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Bobsport : Vom Fußballplatz in den Eiskanal

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Die sportliche Karriere von Joshua Bluhm ist in vielerlei Hinsicht bemerkenswert. Nun startete der Nortorfer als Bobfahrer im Weltcup.

shz.de von
erstellt am 08.Jan.2014 | 06:12 Uhr

Der Nortorfer Joshua Bluhm gehört seit dem vergangenen Wochenende zweifelsohne zu den Senkrechtstartern des deutschen Wintersports in dieser Saison. Der 19-Jährige, der eigentlich als Leichtathlet Karriere machen wollte, startete beim Viererbob-Weltcup in Winterberg als einer der Anschieber im Team von Pilot Thomas Florschütz. Nach einem vierten Platz in seinem ersten Weltcup-Rennen am Sonnabend, klappte es am Sonntag mit dem dritten Rang sogar mit dem Sprung auf das Podium. Auch eine Teilnahme an den Olympischen Winterspielen in Sotschi scheint nicht ausgeschlossen.

Der Weg zum Wintersport hatte sich dabei lange Zeit nicht im Ansatz angedeutet. Überhaupt ist die Sportkarriere von Bluhm bisher alles andere als typisch verlaufen. Nachdem der in Kiel geborene Sportler bei seinem Heimatverein TuS Nortorf einige Jahre Fußball gespielt hatte und mehrere Probetrainingseinheiten und Testspiele beim Hamburger SV, FC St. Pauli und Holstein Kiel nicht den erhofften Erfolg gebracht hatten, brach Bluhm seine Zelte im Frühjahr 2011 in Nortorf ab und verließ seine alleinerziehende Mutter in Richtung Leverkusen. Dort war es dann aber mit seiner Fußballkarriere vorbei. Dank seiner außergewöhnlichen Sprintqualitäten wurde Bluhm in die Leichtathletikabteilung des TSV Bayer 04 Leverkusen aufgenommen und wusste dabei schnell zu überzeugen, sodass sein Traum, Leistungssport zu betreiben, weiterleben durfte. Bei den deutschen Jugend-Meisterschaften in Jena im Sommer 2011 lief Bluhm mit der Sprintstaffel gleich auf den ersten Platz und arbeitete auch in der Zeit danach weiter hart an sich, wodurch 2012 ein weiterer Deutscher Meistertitel mit der Staffel eingefahren werden konnte.

Der ehemalige Nortorfer beendete im vergangenen Jahr dann erfolgreich sein Abitur und zog zum Studieren nach Paderborn. Auf einem Lehrgang des NRW-Sprintkaders sprach ihn der Trainer des LC Paderborn, Thomas Prange, an und überzeugte den jungen Athleten sich im Bobsport zu versuchen, da er auf Grund seines relativ hohen Körpergewichts prädestiniert für die Sportart sei. Nachdem Prange, selbst ehemaliger Bobfahrer, seine Kontakte spielen gelassen hatte, durfte Bluhm nach Bayern fliegen, um dort bei einem Schnuppertraining erste Eindrücke zu sammeln. Der Linguistik-Student fand in der Tat Gefallen am für ihn neuen Sport und heuerte als Anschieber beim Bobpiloten Matthias Böhmer an. Mit diesem absolvierte er die erste Saisonhälfte und errang bei den Deutschen Junioren-Meisterschaften 2013 in Königssee im Zweierbob die Bronzemedaille und konnte im Viererbob sogar auf den Silberrang vorfahren. Bei einem ersten Anschiebertest im September, der in Fachkreisen „zentraler Leistungstest“ genannt wird, konnte sich das Nachwuchs-Talent für weitere Aufgaben empfehlen.

Ausschlaggebend für seinen Start beim Weltcup in Winterberg war dann jedoch ein zweiter Leistungstest am 28. Dezember, bei dem ein Ersatz für den verletzten Anschieber Andreas Bredau gesucht wurde. Dabei konnte Bluhm erneut durch seine Spritzigkeit glänzen, indem er als Schnellster den Test beendete und somit in das Team von Pilot Thomas Florschütz rutschte. Direkt am nächsten Tag folgte Bluhms Anreise nach Winterberg. „Dann gleich im ersten Weltcup-Einsatz auf dem vierten Platz zu landen und sich am Tag danach sogar noch auf den dritten Rang steigern zu können, war schon toll“, freute sich Bluhm über seinen bisher größten sportlichen Erfolg. Momentan bereitet er sich nun mit seinem Team, zu dem neben Florschütz auch noch Kevin Kuske und Christian Poser gehören, in St. Moritz auf den nächsten Weltcup am kommenden Wochenende vor. Auch die Tür zu den am 7. Februar in Sotschi beginnenden Olympischen Winterspielen scheint für den 19-Jährigen noch offen zu stehen: „Sotschi ist auf jeden Fall mein Ziel und leistungsmäßig nicht utopisch“, ist Bluhm zuversichtlich.

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