Todenbüttel : Vom Schüler-Job zum Traumberuf

Andrea Roßmann prägt in ihrer Werkstatt einen Buchdeckel an einer Maschine, die Prägnant heißt.
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Andrea Roßmann prägt in ihrer Werkstatt einen Buchdeckel an einer Maschine, die Prägnant heißt.

Andrea Roßmann aus Todenbüttel ist Buchbindemeisterin. Ihre Werke bereisen die ganze Welt, eines gehört John Lennons Witwe Yoko Ono.

shz.de von
27. Mai 2015, 06:00 Uhr

Viele Handwerksberufe sind in den vergangenen Jahren ausgestorben oder vom Aussterben bedroht. Einige Meister ihres Fachs setzen aber nach wie vor auf Handarbeit. In einer Serie stellt die Landeszeitung diese von ihrem Beruf begeisterten Experten vor.

Prägnant, Lumbeckgerät, Buchfadenheftmaschine und Bohrer: Die Geräte, mit denen Martina Roßmann täglich arbeitet, wirken wie aus einer anderen Zeit. An ihnen erkennt man, dass die Buchbinderei in ihrer ursprünglichen Form ein echtes, uraltes Handwerk ist.

Der berufliche Werdegang der heute 45-Jährigen beginnt vor 30 Jahren. Damals hilft die Schülerin gelegentlich bei der Druckerei Broschat in Hohenwestedt aus, um ihr Taschengeld aufzubessern. „Das hat mir viel Spaß gemacht“, erinnert sich die zweifache Mutter. Es folgen ein Praktikum und anschließend eine Ausbildung zur Buchbinderin bei der Druckerei Christiansen in Itzehoe. Im Jahr 2000, nach dreijähriger Elternzeit, beschließt Roßmann, ihre Meisterausbildung zu absolvieren. Nach der Geburt ihres zweiten Kindes folgt dann im Jahr 2004 der Schritt in die Selbständigkeit. Ihre kleine Werkstatt hat die gebürtige Rendsburgerin seitdem im heimischen Todenbüttel.

Zu ihren Geschäftskunden gehören Druckereien von Itzehoe bis Kiel, Kirchengemeinden sowie Rechtsanwälte und Notare. „Einer meiner Kunden kommt sogar aus Dänemark“, berichtet Roßmann. Für ihn bindet und prägt sie Familienstammbücher. Doch auch viele Privatpersonen gehören zu Roßmanns Klientel. Oft bekommt sie dann zum Beispiel Lieblings- oder Kochbücher, die vom häufigen Benutzen und vielen Durchblättern auseinanderfallen. Besonders stolz ist Martina Roßmann, dass ein von ihr eingebundenes Buch an Yoko Ono überreicht wurde. „Das war ein Auftrag für die Itzehoer Versicherung, die den ‚John Lennon Talent Award‘ veranstaltet hat. In dem Zusammenhang wurde ein Buch für seine Frau zusammengestellt, das ich einbinden durfte.“

Ob Tage- oder Logbuch, Fotoalbum oder Gästebuch: Die Werke aus Todenbüttel gelangen auch auf anderen Wegen in die weite Welt. „Ich habe schon ein paar Wanderbücher für Bäcker und Konditoren gemacht, die auf Walz gehen. So waren einige meiner Bücher in den USA und in Australien.“ Wirklich kuriose Aufträge hat sie eher selten. Einmal bat sie allerdings ein Kunde, Pornohefte zu binden. „Das müssen ganz besondere Ausgaben gewesen sein. Ich habe aber nicht nachgefragt“, sagt Roßmann und schmunzelt.

In ihrer Werkstatt lagert sie insgesamt 1,8 Tonnen Bleisatz, also einzelne Buchstaben. Mit sechs Schriftarten in verschiedenen Größen kann sie so die Buchdeckel ganz nach Kundenwunsch prägen. Besonders beliebt seien goldene oder silberne Schrift, hin und wieder auch der Blinddruck. Bei dem Verfahren wird die Schrift ohne Farbe zu verwenden in den Einband eingeprägt. Während hier eine Maschine zum Einsatz kommt, die Roßmann manuell bedient, werden Ornamente wie Blumen oder Schwalben mit sogenannten Fileten per Hand auf Buchdeckel oder -rücken eingeprägt. „Dieser Vorgang hängt von Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit ab. Dafür braucht man Erfahrung“, weiß Martina Roßmann. Dass sie ihren Traumberuf gefunden hat, liegt vor allem an der Vielfalt. „Ich habe schon so viele verschiedene Bücher in die Hände bekommen, und oft ist die Geschichte dahinter sehr interessant.“ Einen reinen Bürojob könne sie sich nicht vorstellen, das sei nicht ihr Ding. „Ich mag es, dass die Leute meine Arbeit in den Händen halten können“, sagt sie.

Von der Buchbinderei allein könnte die Todenbüttelerin nicht leben. „Ich arbeite auch noch als Küsterin in der Gemeinde. So bin ich versichert und kann mich nebenbei der Buchbinderei widmen.“

Ein Thema, das beide Berufe betrifft, sind Konfirmationen. „Oft verschenken Großeltern dann ihre eigene alte Bibel und lassen bei mir einen neuen Buchdeckel prägen.“ Doch auch die Anfertigung von Mappen, Schubern und Kästen gehört zu Roßmanns Repertoire.

Einen Eindruck von ihren Arbeiten, der Werkstatt und den Preisen bekommt man im Internet unter www.bubiro.de.

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