Fussball-Kreispokal : Vom Gipfel ins Tal der Tränen

Sportlich fair tröstet Eckernfördes Ken Smit (rechts) Mirko Mrosek.
Sportlich fair tröstet Eckernfördes Ken Smit (rechts) Mirko Mrosek.

Das Kreispokalfinale wird für den TuS Jevenstedt zu einem Wechselbad der Gefühle. Der Eckernförder SV gewinnt mit 6:3 im Elfmeterschießen.

von
02. Juni 2014, 06:02 Uhr

Es war ein Pokalfight, der wirklich alles zu bieten hatte, leider auch einen tragischen Zwischenfall mit der Verletzung von Frank Mettig (siehe Bericht unten rechts). Der TuS Jevenstedt und der Eckernförder SV lieferten sich ein packendes Finale inklusive mehrerer Wendungen und einer Entscheidung im Elfmeterschießen. Schließlich konnte sich der ESV nach dem 6:3 (0:1, 2:2, 3:3)-Sieg über die Titelverteidigung freuen.

Es war allerdings ein schmeichelhafter Triumph, denn der Kreisliga-Vertreter aus Jevenstedt war dem Verbandsligisten über weite Strecken der Partie überlegen. „Jeder der zwei Augen hat, hat gesehen, dass wird nach 20 Minuten nicht die bessere Mannschaft waren“, formulierte es ESV-Kapitän Henning Ströh. Und Jevenstedts Trainer Michael Rohwedder freute sich zumindest darüber, „dass wir den Gegner phasenweise an die Wand gespielt haben.“ Die Enttäuschung über den verpassten Coup wog zwar schwer, aber Rohwedder versuchte die positiven Dinge herauszustreichen: „Ich denke, wir haben hier Werbung für den Club gemacht und können stolz auf diese Leistung sein.“

Es begann schlecht für die Gastgeber. Nach zehn Minuten war es einer der gefürchteten Eckernförder Freistöße, die für den ersten Treffer sorgten. Timo Ruge köpfte, bedrängt von Ströh, ins eigene Netz. Das aber war es mit der Herrlichkeit des ESV. Fortan merkten die Jevenstedter, dass sie es an diesem Tage nicht mit einem übermächtigen Gegner zu tun hatten, legten ihren Respekt ab und dominierten das Spiel. „Ich war selbst etwas überrascht, dass Eckernförde so wenig nach vorne gemacht hat“, so Rohwedder. Hendrik Lassen hatte die Lufthoheit im Mittelfeld, Piet Gömpel und Thore Neben spielten ein ums andere Mal gefährliche Pässe in die Spitze. Alleine die zum Teil großen Torchancen blieben ungenutzt. Ob Sebastian Hehnke, Mirko Mrosek, Timo Klug, Neben, Gömpel oder Lassen. Allen blieb der Torerfolg zunächst versagt. Der ESV kam lediglich durch Garbit Temirgans Lattentreffer gefährlich vor das Jevenstedter Tor.

Nach der Pause blieb es beim Einbahnstraßenfußball. Allerdings konnten Mrosek und Hehnke mit wunderschönen Toren die Partie drehen. Und als auf Jevenstedter Seite schon alles auf Pokalsieg eingestellt war, war es das zweite Eigentor durch Neben, das die Verlängerung erzwang. Nach der 45-minütigen Verletzungspause hatte der TuS Probleme, wieder Fahrt aufzunehmen. So brachte Eduard Moor den ESV in Unterzahl (das Auswechselkontingent war nach Mettigs Verletzung erschöpft) wieder in Front, ehe diesmal der TuS in Person von Bjarne Timm den späten Ausgleichstreffer erzielte (120.).

Das Elfmeterschießen verkam dann allerdings zu einem Langweiler im Vergleich zu den 120 Minuten zuvor. Während die Eckernförder mit Nicolas Lietz, Eduard Moor und Sönke Matthiesen drei sichere Schützen stellte, scheiterten Piet Gömpel, Bjarne Timm und Timo Ruge jeweils an Tim Steingräber.

TuS Jevenstedt: Tischer – Gersteuer, Ruge, Schlüter, T. Wicker (62. T. Degener) – Gömpel, Lassen – Klug (84. Zimm), Neben, Hehnke (81. S. Degener) – Morsek.

Eckernförder SV: Steingräber – Medler, Ströh, Mettig, Smit – Matthiesen, Kranz – Bamler, Lietz – Schikorr, Temirgan.

SR: Simon (Fortuna Stampe). – Zuschauer: 500.

Tore: 0:1 Ruge (10., ET), 1:1 Mrosek (59.), 2:1 Hehnke (73.), 2:2 Neben (90. +1, ET), 2:3 Moor (101.), 3:3 Timm (120.).

Elfmeterschießen: 3:4 Lietz, Steingräber hält gegen Gömpel, 3:5 Moor, Steingräber hält gegen Timm, 3:6 Matthiesen, Steingräber hält gegen Ruge.

Der TuS Jevenstedt in der Einzelkritik:

Malte Tischer: Der Torhüter musste nur selten sein Können zeigen und war bei allen Toren machtlos. Als Elfmetertöter erwies er sich nicht. Note:3

Lukas Gersteuer: Solide Partie. Wenn der ESV allerdings gefährlich vor das Tor kam, dann über seine Seite. Note: 3,5

Timo Ruge: Souverän in der Innenverteidigung. Legte nach einer Energieleistung den Treffer zum 3:3 auf. Note: 2,5

Marten Schlüter: Ließ im Abwehrzentrum ebenfalls nicht viel anbrennen. Note: 3

Tom Wicker (bis 62.): Hielt Sebastian Hehnke den Rücken frei. Hatte seinen Gegenspieler zumeist gut im Griff. Note: 3

Piet Gömpel: Immer wieder mit guten Offensivaktionen und tollen Pässen in die Spitze. Hätte sich dennoch ab und zu eher vom Ball trennen können. Note: 2,5

Hendrik Lassen: Spielte nach seiner langen Verletzung sehr diszipliniert und räumte im Mittelfeld viele hohe Bälle ab. In der Offensive war er allerdings auch schon stärker. Note: 3

Timo Klug (bis 84.): Über die gesamte Spielzeit bemüht, auf seiner rechten Seite für Alarm zu sorgen. Aber er kam nicht so zum Zuge, wie gewohnt. Note: 3,5

Thore Neben: Ganz starke erst Halbzeit, mit viele klugen Pässen und eigenen Abschlüssen. Nach dem Seitenwechsel allerdings nicht mehr so präsent. Note: 2,5

Sebastian Hehnke (bis 81.): Toller persönlicher Abschluss. Immer anspielbar und torgefährlich. Brachte seine Mannschaft mit einem traumhaften Freistoßtreffer zum 2:1 in Führung. Note: 2

Mirko Mrosek: Absolvierte wie Hehnke sein letztes Pflichtspiel für den TuS und zeigte eindrucksvoll, warum der TSV Kropp ihn haben wollte. Ständiger Gefahrenherd mit dem richtigen Riecher für die Situation. Leider reichte auch sein Traumtor zum 1:1 nicht. Muss mindestens noch eins mehr machen. Note: 2

ab 62. Tim Degener: Ordentliche Leistung auf der linken Seite. Note: 3

ab 81. Sebastian Degener: Nicht so aktiv wie Hehnke, für den er kam. Note: 3,5

ab 84. Bjarne Timm: Sorgte mit seinem späten Treffer zum 3:3 für das Elfmeterschießen. Note: 3

Der Eckernförder SV in der Einzelkritik:

Tim Steingräber: Schon während des Spiels rettete er mehrfach stark. Allerdings hatte er auch zwei, drei Wackler dabei, wie in der 38. Minute, als er Glück hatte, dass der Schiedsrichter beim TuS-Ausgleich ein Foul gegen ihn sah. Im Elfmeterschießen dann für die Jevenstedter eine unüberwindbare Steinwand. Note: 2

Marc Medler: Schwache erste Halbzeit, mit vielen Abspielfehlern, die Jevenstedt auch zu Abschlüssen nutzte. Stabilisierte sich dann etwas. Note: 4

Henning Ströh: Verlor überraschend viele Kopfballduelle. Ihm gelang es nicht, Ordnung in die Viererkette zu bekommen. Klärte jedoch auch mehrere Male in höchster Not mit seinen langen Beinen. Note: 4

Frank Mettig: Auch der zweite ESV-Innenverteidiger hatte gegen die TuS-Stürmer Probleme. Wie auch Ströh, stand er in dieser Spielzeit oft sicherer. Note: 4

Ken Smit: Ein starker Auftritt mit einem kleinen Schönheitsfehler. Vor dem 3:3 ließ er sich zu einfach überlaufen. Dennoch: Bester ESV-Feldspieler. Note: 2,5

Sönke Matthiesen: Wirkte müde. Hatte besonders im ersten Durchgang keine ordnende Wirkung im Mittelfeld. Ging jedoch auch keinem Zweikampf aus dem Weg und bereitete das 3:2 durch einen starken Pass vor. Note: 4

Daniel Kranz (bis 75.): Vor der Pause  neben Smit einziger Lichtblick. Viele Ballkontakte, wenige Fehler. Auch seine Zweikämpfe gewann er. Nach der Pause baute er ab. Note: 3,5

Timo Bamler (bis 64.): In der Offensive mit einigen Ballgewinnen. Machte auch die Wege zurück. Dennoch: Die meisten Jevenstedter Angriffe kamen über seine Seite. Note: 3,5

Nicolas Lietz: Solides Spiel auf der linken ESV-Außenbahn. Sicherer Elferschütze. Note: 3

Tim Schikorr (bis 56.): Rannte viel, arbeitete gewohnt stark nach hinten, strahlte diesmal jedoch kaum Torgefahr aus. Note: 3,5

Garbit Temirgan: Lief die Jevenstedter immerzu an, und hatte mit seinem Lattenschuss eine der wenigen ESV-Chancen. Ansonsten wie Schikorr emsig und auch in die Defensive eingebunden. Note: 3

ab 56. Danny Goos: Fiel nicht weiter auf. Note: 4

ab 64. Eduard Moor: Sehr schönes Tor zum 3:2. Hatte wenig später die Vorentscheidung auf dem Fuß, vergab diese jedoch. Er war eine Belebung. Note: 3

ab 75. Torben Hindersmann: Sorgte mit einigen Vorstößen für Entlastung. In der Verlängerung bei einer Chance zu eigensinnig. Note:3,5

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen