Volkskunde-Magazin nach Rendsburg?

Stiftungs-Vorstand Guido Wendt war zuvor, nach Stationen in der Landesverwaltung, Geschäftsführer von Hermann Ehlers Stiftung und -Akademie in Kiel
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Stiftungs-Vorstand Guido Wendt war zuvor, nach Stationen in der Landesverwaltung, Geschäftsführer von Hermann Ehlers Stiftung und -Akademie in Kiel

Ehemalige Bundeswehrliegenschaft an der Kaiserstraße kommt offenbar als Zwischenlösung in Frage / Gottorf: „Wir sind in guten Gesprächen“

shz.de von
15. November 2013, 00:36 Uhr

Das ehemalige Bundeswehr-Depot an der Kaiserstraße ist in den Fokus der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen geraten. Nach Informationen der Landeszeitung wollen die Gottorfer die Immobilie als Magazin für ihre Volkskundlichen Sammlungen nutzen. Allerdings handelt es sich nur um eine Zwischenlösung. Langfristig sollen sowohl das Magazin und die Sonder- und Dauerausstellungen ins Freilichtmuseum Molfsee verlagert werden.

In der Chefetage auf der Schlossinsel in Schleswig wollte man den Umzug in das ehemalige Bundeswehr-Depot jedoch nicht bestätigen. „Da es sich bei den Überlegungen und Verhandlungen um ein laufendes Verfahren handelt, können wir zu konkreten Inhalten keine Stellung beziehen“, sagte Geschäftsführer und Stiftungsvorstand Guido Wendt auf Nachfrage unserer Zeitung. Aber: „In der Tat sind wir in Rendsburg auf ein interessantes Objekt gestoßen“. Wendt betonte, dass man sich in guten Gesprächen befinde und hoffe, vielleicht noch in diesem Jahr ein Stück weit Planungssicherheit zu bekommen.

Im Mai 2012 war bekanntgeworden, dass das Volkskunde-Museum auf dem Schleswiger Hesterberg nach Molfsee verlagert werden soll. Dies wiederum rief die Stadt Schleswig auf den Plan, die zu diesem Zeitpunkt nach einem neuen Standort für ihr marodes Stadttheater suchte, das vom Einsturz bedroht ist. Gemeinsam mit Gottorf schmiedete man folgenden Plan: Sobald die Volkskunde den Schleswiger Hesterberg verlassen hat, soll auf dem Areal ein neues Theaterdorf für das Schleswig-Holsteinische Landestheater entstehen.

Doch was einfach klingt, hat viele Haken. Denn die Stadt Schleswig als eine der Hauptgesellschafterinnen der Landestheater GmbH ist verpflichtet, der Gesellschaft eine Spielstätte zur Verfügung zu stellen. Derzeit gibt es für das marode Stadttheater zwar eine Ausweichlösung, doch die läuft nach dem heutigen Stand im Jahr 2016 aus. Bis dahin ist also ein neues Stadttheater auf dem Hesterberg zu errichten. Doch bevor man dort ein Theater bauen kann, muss die Volkskunde abgezogen sein. Das wiederum setzt die Landesmuseen unter Druck. Denn in Molfsee gibt es noch keine geeigneten Räumlichkeiten, die die gesamten Volkskundlichen Sammlungen aufnehmen könnten.

Nach Einschätzung von Insidern schlagen die Gottorfer mit einer möglichen vorübergehenden Verlagerung der Volkskunde nach Rendsburg daher zwei Fliegen mit einer Klappe. Sie können der Stadt Schleswig das Museumsareal auf dem Hesterberg weitaus früher zur Verfügung stellen als angenommen – und sie verschaffen sich selbst den nötigen zeitlichen Spielraum, um die Errichtung neuer Volkskunde-Gebäude im Freilichtmuseum Molfsee fundiert durchzuplanen.

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