zur Navigation springen

Wieder Tunnelsperrung : Verkehrs-Kollaps rund um den Tunnel

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Ein Lkw hat unter dem Nord-Ostsee-Kanal Hydrauliköl verloren. Der Tunnel wurde komplett gesperrt, überall in der Region gab es lange Wartezeiten, kilometerlange Staus und chaotische Szenen.

von
erstellt am 16.Okt.2013 | 06:00 Uhr

Auch das noch: Gestern gegen 9.30 wurde einem Lkw im Kanaltunnel der Tank für Hydrauliköl aufgerissen. Die Folge war ein Verkehrs-Kollaps, der sich bis in den Nachmittag hineinzog. Hunderte Lastzüge stauten sich nördlich und südlich des Kanaltunnels. Ein Lkw-Fahrer war am Vormittag im Tunnel in Richtung Norden unterwegs, als er plötzlich einen Schlag unter dem Wagen hörte. Vermutlich war er über ein Metallteil gefahren. „Als der Fahrer in den Rückspiegel schaute, sah er bereits das Hydrauliköl aus dem Tank spritzen“, berichtete der Rendsburger Wehrführer Gerrit Hilburger. Der Lkw rettete sich noch auf die Baustelle nördlich des Kanals. Der Tunnel wurde hinter ihm sofort gesperrt – zunächst nur eine Fahrspur, dann komplett. Das besonders schmierfähige Öl hatte sich nicht nur im gesamten Tunnel verteilt. Die nachfolgenden Autofahrer verschmutzten unwissentlich die gesamte Bundesstraße bis in Höhe des Eiderparks, indem sie das gefährlich-schmierige Öl an ihren Reifen mitschleppten und die Straße in eine Rutschbahn verwandelten.

Während die angekündigte Tunnelsperrung am vergangenen Wochenende nur relativ wenige Auswirkungen hatte, kam es nach dem Ölunfall schlagartig zum Verkehrs-Kollaps. Hunderte von Lkw steckten nördlich und südlich des Kanals buchstäblich in einer Sackgasse. Doch nicht nur die Brummi-Fahrer waren betroffen. Fünf Damen aus Jevenstedt gehörten zu den Ersten, die vor dem Tunnel ausgebremst wurden. Sie waren auf dem Heimweg von ihrer Sportstunde, mussten dann aber mehr als zwei Stunden vor dem Tunnel ausharren. Um 13 Uhr wurde die Fahrbahn Richtung Süden wieder freigegeben.

Wenige Meter entfernt, in der Berliner Straße, hatte die Polizei alle Hände voll zu tun, um die Zufahrt zur Bundesstraße wirklich geschlossen zu halten. Innerhalb kürzester Zeit bildete sich auch auf der Zufahrtsstraße ein langer Stau, der bis tief in die Stadt hineinreichte. Viele Fahrer wollten lieber das Ende der Sperrung abwarten, als sich auf einen Umweg einzulassen.

Während die Trucker auf der rechten Spur warteten und sich die Zeit mit Klagen über die Verkehrssituation vertrieben, suchten viele Autofahrer nach einer Lücke in der Absperrung. Sie aber wurden von einem massiven Polizeiaufgebot gestoppt und in ein Wohngebiet geleitet, das für einige Stunden als Wendehammer herhalten musste – es herrschte ein heilloses Durcheinander.

Chancenlos war auch ein Lkw-Fahrer aus Lettland, der sich mit Hupe und rasantem Tempo Durchfahrt erzwingen wollte. Es bedurfte schon einiger beruhigender Worte, um den aufgebrachten Mann zu besänftigen und ihn zum Wenden zu bewegen. Szenen wie waren diese waren rund um den Kanal gestern Alltag. Ob auf der B 202 aus Richtung Kiel oder auf der B 77 – immer wieder waren Auto-, Bus- und Lastwagenfahrer zu beobachten, die die Nerven verloren und rücksichtslos wendeten oder im Rückwärtsgang die Flucht aus dem Stau ergriffen. In den Wohngebieten entlang der Tunnel-Zufahrten herrschte ebenso wie in Rendsburg und Büdelsdorf Hochbetrieb.

Das galt auch für die Fähren, die anders als bei der angekündigten Tunnelsperrung am vergangenen Wochenende nicht auf den Ansturm eingestellt waren. Selbst an der Fähre Breiholz bildeten sich lange Warteschlangen. Die Reinigung der verschmutzten Fahrbahn zog sich noch bis gegen 17 Uhr hin.

Einen Verkehrskollaps in solchem Ausmaß hat es in der Region Rendsburg bisher noch nicht gegeben. Und es gibt Hoffnung, dass sich das Desaster nicht wiederholt. Ende November soll die Rader Brücke wieder für den Verkehr freigegeben werden (siehe Seite 3) – und dann müsste der Lkw-Verkehr nicht mehr durch den Tunnel. Damit wäre die größte Gefahr gebannt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen