Exotische Sprache : Versehentlich Deutsch studiert: Wie eine Nigerianerin auf die Geest kam

Als Deutschlehrerin aus Nigeria zu Gast in Rickert: Omotayo Fakayode mit ihren Gasteltern Florian und Ivonne Papke.
Als Deutschlehrerin aus Nigeria zu Gast in Rickert: Omotayo Fakayode mit ihren Gasteltern Florian und Ivonne Papke.

Deutsch-Lehrerin Omotayo Fakayode aus Nigeria ist für ein Jahr in Rickert – und genießt Frikadellen.

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24. August 2018, 11:07 Uhr

Omotayo Fakayode wohnt normalerweise in Ile-Ife im Südwesten von Nigeria. An der dortigen Obafemi-Awolowo-Universität bringt die 34-Jährige Studenten Deutsch bei. Dass dies so ist und dass sich die junge Frau derzeit nicht auf dem afrikanischen Kontinent befindet, sondern in der beschaulichen Gemeinde Rickert, fing mit einem Zufall an.

„Eigentlich wollte ich Französisch studieren“, erzählt Omotayo, „habe bei der Anmeldung aber versehentlich eine falsche Nummer eingetragen.“ Dadurch landete sie im Studiengang für Deutsch. Die „exotische“ Sprache weckte aber ihr Interesse und so ging es ohne jegliche Vorkenntnisse rein ins Abenteuer. Fünf Jahre dauerte das Studium, wovon allerdings nur vier wirklich zum Lernen genutzt werden konnten – zwischendrin streikten die Professoren für ein Jahr. Danach bewarb sie sich für ein Stipendium beim Goethe-Institut für einen Gastaufenthalt in Deutschland und hatte das Glück, ausgewählt zu werden. Also hieß es Koffer packen und ab nach Europa.

Erstes Ziel war Dresden

In Sachsen stand zunächst ein Sprachkurs auf dem Plan stand. Gleichzeitig wurden aber Eindrücke gesammelt. Nicht ihre ersten von Deutschland, schon während des Studiums war Omotayo für zwei Monate in Hannover gewesen. „Vieles deckt sich mit dem Deutschland-Bild, welches die Nigerianer haben“, sagt die Deutsch-Lehrerin. Das betrifft natürlich die Pünktlichkeit, aber vor allem auch das dichte Verkehrsnetz mit den Autobahnen und Eisenbahnen. Ungewöhnlich war dann aber, dass es in Dresden dieses Jahr fast zehn Grad heißer war als zur selben Zeit in ihrer Heimatstadt.

Nach dem Sprachkurs ging es für die Nigerianerin weiter nach Schleswig-Holstein – und in die Familie von Ivonne und Florian Papke. Für das Ehepaar ist es eine Premiere als Gastfamilie. Dass die beiden Berufsschullehrer vom Berufsbildungszentrum am Nord-Ostsee-Kanal in Rendsburg und die Deutsch-Lehrerin „zusammengelost“ wurden war wiederum ein Zufall. „Wir waren ganz gespannt, was passiert“, erzählt Florian Papke, „zunächst hatten wir nur Kontakt über WhatsApp.“

Freude auf Kochbananen

Zu ihrer Motivation, einen ausländischen Gast aufzunehmen, erzählt Ivonne Papke: „Wir wollten die Welt zu Hause zu Gast haben.“ Das Programm der Austauschorganisation „Experiment“, die mit dem Goethe-Institut zusammenarbeitet, bot sich an. „14 Tage passten gut zum reinschnuppern. Ein ganzes Jahr sollte es zu Beginn nicht gleich sein“, sagt die Mutter einer einjährigen Tochter. Schon nach einer Woche steht für die Papkes bereits fest, dass sie auch in Zukunft Austauschgäste aufnehmen möchten. „Vielleicht kann unsere Tochter Lily, wenn sie ein bisschen älter ist, dann im Gegenzug auch mal ins Ausland“.

Offensichtlich hatten beide Seiten keine großen Eingewöhnungsschwierigkeiten. Omotayo begleitete die Eheleute sogar schon zu ihrer Arbeit in der Schule und konnte in deutsche Lern- und Unterrichtsmethoden hineinschnuppern. Für die Deutschlehrerin eine unerwartete Zusatzerfahrung, „in Nigeria ist Bildung immer noch ein Privileg.“

Auch nach Feierabend läuft der Kulturaustausch weiter. „Dass jeden Tag Brot gegessen wird, war für mich ungewöhnlich“, sagt Omotayo. Ansonsten würde sie das deutsche Essen mögen, „besonders Frikadellen mit Pommes Frites schmecken sehr lecker.“ Trotzdem vermisse sie ein wenig die Gerichte aus ihrer Heimat. Doch die bringt sie ihrer Gastfamilie gerade näher. Florian Papke freut sich auf die fremden Genüsse: „Die Kochbananen reifen schon vor.“

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