Rendsburg : Vogelgezwitscher im Abendrot

Freude nach einem gelungenen Konzert: Sopranistin Johanna Winkel und Orchesterleiter Rolf Gupta umarmen sich. Foto: Frank
Freude nach einem gelungenen Konzert: Sopranistin Johanna Winkel und Orchesterleiter Rolf Gupta umarmen sich. Foto: Frank

Chor und Orchester der Deutsch-Skandinavischen Musikwoche traten in der Christikirche auf.

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02. April 2013, 08:43 Uhr

Rendsburg | Nach dem 50. Jubiläumskonzert der Deutsch-Skandinavischen Musikwochen im vergangenen Jahr hatte es Nummer 51 nicht ganz leicht: Neuanfang oder weitermachen wie bisher? Mit den künstlerischen Leitern Almut Stümke aus Hamburg (Chorleitung) sowie Rolf Gupta aus Kristiansand (Norwegen; Orchesterleitung), präsentierte das neue Leitungsteam ein ungewohnt abwechslungsreiches Programm. Bewährtes wurde erhalten, aber auch Schwerpunkte anders gesetzt.

Damit bestätigte die 51. Deutsch-Skandinavische Musikwoche auf der internationalen Bildungsstätte Jugendhof Scheersberg ihr hohes Niveau. Die Intensiv-Probenwoche war mit besten Nachwuchskünstlern besetzt - mit 124 Teilnehmern und Teilnehmerinnen. Sie kamen aus Dänemark und Deutschland, aus Estland, Lettland und Litauen, selbst von den Faröer Inseln waren sie angereist. Auch Finnland, Norwegen, Polen, Schweden und sogar die Ukraine waren vertreten. )

Abseits jeglicher Erwartungen zeichnet sich das Programm dieser Abschlusskonzerte durch anspruchsvolle Vielseitigkeit aus. Mit dem Schwerpunkt "Skandinavische Chormusik" kommt auch das Zuhörvergnügen nie zu kurz. Anfang und Ende gehörten dem Orchester unter der von Leitung Rolf Gupta. Zum Einspielen zuerst die Hjalar-Ljod-Ouvertüre, 1950 von Eivind Groven geschrieben. Mentaler Höhepunkt waren die "Vier letzten Lieder" von Richard Strauss: Ein atmosphärisches Klangbad erster Güte mit Johanna Winkel (Sopran). Bei den Liedern voller Schönheit und Emotionen herrschte atemlose Spannung und Stille in der Kirche. Nach dem ergreifenden "Im Abendrot" mit voll ausgekostetem Schwelgen in Harmonien, nach behutsamem Streicher- und Bläserwohlklang voll schwelgerischer Schönheit löste sich die Spannung erst nach sekundenlanger Atemlosigkeit. Wunderbar!

Ebenso der Schlussauftritt mit den "Pini di Roma" des italienischen Komponisten Ottorino Respighi: Naturalistischer Klangzauber mit Vogelgezwit-scher, zum Schluss (I Pini della Via Appia) fühlte man sich mit zwingendem Rhythmus an das Rezept von Maurice Ravels "Bolero" erinnert: Ekstatische Steigerung des Orchesterklangs bis hin zum vor Lautstärke zitternden Kirchendach. Unvergesslich!

Die Chorteile unter der Leitung von Almut Stümke, Matthias Mensching und Eva-Christina Pietarinen deckten 400 Jahre Musikentwicklung ab; neben dem traditionellen "Ave Maria" beeindruckte die Chorimprovisation "Christ ist erstanden" nicht nur durch die weit im Kirchenraum verteilten Stimmen. Wie schwer "Frieden" zu erreichen ist, wurde deutlich in der Wiedergabe des "Canticle of Freedom" aus dem Jahr 1955 vom amerikanischen Komponisten Aaron Copland. Hier hatte Almut Stümke die Aufgabe übernommen, das große Orchester und den Chor für das "Hohelied der Freiheit" anzuspornen. Auch im wirklichen Leben eine kaum oder nur schwer zu bewältigende Aufgabe. Nach zwei Stunden gab es langen Beifall für ein Konzert, das mit italienischen Impressionen endete. In der Kirche hatten zarte Sonnenstrahlen zwischendurch schon für österliche Stimmung gesorgt. Schnee und niedrige Temperaturen draußen vor der Kirche machten jedoch schnell wieder bewusst, das Ostern und Wetter in diesem Jahr nicht zusammenpassten.

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