Rendsburger Eisenbahnhochbrücke : Vom Monstrum zum Wahrzeichen

Ein imposanter Bau - hier ein Bild aus dem Winter 2010. 1913 wurde die Eisenbahnhochbrücke über dem Kanal eingeweiht - heute kann man sich die Stadtsilhouette ohne den Stahlbau nicht mehr vorstellen. Foto: Dewanger
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Ein imposanter Bau - hier ein Bild aus dem Winter 2010. 1913 wurde die Eisenbahnhochbrücke über dem Kanal eingeweiht - heute kann man sich die Stadtsilhouette ohne den Stahlbau nicht mehr vorstellen. Foto: Dewanger

Anfangs stieß ihr Bau auf massive Ablehnung: Die Eisenbahnhochbrücke feiert im kommenden Jahr ihren 100. Geburtstag. Ein Ereignis, das gebührend gewürdigt werden soll.

shz.de von
28. Dezember 2012, 09:53 Uhr

Rendsburg | Sie ist in Rendsburg und Umgebung allgegenwärtig. Ihre charakteristische Silhouette ziert als Enblem die Fassaden vieler Häuser. Banken und Versicherungen haben sie zu ihrem Markenzeichen gemacht. Als Ziel des härtesten Ruderrennens der Welt ist sie rund um den Globus bekannt. Die Eisenbahnhochbrücke über dem Nord-Ostsee-Kanal ist das prägende Bauwerk der gesamten Region. Sie ist wichtige Verkehrsverbindung und identifikationsstiftendes Symbol zugleich.
Im kommenden Jahr besteht die Hockbrücke seit genau 100 Jahren - ein Jubiläum, das mit einer ganzen Reihe von Veranstaltungen gefeiert werden soll. Einbezogen werden auch die historische Schwebefähre und der Stadtteil Schleife, deren Existenz unmittelbar mit dem Brückenbau zusammenhängt und die ebenfalls im Jahr 1913 ihren Ursprung haben. Aber im Mittelpunkt der Feierlichkeiten steht natürlich das Rendsburger Wahrzeichen.

Besucher können die Brücke in Farbe tauchen

Arbeitsgruppen beschäftigen sich seit Monaten mit der Aufgabe, eine würdige Geburtstagsparty auf die Beine zu stellen. Es wird eine ganze Reihe von Veranstaltungen und Aktionen geben, der Höhepunkt aber soll voraussichtlich im Rahmen des E.ON Hanse-Cups (13. bis 15. September) stattfinden. Dann sollen Brücke und Schwebefähre dauerhaft in ein ganz besonderes Licht gerückt werden.
Der in Hamburg lebende Künstler Till Nowak hat für das Wahrzeichen eine Installation erdacht, die weltweit wohl einmalig ist. Durch eine Steuerung an Land können Besucher den Farbton selbst bestimmen, den die Fähre bei ihrer Fahrt zwischen den Ufern auf die Brücke wirft - ein Prinzip, das nicht nur außergewöhnlich ist, sondern auch Touristen und Einheimische ganz direkt mit einbezieht.

Der Bau der Brücke stieß auf massive Ablehnung

Der Bau der Brücke wurde damals notwendig, nachdem die zuvor vorhandenen Drehbrücken sich als nicht leistungsfähig genug erwiesen hatten. Der Autor Erich Thiesen zitiert in diesem Zusammenhang aus einem Protokoll des Reichtstages aus dem Jahre 1907, in dem die Drehbrücken als "Quelle von Übelständen verschiedener Art" bezeichnet werden.
Aber auch das Brückenbauwerk selbst - heute schwer vorstellbar - stieß damals auf massive Ablehnung. Die Verantwortlichen befürchteten, ihnen werde ein "Monstrum" vor die Nase gesetzt, dass das Stadtbild störe und touristisch zumindest langfristig von keinerlei Bedeutung sei. Der durch die Schleife notwendige Dammbau könne die wirtschaftliche und bauliche Entwicklung der Stadt bremsen, unkten sie.

Skepsis weicht uneingeschränkter Begeisterung

Auch in der Wirtschaft regte sich Widerstand. Aus der Chemischen Düngerfabrik, der Carlshütte und der Werft Nobiskrug wurden Bedenken laut, durch den Umweg der Schleife könne es zu zeitlichen Verzögerungen und erhöhten Transportkosten kommen. Mit vielen Zugeständnissen finanzieller Natur lenkten die Kaiserliche Kanalbau- und die Eisenbahnverwaltung ein. Als Brücke und Damm dann am 1. Oktober 1913 für den Verkehr freigegeben wurden, war zumindest in der Öffentlichkeit von Protesten nichts mehr zu spüren.
Ein Redakteur des Rendsburger Tageblatts schrieb zwei Tage nach der Eröffnung der Anlage nach Beobachtung eines Zügen, der die Brücke bei Nacht überquerte: "Vor uns steigen die gigantischen Eisenformen der Hochbrücke empor. Eine Reihe Lichter schlängelt sich allmählich in die Lüfte. Der Vergleich mit einem Kometenschweif drängt sich uns auf." Die Skepsis war uneingeschränkter Begeisterung gewichen. Der sh:z wird in den kommenden Tagen und während des gesamten Jahres aus unterschiedlichen Perspektiven über Brücke, Schwebefähre, Nordmarkhalle und Schleife berichten.

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