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Rendsburg-Eckernförde : Viel Arbeit – wenig Lohn

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Fast die Hälfte aller Beschäftigungsverhältnisse im Kreis sind Mini-Jobs oder beruhen auf Teilzeit.

Immer mehr Teilzeit, Leiharbeit und Mini-Jobs: Der Anteil gering bezahlter Beschäftigungsverhältnisse steigt in Rendsburg-Eckernförde stark an. Das geht aus aktuellen Zahlen des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung hervor. Demnach werden inzwischen fast die Hälfte aller Arbeitsstellen zur Kategorie „atypisch“ gezählt. Damit liegt der Kreis über dem Bundesdurchschnitt. Die Gewerkschaften warnen vor der Entwicklung, der Unternehmensverband beschwichtigt.

Die Stiftung hat ausgerechnet, dass im Jahr 2013 47,9 Prozent aller Beschäftigungsverhältnisse entweder in Teilzeit oder als Mini-Job geleistet wurden sowie auf Leiharbeit zurückgingen. Das bezeichnet der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) als „atypische Beschäftigung“ und spricht von einer prekären Situation. Im Bundesdurchschnitt lag die Quote bei 43,3 Prozent. „Das ist angesichts des vergleichsweise guten Arbeitsmarktes und des Fachkräftemangels eine ganz fatale Entwicklung“, sagt die Geschäftsführerin des DGB Nordwest, Susanne Uhl. Kritisiert wird, dass diese Arbeit häufig geringer bezahlt und sozial schlechter abgesichert sei. Mit der überdurchschnittlichen Quote steht Rendsburg-Eckernförde im Norden nicht alleine da. Vier Kreise weisen sogar noch einen höheren Anteil auf. In den Kreisen Plön und Ostholstein gibt es mit fast 55 und 52 Prozent laut der Studie sogar mehr atypische Beschäftigung als herkömmliche, sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse in Vollzeit-Arbeitsstellen. Herzogtum Lauenburg (49,5 Prozent) und Schleswig-Flensburg (48,7 Prozent) liegen knapp darunter, aber immer noch vor Rendsburg-Eckernförde. Die geringste Quote der Kreise weist Stormarn auf. Mit 43,7 Prozent liegt sie auch dort aber immer noch über dem Bundesdurchschnitt.

Die Quote lag in Rendsburg-Eckernförde im Jahr 2003 noch bei 37 Prozent und ist seitdem kontinuierlich gestiegen. Einen starken Zuwachs hat der Anteil der Teilzeit-Beschäftigung von fast 15 Prozent in 2003 auf 21,5 Prozent in 2013 erfahren. Mini-Jobs sind im gleichen Zeitraum von gut 22 Prozent auf rund 26 Prozent gestiegen. Der Verdacht der Gewerkschaften ist, dass auf diese Weise geringe Verdienste in der Hauptbeschäftigung aufgebessert werden müssen.

Das sieht Sebastian Schulze vom Unternehmensverband Mittelholstein anders. „Den Arbeitgebern wird immer gleich unterstellt, Teilzeit oder Mini-Jobs aufzuzwingen. Doch die überwiegende Mehrheit der Teilzeitbeschäftigten will gar nicht in Vollzeit arbeiten“, so Schulze. Das zeigten Untersuchungen. So sei das auch bei den Mini-Jobs – viele Arbeitnehmer arbeiten ihm zufolge oft nebenher, um sich Hobbys oder hohe Ansprüche zu leisten. Andrea Julke, Sprecherin der Agentur für Arbeit Neumünster, will auch nicht jede Teilzeit-Stelle als prekär einstufen. „In Teilzeit fällt schon jemand, der 30 Stunden die Woche arbeitet – ist das negativ?“

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erstellt am 30.Okt.2014 | 11:19 Uhr

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