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Verwaltung und Ehrenamtliche wollen in der Flüchtlingshilfe an einem Strang ziehen

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Wie geht es mit dem immer stärker anschwellenden Zustrom von Asylbewerbern weiter? Experten mit Blickwinkeln des Bundes, des Landes und des Kreises haben dazu jetzt Klartext gesprochen. Auf Einladung des CDU-Kreisverbands fand die Fachkonferenz zur Flüchtlingssituation gestern im Nordkolleg statt. Der Bundestagsabgeordnete und Kreisvorsitzende Dr. Johann Wadephul hatte sie initiiert.

Rund 70 Bürgermeister und ehrenamtliche Flüchtlingsbetreuer waren gekommen. Sie hörten klare Worte, etwa von Thomas Wehner, der stellvertretender Referatsleiter im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge ist. Er berichtete, dass derzeit 8500 Asylverfahren von der Erstaufnahmeeinrichtung in Neumünster bearbeitet werden. In den vergangenen Jahren seien die Antragszahlen so stark angewachsen, dass die Mitarbeiter die Bearbeitung nicht mehr schafften. „Deshalb gibt es viele noch nicht geklärte Fälle“, sagte Wehner. Das Bundesamt orientiere sich jedoch nicht nur an Zahlen, „sondern hat Respekt vor jeder Flüchtlingsgeschichte“. Er habe große Achtung vor der Hilfe, die die ehrenamtlichen Flüchtlingsbetreuer leisten. „Das macht unsere Arbeit leichter“, sagte er.

Norbert Scharbach brach eine Lanze für die Änderungen der Großen Koalition im Flüchtlingsrecht. Der Ministerialdirigent im Landesinnenministerium ist Bevollmächtigter für Integration. Während das Asylrecht aus dem Polizeirecht komme und in der Vergangenheit daher restriktiv ausgelegt wurde, gebe es jetzt ein Umdenken zur „integrationsorientierten Aufnahme“. Deshalb sei es Flüchtlingen nun bereits nach drei Monaten erlaubt zu arbeiten. Zudem habe der Bundestag die Residenzpflicht gekippt, so dass Asylbewerber sich auch über die Kreisgrenze der Kommune hinwegbewegen dürfen, in der sie leben.

Petra Mück von der Asylsozialberatung des Kreises Rendsburg-Eckernförde sieht die Fortschritte jedoch nüchterner als der Ministerialdirigent aus Kiel. Sie ist für die Gemeinschaftsunterkunft in Rendsburg zuständig. Dort kommen die Flüchtlinge an, bevor sie einer Unterkunft in einer Gemeinde des Kreises zugeteilt werden. Sie hält die Dauer des Aufenthaltes in der Unterkunft an der Kaiserstraße für zu lang. Das Land sieht drei bis sechs Monate vor. „Die wollen aber alle nicht weg, weil sie innerhalb von zwei Monaten bereits Fuß gefasst haben“, so Mück. Andererseits: „Wenn wir sie nicht verteilen würden, hätten wir eine Ghettosituation in Rendsburg.“ Sie forderte die Politiker auf: Die Asylverfahren, besonders von Menschen aus sicheren Herkunftsstaaten, müssten beschleunigt werden. Zudem forderte sie unter anderem mehr Arbeitsplätze für Frauen mit Kopftuch, mehr Lehrer für Deutsch als Zweitsprache und einen fachlichen Islamunterricht an Schulen.

Norbert Scharbach zeigte sich sicher: „Wir müssen den Verteilerschlüssel ändern.“ Um den Flüchtlingsstrom besser zu steuern, müssen die Menschen entsprechend ihrer Fähigkeiten und Bedürfnisse verteilt werden – nicht strikt nach Einwohnerzahlen der Kommunen.

Die Diskussion im Nordkolleg diente als erster Anknüpfungspunkt für ein Netzwerk der ehrenamtlichen Helfer, sie tauschten Kontakte aus.

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erstellt am 30.Mär.2015 | 11:41 Uhr

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