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Schulgesetz : Verunsicherung in den Lehrerzimmern

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Aus der Redaktion der Landeszeitung

Ein Vorstoß der Kieler Koalition trifft bei den Schulleitern an Rendsburgs Gymnasien nicht auf Gegenliebe. Die Schrägversetzung soll erhalten bleiben.

shz.de von
erstellt am 13.Jan.2014 | 06:00 Uhr

Die Kieler Koalition (SPD, Grüne, SSW) hat ihr Schulgesetz festgezurrt. Der Entwurf passierte jüngst den Landtag – und die Unruhe in den Lehrerzimmern des Landes wächst. Im Entwurf zum neuen Schulgesetz enthalten sind auch Einschränkungen bei der Schrägversetzung, also der Versetzung von Schülern beispielsweise von einem Gymnasium zu einer Gemeinschaftsschule. Die Landeszeitung fragte die Schulleiter der Rendsburger Gymnasien nach ihrer Meinung dazu. Das Bild, das sich dabei abzeichnet, ist eindeutig. Sowohl bei Renate Fritzsch (Gymnasium Kronwerk) und Berthold Kayma (Helene-Lange-Schule) als auch Dieter Anders (Herderschule) trifft der Vorstoß nicht auf Gegenliebe.

In einer Pressemitteilung der Regierungskoalition heißt es: „Die Möglichkeit der Schrägversetzung nach der Orientierungsstufe, wird eingeschränkt und ist nur noch dann zulässig, wenn die Leistungen des Schülers oder der Schülerin trotz individueller Förderungen nicht den Anforderungen des Gymnasiums genügen.“ Eigentlich wollte die Koalition die Schrägversetzung komplett verbieten. „Im Bildungsdialog hat sich gezeigt, dass manche Gymnasien von der Sorge geplagt werden, Eltern würden ihre Kinder, die nicht für das Gymnasium geeignet sind, hier anmelden und die Gymnasien hätten dann keine Möglichkeit mehr, diese Kinder loszuwerden. Diese Sorge teile ich nur in Einzelfällen, dennoch haben wir sie ernst genommen und die Möglichkeit der Schrägversetzung beibehalten“, erklärt der SPD-Bildungspolitiker und Landtagsabgeordnete Martin Habersaat.

Renate Fritzsche weiß, dass ein Schulwechsel für manches Kind ein Drama sein kann, vor allem wenn es dadurch viele Freunde verliert. „Es ist aber eine besondere Form von Kindesmisshandlung, wenn Kinder an einer Schulart belassen werden, die nicht für sie geeignet ist“, sagt die Leiterin des Gymnasiums Kronwerk: „Natürlich wünschen wir uns, dass alle hier bei uns Abitur machen, aber für manche Schüler ist es ab einem bestimmten Zeitpunkt einfach eine Quälerei.“ Zudem berichtet Fritzsche von Schülern, die nach einem Wechsel an eine Gemeinschaftsschule später am Kronwerk vorbeigeschaut und glücklich von besseren Noten und einem guten Gefühl gesprochen hätten.

Fragen wirft der Vorstoß der Regierung bei Dieter Anders auf: „Was sollen wir dann mit den Kindern machen, die trotz bester Förderung und trotz aller Anstrengungen von Schulseite aus nicht für das Gymnasium geeignet sind?“ Berthold Kayma betont: „Die Möglichkeit der Schrägversetzung sollte unbedingt erhalten bleiben. Denn wenn das nicht der Fall ist, dann arbeiten wir quasi wie eine Gemeinschaftsschule.“

Besonders hoch, das bestätigen die drei Schulleiter, sei die Quote der Schüler, die nach der Orientierungsstufe schrägversetzt werden, allerdings ohnehin nicht, befinde sich im unteren einstelligen Prozent-Bereich. Das Instrument der Schrägversetzung an sich halten alle drei aber für sinnvoll. Im Zweifel solle es lieber mehr Durchlässigkeit geben, betont Dieter Anders – in beide Richtungen. So könnten natürlich auch Schüler, die merken, dass sie an einer Gemeinschaftsschule unterfordert sind, an ein Gymnasium wechseln.

Im Zuge der Schulreform soll nach Vorstellung der Koalition auch die Schulartempfehlung für Viertklässler bald der Geschichte angehören. Eltern können ihre Kinder dann unabhängig von der Eignung für eine Schulart ihrer Wahl anmelden. Darin sehen die Rendsburger Schulleiter eine Gefahr. Fritzsche: „Wenn das Gymnasium derart verändert wird, dass alle dort hingehen, auch wenn sie dafür nicht geeignet sind, dann wäre das Abitur kein Zeugnis mehr für die allgemeine Hochschulreife.“


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