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Verwaltung: Ratsfraktion fordert Personal-Rochade

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Kämmerer Schröder soll zwangsversetzt werden – und Gilgenast einen Fachbereich übernehmen

Mit einem Angriff auf die Autorität des Bürgermeisters hat die Fraktion Modernes Rendsburg im Finanzausschuss für Aufregung gesorgt. Sie schlug Pierre Gilgenast in der Sitzung am Dienstagabend eine Rochade unter den leitenden Beamten im Rathaus vor. Der Vorstoß ist so ungewöhnlich wie brisant. Denn bei Umbesetzungen innerhalb der Verwaltung mischt sich die Kommunalpolitik gewöhnlich nicht ein. Lediglich über den Stellenplan wird beschlossen. Die Auswahl des Personals überlässt man dem Bürgermeister. Ratsherr und Fraktionschef Fritjof Wilken formulierte im Finanzausschuss deshalb auch keinen Antrag, sondern nur einen Vorschlag.

Der aber ist gepfeffert. Er beinhaltet die Zwangsversetzung von Herwig Schröder, Leiter der Haupt- und Finanzverwaltung. Der, so Wilken, könne kommissarisch den Fachbereich Bürgerdienste von Herbert Schauer übernehmen. Der Beamte geht Ende Februar nach über 50 Dienstjahren in den Ruhestand. Schröders Posten an der Spitze des Fachbereichs II wiederum würde Gilgenast selbst übergangsweise übernehmen, so die Idee von Modernes Rendsburg. Wilken verwies auf ein Organisationsgutachten, das im kommenden Jahr für die Kernverwaltung erstellt werden soll. Bis zum Vorliegen der Ergebnisse könne man die Neubesetzung der Schauer-Stelle aufschieben. Durch den hausinternen Ämterwechsel spare man etwa 50  000 bis 80  000 Euro ein.

Dass Wilken nicht nur haushaltspolitische Motive antreiben, zeigt der letzte Satz der am Montag verfassten Tischvorlage. Deutlich kritisiert Modernes Rendsburg darin die Arbeitsabläufe in der Behörde am Stadtsee. „Mit dieser Entscheidung öffnet sich das Rathaus für eine unvoreingenommene Prüfung der Verwaltungsabläufe im Rathaus und für Organisationsvorschläge, die nicht schon an festen bestehenden Strukturen und Zusagen scheitern.“

Wilken hatte die Verwaltung bereits im Zuge der Posten-Affäre scharf attackiert. Schröder und Gilgenast schadeten durch das gescheiterte erste Bewerbungsverfahren um die Nachfolge von Schauer dem Ansehen der Stadt. Der Umgang mit den Bewerbern sei ein „Skandal“. Zu alte und dadurch ungültige Bewerbungsunterlagen waren nach Angaben von Gilgenast im Fachbereich Personal zu spät erkannt worden. Ratsherr Wilken forderte daraufhin ein Wort der Entschuldigung von Gilgenast – das dieser Tage später auch tatsächlich folgen ließ.

Während der Verwaltungschef in der Posten-Affäre seitdem geschwiegen hat, fühlt sich der ausgeschiedene Bewerber Markus Knapp weiter ungerecht behandelt. Er habe inzwischen Einspruch gegen den Abbruch des ersten Auswahlverfahrens eingelegt und seinen Rechtsanspruch auf Akteneinsicht schriftlich geltend gemacht, erklärte der Polizeibeamte aus Brandenburg. Gilgenast verwehre ihm nun aber den Blick in die Unterlagen und spiele seiner Einschätzung nach auf Zeit. „Er zwingt mich, die Offenlegung der Akten einzuklagen.“ Knapp hat nach eigenen Angaben bis zum 21. Dezember das Recht, die Akten einzusehen.

Gilgenast war gestern nicht zu erreichen. Nach Auskunft seines Büros hatte er Sitzungstermine. Zu den öffentlichen Beratungen des Bau- und Sozialausschusses am Abend, als es um Themen wie den Bau einer Kita im neuen Wohngebiet Neuwerk-West und den möglichen Ausstieg aus der Städtebauförderung für das Viertel ging, erschien er nicht.

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