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Zeit nach Hertie : Vier Ansichten, viele Meinungen

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Die Hertie-Ruine wird erneuert und umgebaut: Was halten Bürger und Geschäftsleute von den Plänen?

Seit sieben Jahren steht das Hertie-Gebäude am Altstädter Markt leer. Nun wurden Pläne für die Umgestaltung veröffentlicht (wir berichteten). Aus dem ehemaligen Kaufhaus in der Rendsburger Altstadt soll ein Alten- und Pflegeheim mit Supermarkt und weiteren Geschäften werden. Die Fassade wird modern gestaltet, der Grundaufbau des Komplexes verändert sich nicht. Der Durchgang vom Altstädter Markt hin zur Marienkirche wird jedoch um zwei Meter verbreitert. Im Sommer 2017 soll mit den Bauarbeiten begonnen werden. Wie stehen die Menschen aus der Region zu dem Großprojekt? Wie finden sie die Entwürfe für die neue Herti-Fassade?

Doris und Uwe Mumm aus Hohn sind angetan. „Besonders schön sind die Terrassen. So wie es auf den Bildern aussieht, fügt sich das neue Gebäude gut in das restliche Erscheinungsbild des Marktplatzes ein“, sagt Doris Mumm. Ähnlicher Ansicht sind Heike Kloth und Dörte Andresen. Auch sie finden, dass das modern gehaltene Gebäude und die umliegenden Fachwerkhäuser einander gut ergänzen. „Am wichtigsten ist ja, dass wieder Leben in die Stadt kommt“, betont Andresen.

Das sehen auch die meisten Geschäftsleute in der unmittelbaren Umgebung so. „Wir freuen uns, dass nun endlich etwas mit dem alten Gebäude passiert“, meint Katrin Murmann von der Coburg’schen Buchhandlung. „Besonders schön ist, dass das neue Gebäude die alten Häuser nicht verdrängt, sondern drumherum gebaut wird“, so die 48-Jährige. Sie glaubt, dass der neue Gebäudekomplex wieder mehr Kunden in die Innenstadt locken wird.

Henning Lilienthal von der Altstädter Apotheke kann sich mit dem Konzept anfreunden. „Die beste Lösung wäre meiner Meinung nach ein kompletter Abriss gewesen“, sagt Lilienthal. „Aber gerade im Hinblick auf die Kosten ist der aktuelle Entwurf eine gute Kompromisslösung.“ Die Bauphase, die im kommenden Sommer beginnen soll, sieht der Apotheker nicht als Gefahr für sein Geschäft am Altstädter Markt. Die königlich privilegierte Apotheke liegt nur etwa drei Meter von der Hertie-Fassade entfernt. Im nächsten Jahr bedeutet das über mehrere Monate Baulärm, Gerüste und Staub in unmittelbarer Nähe zum Geschäft. Mit starken Kundenverlusten rechnet Lilienthal aber trotz allem nicht. „So wie es im Moment aussieht, wird bei der Modernisierung kein Durchgang gesperrt, der unsere Laufkundschaft betrifft“, so Lilienthal. Die Bauarbeiten an sich betrachtet er nicht als Kundenschreck.

Anders ist das bei Kuddel Stender. Der Inhaber der „Galerie Speicher im Stegengraben“ sieht dem Baubeginn äußerst kritisch entgegen. Grund hierfür ist unter anderem eine geplante Tiefgarage für die Angestellten des Alten- und Pflegeheims. Die Einfahrt hierfür soll direkt gegenüber von seinem Geschäft in die erneuerte Hertie-Fassade eingelassen werden. Zwischen dem Eingang der „Galerie Speicher im Stegengraben“ und dem ehemaligen Kaufhaus ist allerdings kaum Platz. Gerade einmal knappe vier Meter ist der Stegengraben an besagter Stelle breit. Auch deswegen geht Stender davon aus, dass die enge Passage während der Bauphase nur schwer zu passieren sein wird. „Wenn die Straße sogar komplett gesperrt werden sollte, könnte das Vorhaben für meinen Laden existenzvernichtend sein“, so der Kunstexperte. Angesichts der beengten Situation in der Seitengasse, könnten die Bauarbeiten dazu führen, dass über mehrere Wochen kaum noch Kunden seine Galerie besuchen. Die neuen Eigentümer hatten sich bei ihm bis gestern noch nicht gemeldet – jetzt plant Stender selbst, auf die Gruppe um die Flensburger Baufirma Höft zuzugehen.

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