Verliebt in die deutsche Sprache

Feridun Zaimoglu warf einen humorvollen Blick auf das Zusammenleben der Kulturen.
Feridun Zaimoglu warf einen humorvollen Blick auf das Zusammenleben der Kulturen.

Erfolgsautor Feridun Zaimoglu liest vor 60 Zuhörern

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20. Februar 2019, 16:46 Uhr

Einen Tag vor der Veröffentlichung seines neuesten Buches „Die Geschichte der Frau“ las Feridun Zaimoglu am Dienstag in Rendsburg aus der 2018 erschienenen Sammlung „Ich gehe durch das Deutschland meiner Tage“. Auf dem schwarzen Umschlag ist in silberfarbenen Lettern zu lesen: „Wo stehe ich? Wo steht Deutschland? Wo stehe ich in Deutschland? Feridun Zaimoglu sucht Antworten“.

In der dritten Folge „Literatur in der Lounge – Literatur im Gespräch“ trug Zaimoglu vor etwa 60 Zuhörern im Nordkolleg Passagen aus dem Buch vor, in dem er Notizen aus seinem Leben literarisch aufgearbeitet hat. Bis dahin bestanden sie ungeordnet als Zettelsammlung. Britta Lange, Nordkolleg-Fachreferentin für „Literatur & Medien“, stellte den Kieler Erfolgsautoren als „fantasiebegabten Sprachspieler“ vor. Bewundert wurde sein Wortschatz, die Sprachgewandtheit, Genauigkeit der Beobachtung, die Feinheit des Ausdrucks und die klare Aussprache.

Die 27 Essays und biografischen Texte handeln vom täglichen Leben eines Schriftstellers in Kiel und seinen Reisen durchs Land. Mit Ironie, Humor, Sprachwitz und Selbsterkenntnis schildert er seine Begegnungen. 1964 geboren, verlebte der Sohn türkischer Eltern seine Kindheit in Anatolien. Er kam zum Medizin-Studium nach Kiel. Aus dem „doppelten Studienversager“ (Zaimoglu) wurde ein erfolgreicher sowie vielfach prämierter Schriftsteller. Er ist begeistert von der deutschen Sprache und verliebt in sie. „Jeden Morgen, noch nicht ganz wach, halb betäubt beim ersten Becher Kaffee“ (Zaimoglu) beginnt er mit dem Lesen eines Gedichts. „Ich bin weniger bei Goethe, mehr bei den Stürmern und Drängern.“

Zaimoglu beobachtet mit Blick von außen Besonderheiten des Zusammenlebens mehrerer Kulturen. Er schildert seine Schulzeit, das Lernen, seine Entwicklung und was die Schule aus dem kleinen Feridun machte, welchen Einfluss Lehrerinnen wie „Frau Jumbo mit großen Ohren wie Kinderhände“ auf ihn hatten.

„Ich war aus freien Stücken Deutscher geworden! Wir werden in der Schule zu Schlaumeiern erzogen.“ Zunehmende Rau- und Rohheit des Zusammenlebens, extreme Verhaltensweisen und den Bezug auf eigene Wurzeln verstehe er nicht. Begegnungen auf der Straße mit extremen Typen und Verhaltensweisen sind sein Thema. Er nennt das Schicksal einer Frau, die aus Liebe zu einem Mann zum Islam konvertiert ist und am Ort des Schwiegervaters in den anatolischen Bergen leben und dienen soll.

„Identität ist langweilig. Ich habe nie verstanden, dass man so großen Wert auf seine Wurzeln, Herkunft, Identität und Zugehörigkeit legt. Mir reicht es zu sagen: Ich bin deutsch, mit dem Gesicht, dem Namen“ wendet er sich gegen „die neuen Patrioten, die das Andere entwerten müssen, um das Eigene zu lieben. Das ist eine Verhaltensstörung. Das ist geradezu widerlich!“ Lieben lernen ohne zu hassen ist sein Ziel.

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