Musikalische Untermalung : Verkaufsshow füllt Vereinskasse

Lohn für die Werbung: Vereine, die in Kooperation mit einer Firma eine Verkaufsveranstaltung für Haushaltsprodukte  organisieren, erhalten als Vergütung je Abend 500 Euro. Foto: lz
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Lohn für die Werbung: Vereine, die in Kooperation mit einer Firma eine Verkaufsveranstaltung für Haushaltsprodukte organisieren, erhalten als Vergütung je Abend 500 Euro. Foto: lz

Männergesangverein "Sangeslust" kassiert Prämie für Vermarktung von Haushaltsgeräten / Verbraucherschützer raten zur Vorsicht

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13. April 2013, 08:56 Uhr

Owschlag | Die Verkaufsshow im privaten Kreis scheint ein Erfolgsmodell zu sein. Tupperware hat es vorgemacht, immer mehr Firmen ziehen nach: Der Vertrieb auf Partys floriert. Doch nicht nur im heimischen Wohnzimmer lässt sich die Kauflust anregen. Auch im Clublokal werden Geschäfte gemacht. In der Gemeinde Owschlag zum Beispiel laden Vereine ihre Mitglieder zu Veranstaltungen ein, bei denen Matratzen, Töpfe oder Kaffeemaschinen angeboten werden.

Norbert Wemmert, Vorsitzender des Owschlager Männergesangvereins "Sangeslust", schwärmt in höchsten Tönen von dieser Variante der Vermarktung. Denn der Einsatz zahlt sich mit 500 Euro je Verkaufsveranstaltung für die singenden Männer aus. "Der Verein braucht Geld", sagt Wemmert. "Nebeneinnahmen sind wichtig für uns, um Notenmaterial, Liedermappen und Chorreisen zu finanzieren."

Seit 2008 haben die Sänger schon drei Mal eine Produktshow realisiert. Auch befreundete Vereine wurden auf diese Einkommensquelle aufmerksam gemacht. So plant der Sterbegeld-Unterstützungs-Verein Owschlag am 26. April ebenfalls eine Verkaufsveranstaltung mit Haushaltsgeräten im "Landhaus Hentschel".

Die Organisation und der Ablauf der Abende folgt einem festen Muster. Die Firma Rondo, Partner des Unternehmens Rudh-Haushaltsgeräte in Mindelheim, wendet sich zunächst an Vereine, Clubs, Gemeinschaften und Feuerwehren und bietet eine Kooperation an. Die Aufgaben der Vereine bestehen darin, einen Raum zur Verfügung zu stellen und dafür zu sorgen, dass mindestens 20 Paare im Alter ab 30 Jahren an dem Verkauf teilnehmen. Zu dem verabredeten Termin erscheint ein Vertreter, der die Waren vorführt. Im Anschluss an den zwei- bis dreistündigen Auftritt erhält der Verein als Vergütung für die Werbetätigkeit 500 Euro bei voller Anzahl der Gäste. Kommen weniger als 40 Kunden, gibt es 25 Euro pro Paar.

"Das Geld ist jedes Mal umgehend gezahlt worden", versichert Norbert Wemmert. Der "Sangeslust"-Vorsitzende verweist darauf, dass es sich um eine legale Verkaufsmethode handle, bei der die Firma den Zwischenhandel und Werbung spare. Es sei natürlich klar, dass der kommerzielle Hintergrund die Hauptrolle spiele. Dennoch sei die Atmosphäre "humaner" als bei einer Kaffeefahrt. Die Verkäufer seien nie aufdringlich gewesen - auch wenn manchmal nur drei Küchenmaschinen und zwei Matratzen an einem Abend verkauft worden seien. Es bestehe kein Kaufzwang. Der Vorsitzende, der selbst eine Küchenmaschine für 600 Euro erstanden hat, räumt zwar ein, dass die Waren überteuert sein könnten. Dennoch beurteilt der Chef der Sangesbrüder diese Chance, die Vereinskasse aufzubessern, als durchweg positiv.

Verbraucherschützer allerdings stimmen nicht in das Loblied ein. Boris Wita, Justiziar der Verbraucherzentrale Kiel, rät vielmehr zur Vorsicht. "Finger weg", lautet sein Rat. Denn wenn es nach solchen Direktverkäufen später zu Beschwerden komme, sei es oft schwierig, Ansprechpartner zu finden. Der Experte vermutet hinter dieser Art des Vereinssponsorings eher eine "Kaffeefahrt in neuem Gewand".

Der Flensburger Polizist Bernhard Stitz, der mehr als 100 Verkaufsveranstaltungen besucht hat und bundesweit seit Jahren vor unseriösen Praktiken warnt, bleibt ebenfalls skeptisch. Die Vereinsmitglieder sollten misstrauisch sein und sich fragen, wie die 500 Euro Prämie finanziert werde. Der Verdacht liege nahe, dass diese Summe über die Preise für die angebotenen Artikel erwirtschaftet werde und kein Präsent des Unternehmens sei. "Keiner hat etwas zu verschenken."

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