Verhaltene Freude über Brückenbau

Rader Kanalquerung: Berlin gibt grünes Licht für Planung / Verwaltung, Politik und Wirtschaft erleichtert, bedauern aber Verzicht auf Tunnel

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19. Juni 2014, 07:56 Uhr

Die Rader Hochbrücke wird durch einen Neubau ersetzt – auf diese Nachricht aus Berlin haben die Verantwortlichen in der Region gestern mit Erleichterung reagiert. Vertreter aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft betonten, dass diese Entscheidung Planungssicherheit gebe. Mit Bedauern wurde quittiert, dass die Überlegungen über einen kombinierten Straßen- und Bahntunnel als Alternative zur Hochbrücke offenbar vom Tisch seien.

So hält es Landrat Dr. Rolf-Oliver Schwemer für richtig, dass Landesverkehrsminister Reinhard Meyer weiterhin für einen kombinierten Tunnel bei seinem Amtskollegen vom Bund werben möchte. Für die Planung eines kombinierten Bauwerks werde der Zeitraum nach seiner Einschätzung jedoch kaum ausreichen. „Das wäre sehr ambitioniert“, sagte Schwemer gegenüber der Landeszeitung. Er stellte klar, dass die Entscheidung für ein einfaches Bauwerk nicht von der Verpflichtung entbinde, für einen Ersatz der Eisenbahnhochbrücke zu sorgen. „Damit muss rechtzeitig begonnen werden, damit wir nicht in das gleiche Dilemma geraten wie mit der Rader Hochbrücke.“ Denn es sei keineswegs sicher, dass die Restnutzungsdauer für die von der Eisenbahn genutzte Kanalquerung tatsächlich 50 Jahre betrage, wie der Bund jetzt prognostizierte.

Bürgermeister Pierre Gilgenast stößt ins gleiche Horn. „Irgendwann wird uns das einholen“, sagte er mit Verweis auf die begrenzte Lebensdauer der Rendsburger Eisenbahnhochbrücke. Gilgenast hätte eine „ganzheitliche Planung“ erwartet, die die Voraussetzungen für einen Tunnelbau aufzeige. „Das wäre jetzt die Gelegenheit gewesen.“ Grundsätzlich sei es jedoch zu begrüßen, dass der Bund auf die angespannte Verkehrssituation in der Region endlich reagiere. „Wir haben schon fast zu lange auf ein Signal aus Berlin gewartet.“ Rendsburg sei der zentrale Verkehrsknotenpunkt in Schleswig-Holstein. Diese Sperrung der Hochbrücke im vergangenen Jahr habe die Wirtschaft und die Menschen in der Region sehr belastet. „Das wollen wir nicht nochmal erleben.“

Der Präsident des Unternehmensverbandes Nord, Uli Wachholtz, wertete die Entscheidung aus Berlin „als Bekenntnis zum norddeutschen Wirtschaftsstandort“, bedauerte aber ebenfalls den Verzicht auf einen kombinierten Tunnel. Es sei nicht vorstellbar, was passiert, wenn die Eisenbahnhochbrücke einmal ausfalle. Zudem machte Wachholtz deutlich, dass die Eisenbahnhochbrücke in Zukunft deutlich stärker belastet werde als derzeit: „Der Verkehrsminister selbst hat in seiner letzte Woche vorgestellten Verkehrsprognose die Steigerung des Bahnverkehrs bis zum Jahr 2030 mit 43 Prozent angegeben.“

Die CDU meldete sich gestern mit mehreren Pressemitteilungen zu Wort. Der Bundestagsabgeordnete Johann Wadephul erklärte, dass „die Autobahnhochbrücke ein Teil der Verkehrslebensader Jütlands ist“. Sie dürfe nicht unterbrochen werden. Daher sei die langwierige Planung eines Tunnels nicht in Betracht gekommen. Der CDU-Kreisfraktionschef Manfred Christiansen sprach von einer „klugen Entscheidung des Bundes“.

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