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Landeszeitung

11. Dezember 2017 | 16:40 Uhr

Mittelholstein : Viele sind bereit zu helfen

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

120 Besucher bei der Informationsveranstaltung zur Situation der Asylbewerber im Rathaus.

120 Gäste waren offenkundig mehr, als die Amtsverwaltung bei ihrer „Informationsveranstaltung zur Situation der Asylbewerber im Amt Mittelholstein“ erwartet hatte. „Auf so viele Teilnehmer hatten wir gar nicht zu hoffen gewagt“, stellte Amtsdirektor Stefan Landt fest, nachdem mit zusätzlichen Stühlen aus dem Trauzimmer im Ratssaal und auf der Zuschauertribüne Platz für all die interessierten Gäste geschaffen worden war. „Heute gibt es Informationen dazu, was wir für unsere neuen Nachbarn tun können“, erklärte Amtsvorsteher Peter Thomsen zum Auftakt, „es geht darum, das ehrenamtliche Engagement zu fördern, indem wir all die kleinen Schritte aufzeigen, die wir vor Ort für unsere neuen Nachbarn leisten können.“ „Wir erhoffen uns Hilfe durch Ihr ehrenamtliches Engagement“, wandte sich Landt ans Publikum, „es ist schön, dass Sie sich zusammen mit uns auf den Weg machen wollen.“

Petra Peters, Anja Matthiesen und Britta Kurbjuweit von der Amtsverwaltung informierten über die aktuelle Zahl der Asylbewerber im Amt sowie deren Rechtstellung und Leistungsansprüche. „Während der Dauer des Leistungsbezugs nach dem Asylbewerberleistungsgesetz besteht kein Anspruch auf Teilnahme an einem Sprachkurs“, erläuterte Petra Peters, „es können von uns weder die Kosten für den Sprachkurs selbst noch etwaige Fahrtkosten übernommen werden, da es hierfür keine Rechtsgrundlage gibt.“ Erst wenn der Asylantrag anerkannt worden ist, bekommen die Flüchtlinge einen Sprachkurs finanziert. Eine „unbefriedigende gesetzliche Regelung“, so Peters. „Wir alle wissen ja, dass für eine erfolgreiche Integration Deutschkenntnisse unabdingbar sind.“ Man müsse versuchen, „die Situation durch Sprachkurse von örtlichen Anbietern abzumildern – und da ist uns jedes Angebot willkommen.“

In den größeren Gemeinden des Amtes haben sich bereits entsprechende Initiativen entwickelt. Die Hohenwestedter Tafel bietet seit November 2013 Deutschunterricht für Asylsuchende an (wir berichteten). In Aukrug unterrichtet Volker Petzold dreimal die Woche Flüchtlinge aus Somalia, Eritrea, Syrien und aus dem Irak. In Hanerau-Hademarschen kochen Ute und Farokh Hesabi mit Asylbewerbern und vermitteln dabei auch erste Deutschkenntnisse.

Das Amt sucht außerdem ehrenamtliche Paten, die den Asylbewerbern bei der Orientierung in ihrer neuen Lebenswelt zur Seite stehen und ihnen all das erklären, was für sie wichtig ist: Einkaufsmöglichkeiten, Behörden, Schule, Kindergarten, Bus und Bahn, Kleiderkammer, Ärzte, Vereine und Freizeitangebote. „Wir wollen ein breites Netzwerk aufstellen mit allen, die bereit sind zu helfen“, sagte Landt, „dafür gibt es leider keinen Leitfaden, jeder Baustein hilft uns weiter – heute ist erstmal ein Anfang.“

Die Teilnehmer des Infoabends waren aufgerufen, ihr Betreuungsangebot in Rückmeldebögen einzutragen. Das Amt will regelmäßige Treffen der Paten organisieren. Pastor Torsten Wessel bot das Thomashaus als Treffpunkt an. „Ich werte Ihre Teilnahme heute so, dass auch Sie begriffen haben, dass es Menschen sind, die zu uns kommen, und dass wir uns der gesellschaftlichen Aufgabe stellen müssen, ihnen hier bei uns ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen“, bilanzierte Landt, „ich bin zuversichtlich, dass es uns gelingt, viele helfende Hände zu finden, um die akuten Probleme zu lösen.“

Hans-Jürgen Kühl

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