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Zukunftssorgen : „Viele Landwirte mit den Nerven am Ende“

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Der CDU-Bezirksverband Stapelholm hatte eingeladen: Diskutiert wurde die Zukunft der ländlichen Räume und insbesonder der Milchbauern. Unter anderem wurde mehr Initiative von den Meierei-Genossenschaften gefordert.

Es brodelte förmlich im Saal des Landgasthofes Lühr. „Die Lage der Milchviehbetriebe ist ein Kampf um die Existenz“, so Erfdes Bürgermeister und CDU-Bezirksvorsitzender Thomas Klömmer in seiner Begrüßung. Weit über 100 Besucher aus ganz Schleswig-Holstein hatten sich zur Veranstaltung des CDU-Bezirksverbandes Stapelholm in Erfde eingefunden. Das brisante Thema lautete „Zukunft des ländlichen Raumes: Wie geht es mit der Landwirtschaft weiter – brauchen wir einen Systemwechsel?“ Tenor der Versammlungsteilnehmer war die Feststellung, dass der Fremdkapitaleinsatz auf den Höfen stark gestiegen sei und dringender Bedarf an Liquidität bestehe.

Werner Schwarz, Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes und Präsident des schleswig-holsteinischen Bauernverbandes, und Daniel Günther, Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion, waren die Hauptreferenten und standen anschließend Rede und Antwort. Schwarz, selbst Schweinehalter und Ackerbauer, formulierte gleich zu Beginn seine Thesen: „Staatliche Steuerungen auf das Mengenangebot sind wenig hilfreich und Preisschwankungen gehören dazu.“ Vielmehr müsse man „durch handlungsorientierte Maßnahmen versuchen, die Probleme zu lösen“.

Ein Schritt sei „die Bündelung von Verkaufsaktivitäten gegen die Lebensmittelindustrie“. Dazu müssten die Milcherzeuger in „ihren Meierei-Genossenschaften durch geschlossenes Auftreten initiativer sein“. Eine weitere Hilfe für die Liquidität wäre die „Kostenreduzierung durch Entbürokratisierung“. In seinen Schlussausführungen wies Schwarz darauf hin, dass „Preiskrise und Weltmarkt im Zusammenhang stehen“. Als Hoffnungsschimmer gab er zu verstehen: „Die Milchmenge geht derzeit weltweit zurück.“ Eindringlich warnte er aber davor, durch nationale Milchmengenkürzungen vorzupreschen. „Wir kürzen und dann liefern andere“, prophezeite Präsident Schwarz.
Dem CDU-Fraktionsvorsitzenden Daniel Günther ging es dagegen vor allem um die „Wertschätzung der Landwirtschaft“. „Politik und Gesellschaft stehen hier in hoher Verantwortung“, so Günther. Er setzte auf „höhere Verbrauchertransparenz“. Diese müsse zum Ziel haben, dass „mehr Geld bei den Landwirten ankommt“. Hart ins Gericht ging er mit den Embargo-Maßnahmen gegen Russland und verlangte einen finanziellen Ausgleich für die deutschen Milchproduzenten. Am Ende forderte Günther eine vielseitige Landwirtschaft. „Einen Systemwechsel brauchen wir nicht“, erklärte der CDU-Fraktionsvorsitzende im Landtag.

In der Diskussion war immer wieder auch die 2014 abgeschaffte Milchquote ein Thema. Heinrich Horstmann aus Jerrishoe kritisierte vor allem, dass man vor dem Ausstieg aus der Quote die Milchmenge um neun Prozent erhöht hat: „Dieser weiche Ausstieg in dem Jahre 2014 war schlichtweg eine Katastrophe.“ Klaus-Peter Lucht aus Mörel sprach seinen fatalen Schritt an: „Ich habe in Kühe investiert, über Menge den Umsatz gemacht und nicht daran geglaubt, dass es so wie jetzt kommen würde.“ Weiter führte er an, dass man rechtzeitig mit den Banken Kontakt aufnehmen müsse. „Die derzeitigen staatlichen finanziellen Hilfen sind Peanuts“, so Lucht, der Vizepräsident des schleswig-holsteinschen Bauernverbandes und Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Rendsburg-Eckernförde ist.

Für mehr Solidarität unter den Milcherzeugern warb Heiko Struren aus Wilstermarsch: „Wir gucken einfach nur zu und lassen es mit uns geschehen.“ Arne Hansen aus Erfde hielt dem entgegen: „Viele Landwirte sind einfach mit den Nerven am Ende.“ Auf den Punkt brachte es Jörg Schmidt aus Brokdorf: „Was will die CDU gegen das Ausbluten des ländlichen Raumes unternehmen?“ Ehrlich bekannte Günter: „Wir haben kurzfristig keine Lösung, man konnte es einfach so nicht absehen.“ Er forderte jedoch, mehr finanzielle Mittel für ländliche Räume einzusetzen.

Besichtigung bei Landwirt Rahn

Vor der Versammlung besuchten die Teilnehmer den landwirtschaftlichen Betrieb von Sven Rahn in Erfde und konnten sich auf diese Weise vor Ort über die existenzbedrohende Situation eines Milcherzeugers in einer Grünlandregion ein Bild machen. Bei Rahn werden täglich 150 Kühe gemolken. Er bewirtschaftet 140 Hektar. „Unsere Kühe haben täglich Weideauslauf und geben im Jahr 1,2 Millionen Liter Milch“, so Landwirt Rahn. „Zurzeit werden 21 Cent pro Liter ausgezahlt, 35 Cent benötige ich, um allein meine Kosten zu decken“, fuhr er fort. Ausdrücklich betonte Rahn, dass er ausgewogene Fruchtfolgen einhält und sogar 16 Hektar Weideflächen aus der Stiftung Naturschutz extensiv mitnutzt.

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