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Kreis Rendsburg-Eckernförde : Viele Knicks im Kreis fallen durch den Naturschutz-Tüv

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Die Knicks im Kreis Rendsburg-Eckernförde sind in einem schlechten Zustand. Das haben Kontrollen der Unteren Naturschutzbehörde ergeben.

shz.de von
erstellt am 03.Feb.2016 | 06:00 Uhr

Die Knicks im Kreis Rendsburg-Eckernförde sind in einem schlechten Zustand. Das haben Kontrollen der Unteren Naturschutzbehörde ergeben. Die Ergebnisse beziehen sich auf Knicks, die zwischen 2012 und 2014 versetzt wurden – und sie sind alarmierend: Zwei Drittel davon weisen Mängel auf. Dort muss nachgebessert werden, so die Verwaltung.

Die Landschaftsplanerin Kristina Krenz steht seit gut fünf Monaten im Dienst des Kreises, um die Knicks zu kontrollieren. Das Engagement hat seinen Grund: Mit dem Knick-Erlass von Umweltminister Robert Habeck hat es 2013 eine gesetzliche Verschärfung gegeben. „Seitdem steht nicht mehr die Wirtschaftlichkeit im Vordergrund, wenn es um die Genehmigung von Knick-Versetzungen geht, sondern der Naturschutz“, erklärt Michael Wittl, Leiter des Fachdienstes Umwelt beim Kreis. Der Fokus liege nun auf dem Erhalt des Knick-Netzes und dem Schutz jedes einzelnen dieser gesetzlich geschützten Biotope. Damit wurde es für Landwirte schwieriger, eine Genehmigung zu erhalten, wenn sie einen Knick an eine andere Stelle auf ihrem Grund und Boden versetzen wollen, um zum Beispiel ihre Ackerflächen anders aufzuteilen. Deshalb haben viele Bauern noch vorher gehandelt. Allein im Jahr 2012 beantragten sie, Knicks mit einer Gesamtlänge von 20 Kilometern zu versetzen. Schon 2013 ging diese Zahl um rund die Hälfte zurück, während es 2014 nur noch zwei Kilometer waren. Von den zusammen mehr als 30 Kilometern des Drei-Jahres-Zeitraums hat Kristina Krenz bereits rund 24 Kilometer begutachtet, der Rest folgt im Frühjahr. Ihr Ergebnis: „Zu 66 Prozent muss nachgepflanzt oder gemäht werden, während zu 34 Prozent alles in Ordnung war.“

Oftmals seien zum Beispiel Baum-Stubben auf dem neu angelegten Erdwall nicht wieder angewachsen. „Beim Umsetzen kann man viele Fehler machen“, sagt Krenz. Kälte oder eine lange Liegezeit vor dem erneuten Einpflanzen tragen ihr zufolge beispielsweise zum Misserfolg bei. Auch Wildverbiss sei oft ein großes Problem, da helfe nur ein Zaun. Zudem werden viele der versetzten Erdwälle nicht gepflegt, sodass Gehölze kaum eine Chance haben, aus der Grasschicht herauszuwachsen. In diesen Fällen müsse gemäht werden. Gräser und Sträucher könnten zudem durch eine Schicht Stroh oder Hackschnitzel am Wachstum gehindert werden. „Neue Knicks brauchen in den ersten Jahren Pflege. Man kann sich dabei sehr viel Mühe geben – und am Ende klappt es trotzdem nicht“, so die Landschaftsplanerin. Manche Bauern haben die versetzten Knicks zum Beispiel per Güllefass mit Wasser versorgt. „Das war gut.“ Ihre Hinweise seien bei den meisten Landwirten gut angekommen. Denen stattet sie später einen weiteren Besuch ab, um zu sehen, ob alles in die Tat umgesetzt wurde. Am besten sei es, versetzte Knicks gleich mit neuen Pflanzen zu versehen. Dazu sind „Heister“ nötig, etwa 40 Zentimeter große, heimische Gehölze.

Knicks genießen einen besonderen Schutz, weil sie als charakteristische Landschaftselemente gelten und eine Begrenzungswirkung haben. Zudem dienen die bewachsenen Erdwälle an Feldern, Koppeln und Straßen als Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten. „Sie haben auch eine Leitfunktion, zum Beispiel orientieren sich Fledermäuse an ihnen“, so Kristina Krenz.

Noch bis zum 15. März können Knicks auf den Stock gesetzt, das heißt zurückgeschnitten, werden. Bis dahin reicht die Fällsaison. Wenn das neue Landesnaturschutzgesetz noch in diesem Jahr verabschiedet wird, verkürzt sich die Phase von Oktober bis Ende Februar. „In dieser und in der vergangenen Saison stellen wir fest, dass vielen Knicks stattliche Überhälter entnommen werden“, sagt Fachdienstleiter Wittl. Diese Bäume ab einem Meter Stammumfang müssen aber im Abstand von 50 Metern stehen bleiben. Er weist darauf hin, dass sogar eine Genehmigung nötig ist, wenn Bäume abgesägt werden sollen, die zwei Meter Stammumfang in einem Meter Höhe aufweisen.

Fragen zum Versetzen von Knicks beantwortet Kristina Krenz unter Tel. 0  43  31/2  02  12  94.

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