen Klavierbegleitung mystisch-rätselhaft klang.

Krönung des Abends waren die Eigenkompositionen der Drei. Erst diese Stücke zeigten Fantasie und wirkliches Können. Wirkten die Standards doch meist nachgespielt und zeigten bei weitem nicht die Klasse jedes einzelnen Musikers in seinen besten Tagen, professionelle Lässigkeit fehlte.

Ganz anders dagegen die Wirkung bei den selbstkomponierten Stücken, die - besonders „Bali“ - in Klangwelten entführten, die man noch nicht kannte und in dieser Besetzung auch nicht erwartete. Sie zeigten, dass es auch weit hinter dem bis dahin hörbaren Horizont noch viel Neues, Auf- und Anregendes zu entdecken gibt. Wie die von schwedischem Geist durchdrungenen Eigenkompositionen Roland Möhles in der zweiten Zugabe. Das war lyrischer Jazz der feinsinnigen Art, der dazu noch den klanglich-melodiösen Bogen zum Anfang schloss.

Schwedisch inspirierter Jazz und Eigenkompositionen sind bestens geeignet für fantasievolle Klangreisen in fremde Welten. An diesem Abend wäre weniger allerdings „mehr“ gewesen.


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erstellt am 26.Sep.2013 | 00:33 Uhr

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