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Senioreneinrichtung : Vier Optionen für die Zukunft der Neuen Heimat

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Eine Unternehmensberatung hat jetzt Zahlen vorgelegt. Ein Weiterbetrieb der Senioreneinrichtung in der Regie in der Stadt ist offenbar eine Ernst zu nehmende Option.

Die verlustreiche Senioreneinrichtung „Neue Heimat“ wird die Stadt Rendsburg weiterhin viel Geld kosten. Das geht aus einem Papier hervor, das die Unternehmensberatung „PricewaterhouseCoopers“ (PWC) im Auftrag der Verwaltung erarbeitet hat. Vier Optionen rechneten die Fachleute durch: einen Weiterbetrieb in der bisherigen Form, einen Teilverkauf, einen Komplettverkauf und eine Schließung. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit stand das Papier gestern Abend auf der Tagesordnung einer Sitzung der Ausschüsse für Finanzen und Soziales.

Wie aus der Kommunalpolitik verlautete, würden die weitreichendsten Varianten den Etat zunächst am stärksten belasten. Sollte die „Neue Heimat“ beispielsweise Ende 2018 ihren Geschäftsbetrieb einstellen, müsste die Stadt das bis dahin aufgelaufene Defizit ausgleichen, die Schulden der Senioreneinrichtung von drei Millionen Euro begleichen, Abfindungen zahlen und den Betrieb abwickeln. Dem stünden Einnahmen von 600  000 Euro durch den Verkauf des Grundstückes gegenüber. Eingeweihte berichteten, dass Rendsburg bei einer Schließung der „Neuen Heimat“ mit sechs Millionen Euro in der Pflicht wäre. Mehr noch: 92 Bewohner und rund 100 Mitarbeiter stünden auf der Straße.

Finanziell noch gravierender würde sich ein Komplettverkauf auswirken. Sieben Millionen Euro müsste die Stadt aufbringen, allerdings würden Arbeits- und Heimplätze erhalten bleiben. Die finanzielle Belastung ergäbe sich im Wesentlichen daraus, dass die Stadtverwaltung für das stark modernisierungsbedürftige Haus keinen Kaufpreis vereinnahmen könnte, sondern dem neuen Eigentümer für den Weiterbetrieb quasi eine Mitgift von vier Millionen Euro überweisen müsste. Wie bei der ersten Lösung bliebe Rendsburg außerdem auf den Kreditschulden der Einrichtung sitzen.

Günstiger wirkt auf den ersten Blick die Variante, 49 Prozent der Geschäftsanteile zu verkaufen. Mit dem kalkulierten Kaufpreis von drei Millionen Euro könnte die Stadt die Kredite ablösen, allerdings müsste sie weiterhin für das nach Tarifvertrag bezahlte Personal zumindest teilweise aufkommen. PWC beziffert die Belastung für den städtischen Etat auf mindestens 1,1 Millionen Euro jährlich.

Das volle unternehmerische Risiko müsste die Stadt tragen, wenn sie den Betrieb komplett auf eigene Rechnung weiterführen will. Die Berater von PWC gehen von einem Verlustausgleich in den Jahren 2017 und 2018 von insgesamt 1,5 Millionen Euro aus. Hinzu kommen weitere Kosten, die die Experten mit der Formulierung „potenzieller zukünftiger Liquiditätsbedarf aufgrund des unternehmerischen Risikos“ umschreiben. Diese liegen bei bis zu einer halben Million Euro im Jahr.

Wie aus Expertenkreisen verlautete, sei der Weiterbetrieb auf eigene Rechnung eine ernst zu nehmende Option, die der „Neuen Heimat“ ab dem Jahr 2022 eine Rückkehr in die schwarzen Zahlen ermöglichen könnte. Voraussetzung sei jedoch, die Zahl der Heimplätze von 92 auf 140 zu erhöhen und das Haus gleichzeitig von Grund auf zu modernisieren. Dies erfordert eine Investition von 9,5 Millionen Euro, die vollständig über Darlehen finanziert werden müsste. Das Rechenmodell ginge allerdings nur auf, wenn die Auslastung des Betriebes konstant bei über 90 Prozent läge und man neue Mitarbeiter zu niedrigeren Gehältern als bisher üblich einstellen würde. Zudem gibt es ein weiteres Risiko: In den Plänen für die nächsten zehn Jahre ist keine Reserve für etwaige Ersatzinvestitionen im laufenden Betrieb enthalten. Ein weiterer Punkt: Der Eigenbetrieb müsste laut Angaben von Politikern in eine GmbH umgewandelt werden – somit würden etwaige Darlehen die GmbH und nicht den Etat der Stadt belasten.

Die „Neue Heimat“ wird in diesem Haushaltsjahr einen Rekordverlust von bis zu 920  000 Euro erwirtschaften. Am kommenden Dienstag, 20. Dezember, wird sich die Ratsversammlung mit der Zukunft der Senioreneinrichtung befassen.

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erstellt am 13.Dez.2016 | 09:38 Uhr

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