Vier Blitzer sollen auf die Hochbrücke

Kieler Verkehrsministerium bittet Kreis um die Geschwindigkeitsüberwachung auf der Autobahn 7 / Dort ist sonst nur das Land zuständig

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13. Mai 2015, 11:34 Uhr

Um die marode Rader Hochbrücke bis zur Fertigstellung des Ersatzbauwerks zu erhalten, geht das Land ungewöhnliche Wege: Das Verkehrsministerium hat den Kreis Rendsburg-Eckernförde gebeten, die Geschwindigkeitsüberwachung auf der Brücke zu übernehmen. Das geht aus einer Beschlussvorlage für den Hauptausschuss des Kreises am 28. Mai hervor. Derzeit laufen Verhandlungen mit dem Land, bestätigte Landrat Dr. Rolf-Oliver Schwemer der Landeszeitung. In einigen Monaten schon könnten vier kreiseigene Blitzer die Auto- und Lasterfahrer auf der Autobahnbrücke zur Einhaltung des Tempolimits bringen.

„Die ausschließliche Zuständigkeit für die Geschwindigkeitsüberwachung auf den Bundesautobahnen liegt bislang bei der Landespolizei“, heißt es in der Vorlage. Das Land bitte jedoch den Kreis, die Aufgabe in eigener Verantwortung zu übernehmen. Das heißt: Der Kreis bezahlt die Geräte, kann aber auch die Einnahmen aus den Messungen einstreichen. Über die Gründe der Bitte schweigt sich das Ministerium aus. „Derzeit laufen Gespräche, mehr kann ich dazu nicht sagen“, so Ministeriumssprecher Harald Haase. Laut der Beschlussvorlage geht es darum, die Zeit bis zur Einrichtung der vom Land geplanten „Section Control“ zu überbrücken. Mit dieser Technik zur Geschwindigkeitsüberwachung wird gemessen, wie lange Fahrzeuge für eine bestimmte Strecke brauchen. Legen sie die Strecke in kürzerer Zeit zurück als unter Einhaltung des Tempolimits möglich gewesen wäre, wird ein Verfahren eingeleitet. Da dafür aber die Kennzeichen auch ohne Verdacht erfasst werden, müssen vor der Einführung noch rechtliche Fragen geklärt werden.

Bis dahin soll nun der Kreis blitzen. Vier Radarfallen sollen dafür aufgestellt werden: An beiden Enden der Brücke einer für jede Richtung. Damit soll sichergestellt werden, dass Auto- und Lasterfahrer nicht nur punktuell die Geschwindigkeitsbegrenzung einhalten. Denn das größte Problem für die Standfestigkeit der angeschlagenen Brücke ist, dass vor allem die Lastwagen schneller fahren als die erlaubten 60 Kilometer pro Stunde. Dadurch wird das Bauwerk zu stark belastet und könnte nicht mehr bis zum Jahr 2026 halten. Dann erst kann der Verkehr frühestens über die neue Brücke fahren.

„Wir haben ein großes Interesse daran, die Lebensdauer der Brücke zu erhalten“, sagte Schwemer. Eine Gefährdung der Standsicherheit der Brücke vor Fertigstellung des Neubaus sei mit massiven Nachteilen für die Region und den Kreis als Wirtschaftsstandort verbunden. Deshalb sei er offen für die Bitte des Landes. Es gehe ausdrücklich nicht darum, an den Kontrollen zu verdienen. „Der Kreis will kein Geschäft machen.“ Die Kosten sollen jedoch gedeckt werden. „Wir brauchen einen Zeitraum von sechs Jahren, damit sich das Engagement lohnt“, sagte der Landrat. Ob sich das Land darauf einlässt, sei noch offen. Die Zustimmung des Hauptausschusses und später des Kreistages soll unter diesem Vorbehalt getroffen werden.

Einer Prognose der Verwaltung zufolge lassen sich die Kosten nicht decken, wenn der Kreis die Anlagen kaufen oder mieten würde. Stattdessen wird erwogen, die Blitzer von einem Unternehmen betreiben zu lassen, das der Verwaltung Foto, Datum, Uhrzeit und Tempo übermittelt, wenn ein Fahrer in die Radarfalle gegangen ist. Erträgen von rund 490  000 Euro stehen in dem Fall Kosten von etwa 485  000 Euro pro Jahr gegenüber. Darin enthalten sind 120  000 Euro für Personal. Denn der Kreis müsste drei Mitarbeiter einstellen, die Verwaltungsakte erlassen und Einspruchsverfahren bearbeiten würden. Wenn die Politiker zustimmen, folgt eine Ausschreibung. Anfang 2016 können die Blitzer einsatzbereit sein, vermutet Schwemer.

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