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Fachkräfte gesucht : Vergebliche Suche nach Fachkräften

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Die Firmengruppe Rolf Petersen aus Osterrönfeld möchte gern einstellen. Gesucht werden Ingenieure, technische Zeichner und Kaufleute. Aber es ist kein Pernal zu finden. „Der Markt ist leer“, sagt Firmengründer Rolf Petersen.

Die Firmengruppe Rolf Petersen, ein familiengeführtes Unternehmen mit rund 260 fest angestellten Mitarbeitern und rund 30 Millionen Euro Jahresumsatz, spielt seit Jahren erfolgreich in der ersten Liga der Sanitär- und Heizungsbranche. Parade-Referenz ist der Konzertsaal der Elbphilharmonie, in dem die Spezialisten aus Osterrönfeld für die Wärme sorgen. Die Zukunft müsste rosig aussehen – gäbe es nicht den Fachkräftemangel, der viele Facetten hat und das Unternehmen vor große Herausforderungen stellt. Dazu ein Gespräch mit Rolf und Gerrit Petersen.

Eigentlich laufen die Geschäfte blendend in dem Osterrönfelder Unternehmen. Und dennoch machen sich Rolf und Gerrit Petersen Sorgen: „Wir könnten sofort drei Ingenieure, drei technische Zeichner und 20 Monteure einstelle“, sind sich Vater und Sohn einig. Derzeit sehen sie allerdings kaum eine Chance auf qualifiziertes Personal. Der Markt ist leer. Die Folgen sind für das Unternehmen ganz direkt spürbar: Es ist schon mehr als einmal vorgekommen, dass Projekte abgelehnt werden mussten. Fachkräftemangel heißt das Stichwort. Wie begehrt gut ausgebildete und motivierte Leute sind, zeigen Vorfälle auch in Osterrönfeld. „Es kommt vor, dass für die Vermittlung eines Monteurs 1000 Euro gezahlt werden. Und Ingenieure beziehungsweise Meister bekommen Anrufe von Headhuntern“, berichtet Gerrit Petersen. Bisher hat das Unternehmen Abwerbungen meist verhindern können, wie Rolf Petersen betont. Aber die eigenen Versuche, Mitarbeiter zu gewinnen, sind schwierig. Vor allem in der Region. Stellenanzeigen blieben erfolglos. „Der Markt ist leer“, lautet die Erfahrung.

Einen Weg aus dem Dilemma sehen die Geschäftsführer darin, selbst auszubilden. 25 angehende Monteure, technische Zeichner und Kaufleute sind an den Standorten Osterrönfeld und Rostock beschäftigt. Darüber hinaus wird mit Leiharbeitern gearbeitet. „Viele waren zuvor an Werften beschäftigt, die meisten stammen aus den neuen Bundesländern“, sagt Rolf Petersen. Angebote einer Festanstellung sind meist vergeblich. „Die Familien und Häuser sind weit entfernt. Die wollen nicht wechseln“, erläutert Rolf Petersen. Und dann ist da noch die Auslöse – eine Pauschale für den täglichen Mehraufwand für Leute, weit von zu Hause arbeiten. Darauf wollen viele nicht verzichten. „Wir haben auch schon drei bis vier Euro mehr Stundenlohn geboten. Aber es hat nichts gebracht“, berichtet Gerrit Petersen.

Auch die 2012 eingeführte „Blue Card“, die es Spezialisten von außerhalb der EU leichter machen soll, zum Arbeiten nach Deutschland zu kommen, bringt das Osterrönfelder Unternehmen nicht voran. Voraussetzung ist nämlich, dass die Fachkräfte mehr als 46 400 Euro brutto im Jahr verdienen. Monteure fallen nicht in diese Kategorie.

Die Unternehmensgruppe Rolf Petersen mit ihren Standorten in Osterrönfeld und in der Nähe von Rostock setzt auf Qualität und sieht sich in Norddeutschland verwurzelt. So berichtet Rolf Petersen, dass seine Leute auf einigen Baustellen die Einzigen seien, die deutsch sprechen. Eine Voraussetzung sei das nicht, sorge aber dafür, dass man sich mit den Kunden problemlos verständigen könne, erleichtere die interne Kommunikation und schaffe auch Vertrauen.

Beim Thema Fachkräftemangel kommt schließlich die Sprache unweigerlich auf die Bezahlung. Mit den großen Industrieunternehmen könne man als mittelständischer Familienbetrieb einfach nicht mithalten, bekennt Gerrit Petersen. Zudem werde die Belegschaft älter. Auf die Frage, wie die Unternehmensgruppe in zehn Jahren aussehen werde, überlegt Gerrit Petersen lange. „Es ist schwierig“, sagt er. „Aber letztlich geht es nur über das Geld. Vielleicht müssen wir mehr bezahlen. Wenn der Tarif erhöht wird, entschließen sich möglicherweise mehr junge Leute, die Berufe zu ergreifen, die wir so dringend benötigen.“

 

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erstellt am 17.Okt.2013 | 06:00 Uhr

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