Eckernförder St.-Nicolai-Kirche : Verschollene Gruft entdeckt

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Sechs Grabkammern gab es unter der Kirche. In ihnen wurden Adelige der umliegenden Güter bestattet. Die Gruft wurde bei Sanierungsarbeiten der Kirche entdeckt.

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12. April 2019, 19:08 Uhr

Bei Tiefbauarbeiten zur Trockenlegung der Außenmauern der St.-Nicolai-Kirche auf dem Eckernförder Kirchplatz sind die Überreste einer alten Gruft zutage gefördert worden. Der Gewölbeansatz ist im Graben neben dem Chorraum deutlich sichtbar.

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Gernot Kühl
 

Bis Ende des 19. Jahrhundert stand über der Gruft, die adligen Familien aus der Region zugesprochen wird, noch ein Anbau. Särge oder Knochen wurden an dieser Stelle nicht gefunden. Mehrere Funde menschlicher Knochen hat es nach Auskunft des mit der Kirchensanierung betrauten Architekten Dietrich Fröhler jedoch an der Nordseite der Kirche gegeben. Früher seien die Menschen rund um die Kirche bestattet worden. Die menschlichen Knochen seien auf dem Friedhof am Mühlenberg anonym beigesetzt  worden.

Denkmalsexperte Dr. Deert Lafrenz mit einem gefundenen Rippenstein, anhand dessen sich das Alter der Gruft erklären lässt.
Gernot Kühl

Denkmalsexperte Dr. Deert Lafrenz mit einem gefundenen Rippenstein, anhand dessen sich das Alter der Gruft erklären lässt.

 

Die von einem Tonnengewölbe überdachte Gruft dürfte nach Auskunft von Dr. Deert Lafrenz etwa 3,50 Meter lang und zwei Meter breit gewesen sein.  Sie stammt wahrscheinlich aus dem späten Mittelalter, schätzt der ehemalige Gebietsreferent für die Ostküste beim Landesamt für Denkmalschutz. Lafrenz fand im Bauschutt einen für die damalige gotische Bauweise typischen Rippenstein für die Gewölbekonstruktion, den sogenannten „Birnstab mit zwei Begleitwülsten“.  Diese Steine seien vom 13. bis 15. Jahrhundert verwendet worden.  

Auf dieser alten Zeichnung dist der Anbau im Vordergrund gut zu erkennen.
LZ

Auf dieser alten Zeichnung dist der Anbau im Vordergrund gut zu erkennen.

 

Der auf einer historischen Zeichnung aus dem Jahr 1878 zu sehende kleine, quadratische Anbau mit einem Giebeldach an den Chorraum  könnte als Aufenthaltsraum für die Pastoren gedient haben, auch ein kleiner Innenhof könnte dort angelegt gewesen sein, vermutet er weiter. Der  darunter gelegenen Gruft schreibt der Experte die Funktion eines Beinhauses zu. Darin wurden früher die Gebeine und Schädel von Verstorbenen aufbewahrt. Der Anbau, so Lafrenz, sei 1878 abgebrochen worden.

Die zwischen 1260 und 1280 erbaute St.-Nicolai-Kirche wurde von den Adligen der umliegenden Güter als Ort der Bestattung sehr geschätzt.  Fünf Grabstätten sind in der Kirche untergebracht, nur eine davon, die kleinere Buchwaldtsche Gruft, ist noch verschlossen und mit Särgen und Leichnamen belegt.  In der angrenzenden Meinstorfsche Gruft befinden sich  fünf Sarkophage, in denen sich Holzsärge befinden. Ob diese belegt sind,  ist nicht gewiss.  Hier liegen  Ahnen der Adelsfamilie von Ahlefeldt.  Die große Gruft ist verziert mit Wand- und Deckenmalereien. Sehr kunstvoll bemalt und mit Schnitzarbeiten der Familie Gudewerdt  versehen ist das Pogwischsche Grabgewölbe. Es dient als Lagerraum. In der daneben befindlichen größeren Buchwaldtschen  Gruft befindet sich ein WC, und die Ahlefeldtsche Gruft ist zur Sakristei umgebaut worden.

Architekt Fröhler vermutet aufgrund der Fragmente, dass die Gruft aus zwei Kammer bestand.  Der alte  Zugang vom Chorraum aus sei klar durch Backsteine statt Feldsteine im Mauerwerk erkennbar. Die Entdeckung der Gruft ist für ihn kein Grund für weitere Freilegungen, weil sie weitgehend zerstört ist. Um spätere Erforschungen zu ermöglichen, wird die Fundstelle nur mit Kies zugeschüttet.

Die Erdarbeiten sollen in acht Wochen beendet sein. Die gesamte Kirchensanierung ist voraussichtlich in drei Monaten abgeschlossen. Die Kosten belaufen sich auf zwei Millionen Euro.  

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