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Fähre Sehestedt : Vom Eisverkäufer zum Schiffsführer

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Luca Troise aus Campobasso hat jetzt das Binnenschiffer-Patent A. Damit ist der Decksmann aufgestiegen. Seit heute arbeitet er auf der Brücke der Fähre in Sehestedt.

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erstellt am 01.Feb.2017 | 11:21 Uhr

Die italienische Stadt Campobasso liegt 780 Meter über dem Meeresspiegel und rund 70 Kilometer von der Adria entfernt. Hier, mitten im Apennin, lebt die Familie von Luca Troise. Als er vor 15 Jahren Richtung Rendsburg aufbrach, war es die Aussicht auf einen Job, die ihn nach Deutschland zog. Mit Ehrgeiz und Durchhaltevermögen arbeitete er sich im wahrsten Sinne des Wortes hoch. Den Sehestedtern ist er gut bekannt – seit dreieinhalb Jahren bedient er als Decksmann die Fährschranke. Heute tritt der 40-Jährige seinen Dienst als Schiffsführer auf der Brücke der „Pillau“ in Sehestedt an. „Buona fortuna“ und „Bravo Luca“ gratulieren die Freunde aus Italien.

Brunsbüttel, Burg, Landwehr – Luca Troise kennt auch die anderen Fährrouten, die von „Adler Schiffe“ betrieben werden. Überall ist er schon einmal im Einsatz gewesen, genau wie auf der „Adler Princess“ und weiteren Fahrgastschiffen der Reederei in Mecklenburg-Vorpommern. Meist als Decksmann, aber auch in anderen Funktionen. Von Kollegen erhielt er Unterstützung für den neuen Weg – und ebenfalls von der Reederei. „Wir sind sehr froh, wenn Mitarbeiter so motiviert sind“, erklärt Pressesprecherin Juliane Nissen-Hünding.

Campobasso ist bekannt geworden durch die Romane von Jan Weiler („Maria, ihm schmeckt’s nicht“). Eine Berühmtheit, die Luca Troise jedoch keinen Job bescherte. Nach seiner Militärzeit hatte er eine Ausbildung zum Steuerberater begonnen, aber nicht beendet, weil die Chancen schlecht standen. „Dann las ich in der Zeitung eine Anzeige, dass in einem Eiscafé in Deutschland ein Italienisch sprechender Kellner gesucht wurde.“ Es war das „Rialto“ in Rendsburg. Nach zwei Jahren kehrte er heim nach Italien – um 2004 erneut im deutschen Norden nach Arbeit zu suchen, die er bei „Adler Schiffe“ fand.

Eine große Hilfe bei der Ausbildung war ihm seine Kollegin Iris Strufe (49). Sie hatte vor einigen Jahren einen ähnlichen Weg gewählt, ist seit drei Jahren Schiffsführerin. „Svend Paulsen gibt Leuten, die weiter wollen, eine Chance“, lobt sie den Reederei-Chef. Vieles hat Luca Troise sich selbst beigebracht. Das bedeutete auch büffeln nach Feierabend. Oder er nutzte die ruhige Nachtschicht, sein Wissen zu vertiefen. Schließlich galt es, drei Lehrgänge zu bestehen: Binnenschiff-, Funk- und Radarpatent mussten abgelegt werden. Iris Strufe wechselt jetzt von Sehestedt auf die Fähre in Oldenbüttel, da sie auf diese Weise näher an ihrem Wohnort arbeiten kann. „Ich habe mich hier sehr wohl gefühlt“, sagt sie zum Abschied. So gab es im Sommer von den Dorfbewohnern mal ein Eis oder zu Weihnachten Kekse für die Besatzung.

Luca Troise hingegen hat es nicht weit – er wohnt mit Lebensgefährtin Sandra und Söhnchen Fabian in Bünsdorf, knapp fünf Kilometer vom Einsatzort entfernt. Die beiden haben ihren festen Platz in der Dorgemeinschaft gefunden. Luca Troise trägt stolz die Jacke vom SV Sehestedt, in dem er Fußball spielt. Sandra de Lazzari arbeitet im Kanal-Imbiss – mit Blick auf den Arbeitsplatz ihres Lebensgefährten.

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