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Blick in die Zukunft : Vier Perspektiven für Hertie in Rendsburg

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Wie geht es weiter nach dem Grundsatzbeschluss, in Kaufverhandlungen für das leerstehende Ex-Kaufhaus einzusteigen? shz.de zeigt vier mögliche Varianten auf.

shz.de von
erstellt am 30.01.2014 | 07:15 Uhr

Rendsburg | Am Tag danach machte Bürgermeister Pierre Gilgenast aus seiner Freude keinen Hehl. „Das war eine wichtige Entscheidung“, kommentierte er gestern den Grundsatzbeschluss des Bauausschusses zum Hertie-Gebäude. Am Dienstag gegen 21.30 Uhr hatte das Gremium nach intensiver Diskussion den Weg frei gemacht zur Aufnahme von Kaufverhandlungen. Für den Bürgermeister bedeutet das: Er muss demnächst nach Berlin reisen, um dort mit dem Hertie-Insolvenzverwalter Sebastian Mogos-Lindemann um das Haus und den Preis zu feilschen.

Zu den Erfolgsaussichten gab sich Gilgenast bedeckt. Denn die Preisvorstellungen liegen weit auseinander. Die Rede ist davon, dass das Gebäude 1,7 Millionen Euro kosten soll, der tatsächliche Wert aber lediglich zwischen 700.000 und 900.000 Euro betrage. Allerdings dürfte der Hertie-Verwalter in Bezug auf mögliche Interessenten nicht viele Optionen haben. Die Immobilie ist angesichts des Gebäudezustands und -Zuschnitts nur schwer zu vermarkten und könnte für einen Privatinvestor schnell zum Millionengrab werden. Ein Verkauf an die Stadt wäre ein sicheres Geschäft, und Mogos-Lindemann hätte eine Sorge weniger: Denn auch wenn das Gebäude am Altstädter Markt leersteht und unbeheizt ist, fallen dennoch jeden Monat Unterhaltskosten an, für die der Eigentümer aufkommen muss.

Sollte die Stadt den Zuschlag erhalten, käme Gilgenast entgegen, dass Hertie im Zuge der Altstadtsanierung abgewickelt werden könnte. Rendsburg müsste nur ein Drittel des vereinbarten Kaufpreises aus dem eigenen Etat begleichen. Zwei Drittel würden das Land und der Bund aufbringen, Kosten für einen etwaigen Gebäudeabriss inklusive. Im Rathaus hofft man darauf, die Gespräche mit Mogos-Lindemann bis zur Sommerpause abschließen zu können.

Und was passiert danach? Die ernüchternde Antwort darauf lautet: Das weiß derzeit niemand. Es gibt lediglich Gedankenspiele. Eine plausible Variante wäre eine Mischnutzung. Einzelhandel im Erdgeschoss, Wohnungen oder Büros in den Stockwerken darüber. Auch das Schlagwort „touristische Nutzung“ wurde bereits in die Debatte eingeworfen – ohne zu definieren, was damit gemeint sein könnte.

Variante 1:
Die Verhandlungen zwischen der Stadt und dem Insolvenzverwalter scheitern.

Unwahrscheinlich.  Bis Ende des Jahres sollen alle leerstehenden Hertie-Häuser in Deutschland vermarktet sein. Dieses Ziel hat Sebastian Mogos-Lindemann vom zentralen Vermarkter CR Investment Management selbst ausgegeben. Er steht also unter Zeitdruck, hat jedoch für Rendsburg offenbar keinen konkreten Bewerber an der Hand. Die Immobilie am Altstädter Markt ist ein Ladenhüter erster Güte. Das spielt der Stadt in die Karten. Sie ist für den Hertie-Abwickler bislang der mit Abstand hoffnungsvollste Abnehmer.

Variante 2:
Die Verhandlungen ziehen sich über Monate hin, bevor es zu einem Ergebnis kommt.

Gut möglich. Die Preisvorstellungen beider Seiten liegen fast eine Million Euro auseinander. Der Insolvenzverwalter verlangt etwa 1,7 Millionen Euro, die Stadt darf keinesfalls mehr als eine Million auf den Tisch legen. Durch das Verkehrswertgutachten, das den Marktwert aus Rendsburger Sicht bemisst, ist die Stadt zum Herunterhandeln verdammt. Wer Fördermittel des Landes kassiert, darf beim Kauf von Immobilien nicht prassen. Bürgermeister Gilgenast rechnet vor diesem Hintergrund mit „schwierigen Verhandlungen über einen längeren Zeitraum“.

Variante 3:
Das Hertie-Haus wird abgerissen, die Fläche aber bleibt komplett frei  und wird zum Beispiel für Wochenmärkte oder andere regelmäßige Veranstaltungen genutzt.

Unwahrscheinlich. Gilgenast schließt die Option „Platz frei lassen“ sogar aus.  „Das kann die Stadt sich nicht leisten.“ Der Verwaltungschef favorisiert ein  Wohn- und Geschäftshaus, in dem nur im Erdgeschoss Läden oder Lokale einziehen. Darüber könnten Wohnungen und/oder Büroflächen Platz finden. Nachteil: Für das Hertie-Gelände gibt es nicht einmal einen Bebauungsplan. Im schlechtesten Fall müsste der erst erstellt werden – was Monate dauern würde.

Variante 4:
Es findet sich doch noch ein Investor. Er agiert aber nicht allein, sondern in enger Kooperation mit der Stadt. Kauf, Abriss und Einebnung des Bodens bezahlt die Stadt mit Hilfe des Landes, den Neubau übernimmt der Investor. 

Die wahrscheinlichste Lösung aus heutiger Sicht. „Es könnte sein, dass Investoren sich an die Stadt wenden und Partner werden wollen“, sagt Bürgermeister Pierre Gilgenast.  Ein Drittel der Gesamtkosten für Erwerb, Abriss und Bodenarbeiten müsste die Stadt selbst tragen, der Rest kommt von Bund und Land. Das Sanierungsgebiet Altstadt soll private Investitionen erleichtern.

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